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Präsidenten auf Ganoventour

18. April 2010

Man kann darüber streiten, ob Kathryn Bigelow ihren Oscar-Regen für „The Hurt Locker“ wirklich verdient hat (abgesahnt hat sie schließlich in allen wichtigen Hauptkategorien wie „Bester Film“ und „Beste Regie“). Ich würde vielleicht nur in punkto „Bester Film“ wirklich streiten wollen, was Regie angeht, nicht. An der Stelle könnte ein „negativ“ Eingestellter natürlich kontern, dass selbst das nur einen „politischen“ Hintergrund hat – endlich mal eine Frau gewinnen lassen. Im Fall Bigelow würde das aber eigentlich in keinster Weise zutreffen. Denn: Diese Frau hat sich wirklich verdient gemacht – und das auch noch in einem Filmgenre, das sich ja tatsächlich größtenteils nur aus männlichen Kontrahenten zusammensetzt – Bigelow zeichnet sich aber, meiner Meinung nach, genau dadurch aus. Eben das sie nicht ins Komisch-Dramatisch sickert, sondern sich im Actiongenre probiert hat und durchaus geniale Streifen produziert hat.

Schon öfter habe ich in dem einen oder anderen Artikel einen meiner absoluten Lieblingsfilme von Bigelow angesprochen, der nun (hoffentlich) angemessen gewürdigt werden soll: „Point Break – Gefährliche Brandung“. Ursprünglich war Ridley Scott für diesen Film vorgesehen, aber wie das so ist, hat er den Job nicht bekommen. Warum? Bigelows Damals-Noch-Ehemann James Cameron war Executive Producers von „Point Break“ und holte seine eigene Frau an Bord. Inwieweit das gerechtfertigt ist oder nicht, sei jetzt mal dahin gestellt. Aber wozu sind Ehepartner schließlich da??? 🙂

Auf jeden Fall kreiert Bigelow einen grandiosen Actionstreifen um den jungen FBI-Agenten Johnny Utah (ein junger Keanu Reeves), der zusammen mit seinem Partner Angelo Pappas (Gary Busey) Jagd auf die berüchtigten Bankräuber „Die Ex-Präsidenten“ macht. Während ihrer Ermittlungen kommen sie auf die Idee, die Ganoven in der Surfer-Szene zu suchen, weswegen Utah sich ein Surfboard und die hübsche Tyler (Lori Petty) als Lehrerin nimmt, um undercover zu ermitteln. So lernt er auch den Adrenalin-Junkie Bodhi (Patrick Swayze mit coolem Bart und langen Haaren) und seine Truppe kennen, die Utah nach kurzer Zeit als einen der ihren aufnehmen. Dumm ist nur, dass sich dann herausstellt, dass Bodhi und seine Kumpel die „Ex-Präsidenten“ sind. Ganz dumm…

„Point Break“ ist kein üblicher Actionfilm, wenn man davon ausgeht, dass Bigelow es schafft, vor allem mit Bodhi eine Figur vorzustellen, die mehr in ihrem Leben sucht und dies auch im Film deutlich macht. Eigentlich sind alle Figuren in diesem Film nach kurzer Zeit gefangen in diesem Sog, der sich Wellenreiten nennt. Sie sehen eine Philosophie in dem, was sie tun. Bei einer Party wirken sie fast schon wie alte Hippies, die von der Nähe zum Meer schwärmen und die ungebannte Kraft der See beschwören. Zum Glück für uns ist „Point Break“ aber nicht nur ein Film über Surfer – obwohl Bigelow ein paar sehr geile Surfbilder einfängt, die diesen Film gleich noch im Wert steigen lassen. Nein, auch in den Action-Sequenzen zeigt Bigelow, dass sie Ästhetik mit Geschwindigkeit verbinden hat. Wilde Verfolgungsjagden, absurde Fallschirmsprünge (mal auch ohne Fallschirm) und gekonnte Schießereien vereinen in „Point Break“ eigentlich alles, was von einem richtig guten Action-Film erwartet wird. Dazu ein paar hübsche Menschen, eine gute Story, die vor allem ihre eigenen Figuren an der Nase herumführt und fertig ist ein sehr, sehr empfehlenswerter Film – eben weil es ein durchaus „schöner“ Actionstreifen ist, der toll fotografiert eine spannende Geschichte erzählt, die den Zuschauer durchaus zu fesseln weiß. Vor allem weil es neben der „Ganovenjagd“ auch noch um Dinge wie Vertrauen und Freundschaft geht – etwas was sowohl für Bodhi und seine Kumpel wichtig ist, was aber auch Johnny Utah durch die Surfer erst richtig kennen lernt.

Besonders gelungen ist dem Film aber auch das Ende. Utah erfüllt dem durchgeknallten Bodhi seinen letzten Wunsch und schickt ihn damit in den Tod… oder vielleicht auch nicht. Das bleibt für jeden selbst zu entscheiden.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Surfen, Ganoven jagen, Fallschirmspringen – Adrenalin pur in tollen Bildern)

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