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Märchenhaft gruselig

12. April 2010

Wenn Steven Spielberg der Märchenonkel der 80er und 90er war, dann ist Guillermo del Toro wohl der Märchenonkel unserer Zeit. Obwohl… so ganz darf man das auch nicht pauschalisieren. Del Toros Filme sind nämlich immer eine Nummer fieser, eine Nummer zauberhafter und eine Nummer sehenswerter. Zumindest wenn wir von „Pans Labyrinth“ sprechen. Hier zeigt del Toro nämlich, dass er ein wahrhafter Märchen-Erzähler ist. Und Märchen sind alles andere als nur leichte Geschichten, die man seinen Kindern erzählt (aber das Märchen „leichte Kost“ sind, verneinen ja schon die Brüder Grimm mit ordentlich Stoff zum Fürchten).

In „Pans Labyrinth“ entführt uns del Toro in ein Spanien im Jahr 1944. Hier muss die Ofelia (traumhaft: Ivana Baquero) mit ihrer schwangeren Mutter (Ariadna Gil) irgendwo im Nirgendwo den fiesen Hauptmann Vidal (großartig böse: Sergi Lopez) ertragen, der Ofelias Mutter geheiratet hat und in den Bergen nach Rebellen jagt. Um der Grausamkeit und der Gewalt flieht Ofelia in eine Fantasiewelt, in der sie die Reinkarnation einer magischen Prinzessin namens Moanna ist. In einem alten Labyrinth in der Nähe des Hauses, in dem Ofelia lebt, trifft sie auf den Pan, der ihr drei Aufgaben stellt – das Bestehen dieser Aufgaben würde beweisen, dass Ofelia wirklich Prinzessin Moanna ist und würde ihr den Weg in ihr magisches Reich ermöglichen.

„Pans Labyrinth“ ist eine gekonnte Mischung aus Fantasyfilm und Drama. Allerdings muss man sich immer wieder fragen, wo hört die Realität auf und wo fängt die Fantasie an. Oder noch besser: Ist es wirklich alles Fantasie. Die Sequenzen mit Ofelia sind wie ein klassisches Märchen: Aufgaben müssen gelöst werden, die gerade für Ofelia nicht immer leicht sind und die sie hin und wieder auch ordentlich verbockt. So zum Beispiel die Tatsache, dass sie bei ihrer zweiten Aufgabe etwas vom Tisch des Monsters isst und daraufhin zwei ihrer Feenfreunde den Tod finden. Märchen sind halt nicht immer schön, sondern oft ziemlich brutal.

Brutal geht es auch in der Realität zu – an manchen Stellen habe ich mich dann aber schon gefragt, ob so krasse Einstellung wirklich sein mussten. Aber höchstwahrscheinlich wollte Del Toro genau das. Denn die Gewalt in ihrer Realität zwingt Ofelia in eine Art Zauberwelt – ihre Möglichkeit allem zu entkommen. Und dennoch gibt es verschiedene Anzeichen dafür, dass Ofelia vielleicht doch nicht alles nur selbst erfindet – mir sind bis jetzt zwei Sachen aufgefallen, die dafür sprechen:

  1. Die Alraune, die der Pan Ofelia als Heilmittel für ihre Mutter gibt, funktioniert wirklich. Die Wurzel, die ein Mensch sein wollte, packt Ofelia ihrer Mutter unters Bett und kurze Zeit später geht es ihr besser.
  2. Für ihre zweite Aufgabe erhält Ofelia ein Stück Kreide mit dem sie eine Tür in die Wand zeichnet, die sich dann auch öffnet. Später im Film entkommt Ofelia aus ihrem verschlossenen Zimmer. Als man nach ihr sucht, findet man nur ein mit Kreide gezeichnetes Viereck an der Wand.

Es gibt – glaube ich – noch zahlreiche andere Stellen, die vermuten lassen, dass die Ebenen zwischen Magie und Realität verschwimmen. Aber darum geht es ja eigentlich auch gar nicht. Del Toro schafft mit „Pans Labyrinth“ einen wunderbar schönen und gleichzeitig auch extrem brutalen Film, der trotz aller Gewalt wunderschön ist. Mit unglaublich viel Fantasie (und gerade bei den Monstern mit sehr viel skurrilen Einfällen) erschafft Del Toro eine Märchenwelt, in die wohl jeder flüchten würde, wenn sein Alltag so extrem ist.

Unbedingt anschauen!!!

Wertung: 9 von 10 Punkten (schön-brutales Märchen)

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18 Kommentare leave one →
  1. 13. April 2010 17:14

    Gerade bei der Szene mit der Alraune habe ich mir gedacht, dass die Zauberwirkung auch der Fantasie Ofelias entspringt – also der Mutter geht es aus einem anderen Grund besser. Aber Ofelia denkt sich eben diese Dinge aus.
    Gebannt habe ich den Film unter diesem Aspekt ohnehin noch nicht betrachtet, weil mich die Mischung aus düsterer Fantasie und noch düsterer Realität bisher immer sehr hat beeindrucken können.
    Ich freue mich schon auf del Toros „Hobbit“-Verfilmungen in den nächsten Jahren.

    • donpozuelo permalink*
      13. April 2010 18:22

      Auf „Der Hobbit“ bin ich auch schon echt gespannt. Das kann eigentlich nur gut gehen – Del Toro plus gute Story = Superfilm!!!

      Naja, warten wir ab. 🙂

  2. luzifel permalink
    14. April 2010 09:23

    Zu Pans Labyrinth kann ich nur sagen, dass ich damals echt verstört war als ich den im Kino gesehen habe – danach hab ich ihn mir auch nie wieder angesehen ^^

    Ich kann allerdings nur zustimmen, dass er ein wahres Meisterwerk der dystopischen Märchenerzählkunst ist und die Bilder und einige der Szenen dermaßen eindringlich waren, dass sie sich im Kopf festbrennen – bei mir waren das vor allem die Alraune, der fleischfressende Pan und vor allem der Speisetisch bei dem Hand-Augen-Ding, dass mal als abgefuckte Angstfigur SEHR erfolgreich war.

    Was ich ausdrücken möchte, ist allerdings keineswegs Ablehnung oder ähnliches, sondern eine einedeutige Empfehlung den Film anzusehen, da er ein Meisterwerk ist, dass man gesehen haben muss!

    • donpozuelo permalink*
      14. April 2010 11:01

      Nicht noch mal gesehen????
      Angsthase 😉

  3. Dr. Borstel permalink
    17. April 2010 19:11

    Der erste Film, den ich von del Toro gesehen habe, war der unterirdische Nachklapp zu „Blade“, den ich bis heute unter den schlechtesten Filmen ever verbuche. Als ich mich nach dem Hochgenuss von „El laberintho del Fauno“ ein wenig über den Regisseur schlau machen wollte, war ich regelrecht entsetzt, dass ein so großartiger Regisseur sich mal für einen solchen Schund hergegeben hat.

    Das nur am Rande; der Film ist fabelhaft. 😉

    • donpozuelo permalink*
      18. April 2010 08:35

      Das war bestimmt nur ein Ausfall nach dem Motto: „Er war jung und brauchte das Geld“ oder in seinem Fall: „Er wollte in den USA Fuß fassen und bereut es jetzt“ 🙂

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