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Freund und Beschützer

10. April 2010

„Bodyguard“ ist ein toller Film.

Nicht etwa, weil Kevin Costner hier noch eine ordentliche Performance als Bodyguard Frank Farmer abgibt und Frauenherzen in den 90er Jahren höher schlagen ließ. Nicht etwa, weil Whitney Houston hier noch mit ihrer großartigen Stimme bestechen kann. Nein, was „Bodyguard“ so richtig gut macht, ist die Tatsache, dass Frank Farmer Kurosawas „Yojimbo“ über 60 Mal gesehen hat – und das zeigt, der Mann hat Geschmack. Und das wiederum gefällt mir 😉

Nein, jetzt aber mal im Ernst…

Ich habe lange böse Blicke geerntet (vor allem von Frauen), wenn ich zugeben musste, dass ich Mick Jacksons „Bodyguard“ noch nie gesehen habe. Irgendwie habe ich die Geschichte um den Bodyguard und die Diva, die er beschützen muss, immer als Frauenfilm abgetan. Frei nach dem Motto: „Sag niemals nie“ habe ich mir dann zu Ostern doch den „Bodyguard“ angeschaut und wurde recht positiv überrascht.

Erwartet habe ich die totale Schnulze: Whitney und Kevin rollen im Bett und all die Sachen. Aber weit gefehlt. Das passiert eigentlich kaum. Stattdessen treffen im Film zwei grundverschiedene Menschen aufeinander und müssen miteinander auskommen. Costner hat dabei den störrischen und vor allem stoischen Leibwächter echt gut drauf – und macht tatsächlich eine ziemliche gute Figur dabei. Schönster Spruch von Costner im ganzen Film: Eine Frau kommt zu ihm und sagt: „Ich beobachte Sie schon die ganze Zeit von da drüben.“ Woraufhin er nur meint: „Dann gehen Sie zurück und beobachten weiter.“ Dieser trockene Zynismus sagt alles über den Orangen-Saft trinkenden Leibwächter, der keinen an sich ran lässt. Selbst nach der einen Nacht mit seiner Chefin macht er sofort einen Rückzieher – aus Rücksicht auf seinen Job. Von Seiten der Liebe betrachtet ein Arschloch, von Seiten der Arbeit betrachtet genau das Richtige.

Zu Whitney Houston kann man eigentlich nicht viel sagen. Schauspielerisch gesehen steckte da nicht all zu viel drin (weswegen sie wohl auch für die Goldene Himbeere nominiert war), aber immerhin bot ihr der Film die Möglichkeit ein kostenloses zwei-stündiges Musikvideo abzuliefern.

„Bodyguard“ beschäftigt sich wirklich nur sehr oberflächlich mit der kurzen Affäre zwischen Schützling und Beschützer, sondern versucht (vielleicht auch ein bisschen kritisch) einen Blick darauf zu werfen, was der arme Frank alles erleiden muss. Im Grund versucht er nur seinen Job zu machen und läuft dabei ständig gegen Mauern.

Ursprünglich sollte „Bodyguard“ bereits 1976 gedreht werden – und zwar mit Mr. Cool persönlich als Frank Farmer: Steve McQueen. Hat leider nicht geklappt. Wäre sicherlich auch ein geiler Film geworden, aber „Bodyguard“ mit Kevin Costner ist auch durchaus ein guter Film geworden. Und es ist zum Glück halt nicht der Schnulzenfilm geworden, den ich erwartet habe. Selbst auf ein richtiges Happy-End wird hier verzichtet und das sagt für mich schon alles. Denn gerade bei solchen Filmen ist das immer eine recht mutige Entscheidung. Aber der Ruhm des „Bodyguard“ spricht dafür, dass es so auch von den meisten angenommen wurde. Immerhin durfte selbst Homer Simpsons den Bodyguard spielen und immerhin werden unsere Ohren regelmäßig mit richtig erschreckenden Versionen von „I Will Always Love You“ bei irgendwelchen Casting-Shows gequält.

Wertung: 8 von 10 Punkten (ein cooler Kevin Costner – reicht doch eigentlich schon für einen guten Film, oder???)

3 Kommentare leave one →
  1. 10. April 2010 12:45

    Soweit ich mich recht erinnere handelt es sich hier wirklich nicht um einen typischen Frauenfilm, aber ein gut aufgelgter Kevin Costner hat den Film dann trotzdem nicht rausgerissen.

  2. 10. April 2010 14:43

    ein cooler Kevin Costner – reicht doch eigentlich schon für einen guten Film, oder???

    Nicht wirklich! 🙂

    • donpozuelo permalink*
      10. April 2010 17:26

      Ich weiß…. aber ich meine, wenn man eine totale Schnulze erwartet, und dann so etwas bekommt, dann reicht mir auch ein Kevin Costner, der hier ein bisschen die coole, unnahbare Sau raushängen lässt…

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