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Vlad Dracul

5. April 2010

Francis Ford Coppola kennt keine kleinen Budgets oder gar kleine Filme. Wenn der Mann etwas anpackt, dann macht er es richtig: fulminantes, bildgewaltiges Kino, das mitreißt. Und eine Dracula-Verfilmung von Meister Coppola persönlich verspricht somit auch mehr als nur ein bloßes blutgetränktes Horrorfilmchen. Im Gegenteil: Coppolas „Dracula“ ist ein großartiger Kostümfilm, der sich zudem auch noch vor dem Vater aller Vampirfilme „Nosferatu“ verneigt.

Die Geschichte dürfte allen bekannt sein – deswegen baut Coppola sie ein kleines bisschen um. Er beginnt seine Saga vom bösen Flattermann damit, wie es eigentlich dazu kam, dass der transsilvanische Graf (Gary Oldman) durch Gotteslästerung zum Untoten wird – nämlich durch den Tod seiner Gemahlin (Winona Ryder). Jahrzehnte später beginnt dann die Geschichte, wie wir sie kennen: der junge Anwalt Jonathan Harker (Keanu Reeves mit etwas gruseliger Frisur) reist nach Transsilvanien, um dem Grafen Dracula mehrere Immobilien in London zu verkaufen. Im Schloss des Grafen entdeckt dieser ein Foto von Harkers Verlobten Mina (wieder Winona Ryder) und erkennt in ihr seine Gemahlin. Nun gibt es für den Grafen nichts Wichtigeres als Mina für sich zu gewinnen. Gemeinsam mit dem berühmten Van Helsing  (nein, nicht Hugh Jackman, sondern Anthony Hopkins) macht Harker nun jagt auf den untoten Grafen, um seine Mina zu retten.

Coppola geht mit seiner Dracula-Verfilmung einen unüblichen Weg: er funktioniert die Geschichte stärker um und macht aus dem Grafen eine tragische Figur, die eigentlich nur aus Liebe gehandelt hat und auch im weiteren Verlauf nichts anderes versucht, als diese Liebe wiederzufinden. Dadurch hat Coppola natürlich die Möglichkeit, auch den Film vor Erotik ordentlich knistern zu lassen – aber gut, Vampire eignen sich dafür am besten. Dracula selbst ist bei Coppola die zentrale Figur – am Anfang und am Ende geht alles zurück auf die Entwicklung der Figur des Grafen, der erst seine Liebe verliert und sie dann am Ende wieder erlangt. Dracula wird somit bei Coppola zum bemitleidenswerten Wesen. Und mit Gary Oldman hat Coppola einen großartigen Dracula-Darsteller gefunden, der sowohl das Monster als auch den Weltmann verkörpert. Zusammen mit Winona Ryder wird ein bezauberndes Leinwandpärchen geformt, bei dem vor allem Keanu Reeves irgendwie sehr schnell verblasst. Einzig und allein Anthony Hopkins ist noch erwähnenswert, obwohl wenn ich die Entscheidung hätte treffen müssen: Hopkins wäre nicht meine Wahl für den Van Helsing gewesen. Vielleicht liegt es zu sehr daran, dass ich Hopkins nur noch als Hannibal Lecter sehe, aber irgendwas hat mich den ganzen Film gestört. Was genau das ist, kann ich leider auch nicht sagen.

Trotzdem ist Coppolas „Dracula“ nur zu empfehlen. Vor allem auch rein von der technischen Seite betrachtet ist „Dracula“ ein absoluter Hingucker. In vielen Einstellungen1 und vor allem in der Arbeit mit Licht und Schatten erkennt man eine deutliche Hommage an Murnaus „Nosferatu“. Gerade in den Szenen in Transsilvanien sieht man oftmals nur die schattenhaften Umrisse, die größer und größer werden, die ihre Hand ausstreckt, um nach Harker zu greifen.

Francis Ford Coppola gelingt ein imposanter Film, der zwar am Ende etwas wirr wird, was sich aber verschmerzen lässt. Coppolas „Dracula“ entfernt sich von dem meisten Vampir-Müll, den wir vor allem in letzter Zeit so über uns ergehen lassen müssen. Allein schon wegen Gary Oldmans Darstellung ist dieser Film einfach nur sehenswert.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Dracula wird hier ein fast menschliches Wesen – großartig)

9 Kommentare leave one →
  1. 5. April 2010 21:26

    Sehr, sehr richtig. Für mich die genauste Verfilmung von Stokers Roman, trotz der entscheidenden Abweichung, die der Film vornimmt. Könnte ich immer wieder sehen, den Film.

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