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Yojimbo 2.0

28. März 2010

Akira Kurosawa hat’s vorgemacht: asiatischer Spagetti-Western ist möglich. Der Film „The Good The Bad The Weird“ hat mir dann wieder die Hoffnung genommen, dass fernöstliche Western auch heute noch funktionieren können. Aber zum Glück gibt es da ja noch einen weiteren japanischen Regie-Meister, der weiß, wie man gute und vor allem harte Filme macht. Kein anderer als Takashi Miike hat sich dem „Yojimbo“-Stoff angenommen. Dabei lässt er sich zusätzlich noch von „Django“ und anderen großartigen Italo-Western inspirieren und heraus kommt der vielleicht geilste Japano-Western überhaupt: „Sukiyaki Western Django“ (der nebenbei auch noch erklärt, woher „Django“ wirklich kommt 🙂 ).

„SWD“ geht nach klassischem Muster vor: ein namenloser Fremder (Hideaki Ito) kommt in eine Stadt, in der zwei verfeindete Clans sich gegenseitig bekriegen und einen Goldschatz suchen: da hätten wir den weißen Clan der Genji und den roten Clan der Heiki, deren Anführer Kiyomori (Koichi Sato) die ganze Farbsymbolik mit dem englischen Rosenkrieg vergleicht und sich fortan nur noch Heinrich rufen lässt. Beide Clans wollen den Fremden für sich beanspruchen, doch schnell wird deutlich, dass dieser eine Partei für sich ist, mit der nicht zu spaßen ist.

„SWD“ hat alles, was man sich für so einen Film wünscht: Liebe, dreckige Tricks, Blutfontänen, dumme Sprüche, hervorragende Gun-Fights und eine ganze Menge merkwürdiger Gestalten. Neben dem Sheriff mit gespaltener Persönlichkeit sei vor allem der Gastauftritt von Quentin Tarantino vermerkt, der sich hier mal wieder ein bisschen selbst auf den Arm nehmen kann.

Selbst wer nicht auf Western steht, wird mit „SWD“ seinen Spaß haben. Was mich nur sehr verwundert hat, war die Tatsache, dass die Schauspieler alle Englisch sprechen und nicht Japanisch. Das erschwert den Film im O-Ton etwas – man  muss sich echt an die japanische Aussprache gewöhnen und das braucht etwas Zeit. Aber Miike entschädigt durch eine fast schon perfekte Inszenierung. Miike entzündet ein wahres Feuerwerk: der Film zieht einen von Anfang an in den Bann und lässt nicht mehr locker. Wie wir es von Miike gewohnt sind, darf es hin und wieder auch etwas blutiger werden. Doch Miike hält sich zurück – man könnte sogar fast sagen, dass diese Szenen vom Film (und auch vom Zuschauer) gefordert werden. Sie passen einfach und machen den Film auf seine ganz besonderer Weise komplett.

Was ich eigentlich versuche zu sagen: so erwarte ich das, wenn ein Japaner einen Italo-Western dreht: dreckig, fies, ironisch, voller Gewalt und Blut, aber auch mit einer Story, die sich sehen lassen kann. Die Schauspieler passen gut ins Bild, auch wenn ihnen teilweise dieser Drei-Tage-Bart-Look fehlt, das etwas Kantige, Harte, was den eigentlichen Lone-Gunman ausmacht. Dieser Film wird nicht langweilig, nur besser und besser bis zu einem grandiosen Finale, in dem Schwert gegen Pistole kämpft.

„SWD“ kann ich nur allen ans Herz legen: skurriler Western, der nicht besser sein könnte. Eine großartige Hommage an alte Klassiker und schon selbst ein Klassiker für sich – SEHENSWERT.

Wertung: 9 von 10 Punkten (genau so muss das aussehen, wenn „Yojimbo“ ins 21. Jahrhundert gebracht wird)

4 Kommentare leave one →
  1. Doña Pozole permalink
    29. März 2010 10:47

    Boah! Jetzt hab ich voll Lust auf den Film…! Cool!

    • donpozuelo permalink*
      29. März 2010 12:22

      Den können wir ja gucken, wenn du im Mai zu Besuch kommst. Bis dahin musst du dich gedulden oder in den nächsten DVD-Laden deines Vertrauens laufen 🙂

Trackbacks

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