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Serious Jackie Chan?!?

26. März 2010

Funktioniert das? Ein ernsthafter Jackie Chan, der nicht durch irrwitzige Stunts und einfache, aber gute Action-Komödien besticht. Nun ja, es funktioniert teilweise – wer sich davon überzeugen möchte, dem empfehle ich immer wieder gerne „New Police Story“. Dieser Film wird euer Bild von Chan als Gute-Laune-Kampfmaschine ordentlich durcheinander bringen. Nachdem Jackie als mit „New Police Story“ gezeigt hat, dass er auch anders kann, startete er einen weiteren Versuch mit „Stadt der Gewalt“:

Jackie Chan spielt den chinesischen Einwanderer Tietou, der nach Japan einwandert, um seine Verlobte zu finden. Doch die ist schon seit längerem die Ehefrau eines Yakuza-Bosses. Für Tietou beginnt in Japan eine schwierige Zeit: kleine Gaunereien, illegale Jobs. Er versucht alles, um Fuß zu fassen und rutscht unausweichlich (wie es scheint) auf die schiefe Bahn. Er rettet dem Mann seiner Verlobten das Leben, woraufhin dieser ihn als Killer anheuert. Nach und nach arbeitet sich Tietou nach oben, bis er selbst Anführer einer Gang ist und sogar einen eigenen Bezirk leiten darf. Doch wo Tietou anfangen will, wieder Normalität einzubringen und gegen die Ganggewalt vorzugehen, sehen seine Kameraden mehr Möglichkeiten. Tietou verliert die Kontrolle und Gewalt bricht aus.

„Stadt der Gewalt“ muss man Zeit geben. Erst ab Minute 40 wird der Film seinem Titel gerecht. Vorher werden Tietous erste Gehversuche in der neuen Umgebung gezeigt. Der Film entwickelt sich dann aber ziemlich schnell zu einem ziemlich brutalen Gangsterfilm. Das wäre ja an und für sich auch nichts schlechtes, leider wirkt das Drehbuch extrem überfrachtet: am schwierigsten ist es da echt, dass man verzweifelt versucht, sich die ganzen Gangs zu merken, um überhaupt noch hinterher zu kommen, wer wen gerade gekillt hat, um sein Territorium zu erweitern. Gewalt beherrscht diesen Film, aber leider nicht Jackie Chan. Dieser gibt zwar eine durchaus passable Darstellung eines Gangsters ab, der eigentlich keiner sein will und dann von seinen eigenen Leuten hintergangen wird. Chan wird zum Sinnbild eines zu weichen Führers, der einfach an der Zielstrebigkeit und vor allem der Gier seiner eigenen Gefolgsleute untergeht. Leider hetzt Jackie auch irgendwie nur von Szene zu Szene und wirkt dabei verloren in einer riesigen Geschichte, die nur zu gerne eine Gesellschaftskritik sein möchte, sich aber derbe übernimmt.

Was aber überhaupt nicht passt, ist der plötzliche Wandel in der Figur des Tietou selbst: er beginnt mit kleinen Gaunereien, wird so schnell erfolgreich. Mit seinem kleinen Mob schüchtert er Konkurrenten ein und etabliert sich mehr und mehr in seinem Bezirk. Dann wird er auch noch Auftragskiller und führt all das ohne ein Zucken oder Murren durch. Aber kaum ist er an der Spitze angekommen, will er mit Gewalt nichts mehr zu tun haben. Aus dem Draufgänger wird ein frommes Lamm, das sich durch Gefälligkeiten als Wohltäter für alle Chinesen in Japan beweisen will. Das da Ärger vorprogrammiert ist, ist so offensichtlich wie Pfützen nach einem Regen. Vielleicht hätte Regisseur Derek Yee mal besser „Scarface“ mit Al Pacino geschaut, dann hätte er gewusst, wie man aus einem Einwanderer einen Gangsterboss macht und diesen dann gnadenlos untergehen lässt. So kann man eigentlich nur sagen, dass Tietou bekommt, was er verdient hat.

Dunkle Bilder, krasse Gewalttaten, aber eine etwas dünne Geschichte bringen den Mythos Jackie Chan etwas ins Wanken. Ich habe ihn dann doch fast lieber als komischer Drunken-Master oder als Chinese im Wilden Westen. Dennoch ist es lobenswert, dass er sich auch mal auf eine andere Art und Weise präsentiert. Dass es ihm in „Stadt der Gewalt“ nicht ganz gelingt, liegt aber mehr an der Story als an Jackie selbst. Seriös kann er durchaus sein, aber bestimmte Elemente – wie das Kämpfen – darf man ihm einfach nicht wegnehmen. Daher funktioniert „New Police Story“ als ernsthafter Jackie Chan-Film besser.

Wertung: 4 von 10 Punkten (Chans Ausflug ins Dramatische ist zwar ambitioniert, scheitert aber gewaltig an der überladenen und teilweise recht fragwürdigen Story – schade eigentlich)

6 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    26. März 2010 16:11

    War ja klar, dass das nicht funktionieren kann. 😉

    • donpozuelo permalink*
      26. März 2010 16:14

      Naja, so klar war das nicht. Nicht unbedingt. Wie gesagt: in „New Police Story“ hatten wir auch einen ernsten Jackie Chan. Aber im gegensatz zu „Stadt der Gewalt“ darf er da immer noch coole Fights und Stunts machen. Hier haben sie ihm das einfach weggenommen – und somit doch auch ein wenig seine wahre Existenz: ein Jackie Chan ohne Fights und Stunts ist kein echter Chan…

  2. 27. März 2010 21:10

    Mir gefällt Jackie Chan eigentlich eh nur in „New Police Story“… ach ja und in den „Shanghai“-Filmen neben Owen Wilson.
    Hauptsache er kämpft 😉

    • donpozuelo permalink*
      28. März 2010 08:46

      „Hauptsache er kämpft“ – das ist aber mal so was von richtig 😉
      Schlimmer wird’s nur noch, wenn er anfängt zu singen. Obwohl er ja tatsächlich in China schon seit längerem auch als Sänger recht erfolgreich sein soll. Mir hat ehrlich gesagt schon der Song bei Olympia gereicht…

  3. Doña Pozole permalink
    29. März 2010 10:49

    So – ich oute mich und schreibe:
    Apropos Chan – freu mich schon dolle auf den neuen „Karate Kid“ mit Chan und Smith-Junior!!!
    😀

    • donpozuelo permalink*
      29. März 2010 12:23

      Das wusste ich ja noch nicht einmal – Jackie Chan als Mr. Miagi???? Das hört sich ja schon wieder witzig an. Naja, abwarten….

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