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Killer-Show

19. März 2010

Regie-Debüts von Schauspielern sind ja immer so eine Sache, wo ich mich frage, was den Menschen dazu qualifiziert, plötzlich hinter der Kamera zu agieren. Aber gut, bei Clint Eastwood beispielsweise hat sich ja gezeigt, dass er hinter der Kamera noch besser ist als vor der Kamera. Auch George Clooney hat sich ja mittlerweile dreimal hinter die Kamera getraut – allerdings habe ich nur sein Debüt gesehen: „Confessions of a Dangerous Mind“. Und den Film kann ich nur wärmstens weiterempfehlen.

Immerhin ist er so absurd, dass er schon fast wieder wahr sein könnte. Und das behauptet er ja auch von sich. Es geht hier schließlich um die Memoiren des Showmasters Chuck Barris (genial: Sam Rockwell), der unter anderem „The Dating Game“ erfunden hat – so in etwa wie Herzblatt: eine Dame stellt drei versteckten Kandidaten Fragen und sucht sich dann einen aus, um mit diesem eine Reise zu machen. Aber Chuck Barris war mehr als nur das: er behauptet, ein Killer für die CIA gewesen zu sein. CIA-Mann Jim Byrd (George Clooney) habe ihn ausgewählt, weil er unter anderem mit „The Dating Game“ wunderbare Alibis hat, um kreuz und quer durch die Welt zu reisen und böse Menschen zu töten. (Dazu die kleine witzige Szene, in der die drei Kandidaten aus Brad Pitt, Matt Damon und einem kleinen dicken Typen bestehen – wer wird wohl gewählt??? 🙂 )

„Confessions of a Dangerous Mind“ versucht dabei – recht erfolgreich, wie ich finde – die zwei Leben des Chuck Barris miteinander zu verbinden: auf der einen Seite der Showmaster, auf der anderen Seite der Killer. Und wie es immer so ist, verknüpfen sich irgendwann beide Seiten miteinander. Clooney springt dabei sehr gekonnt zwischen den zwei Welten des Barris‘ hin und her, verknüpft Agenten-Thriller mit Komödie und Drama. Seinen Film besetzt Clooney dazu noch mit großen Stars – da wären noch Drew Barrymore als Barris‘ langjährige Freundin oder Julia Roberts als undurchsichtige Agentin, Rutger Hauer als weiterer Agent oder der kleine Michael Cera als junger Chuck Barris. Die großen Namen tun dem Film zum Glück nicht weh (ich erinnere da immer nur gerne an „Ocean’s Twelve“ – den man einfach nur als „Who’s who in Hollywood“ bezeichnen könnte: gesehen werden, mehr war bei dem Film scheinbar nicht wichtig).

Wie eine Schere schnappt die Story aber irgendwann zusammen: Barris soll einen Maulwurf ausfindig machen, der die CIA-Aktionen sabotiert. Barris ist nun nicht mehr der Showmaster, sondern einfach nur noch paranoid. Hier erinnert Barris ein wenig an den exentrischen Howard Hughes von Leonardo DiCaprio, der sich in seinem Zimmer einschließt und am besten sein ganzes Leben vor der Tür lassen will. Für Barris kommt das Schreiben seiner Biographie dann einer kleinen Therapie gleich.

Was Clooney in diesen angeblichen Tatsachenbericht wirklich gut einbaut, sind Originaltöne von Menschen, die irgendwann mal mit Barris zu tun hatten. Durch die O-Töne soll mehr Glaubwürdigkeit in die Lebensgeschichte eingebaut werden. Inwieweit man sich aber darauf einlässt, ist jedem selbst überlassen. „Confessions of a Dangerous Mind“ bietet aber auf jeden Fall klasse Unterhaltung und eines der besten Regie-Debüts eines Schauspielers.

Wertung: 8 von 10 Punkten (klasse Genre-Mix, klasse Clooney-Debüt)

3 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    20. März 2010 15:37

    Clooney hatte schon drei Regiearbeiten? Mir waren bisher nur „Good Night and Good Luck“ und „Confessions of a Dangerous Mind“ bekannt …

    • donpozuelo permalink*
      20. März 2010 16:32

      Habe ich vorher auch gedacht, aber wir hätten da:
      2002: Confessions of a Dangerous Mind
      2005: Good Night and Good Luck
      2008: Leatherheads (irgendeine Sportkomödie, die in Deutschland unter dem traurigen Titel „Ein verlockendes Spiel“ bekannt ist. Allerdings habe ich den Film nicht gesehen.

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  1. Die Malerin und der Kriegsverbrecher « Going To The Movies

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