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Bad Hair Day

17. März 2010

Javier Bardem scheint sich seine Rollen nach der Schrecklichkeit der Frisuren auszusuchen. Zumindest wenn man sich „No Country For Old Men“ und „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ anschaut, kommt man nicht drum herum, diesem Mann unheimlichen Mut zu zuschreiben. In beiden Filmen verunstaltet sich der Spanier durch die gruseligsten Frisuren. Während sich das in „No Country For Old Men“ aber schnell in seiner genialen Darstellung des Killers wieder verliert, bleibt die Frisur Bardems leider nicht das einzige, was bei „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ schockiert.

Der Film nach dem gleichnamigen Buch von Gabriel García Márquez erzählt von einem interessanten Liebesdreieck: der junge Florentino verliebt sich in Fermina. Nach zahlreichen Briefen erblüht die Liebe zwischen den beiden, Fermina nimmt sogar Florentinos Heiratsantrag an. Bevor es jedoch zu mehr kommen kann, verhindert Ferminas Vater die Liebschaft, indem er mit seiner Tochter fortzieht. Florentino gibt aber nicht auf, hält weiterhin Kontakt, bis er sie schließlich auf dem Markt wieder trifft. Hier gesteht ihm Fermina aber, dass ihre Gefühle für ihn verschwunden sind – puff, einfach so. Weg. Als sie dann auch noch den Arzt Juvenal heiratet, scheint alles verloren für Florentino, der sich doch geschworen hat, Fermina irgendwann zur Frau zu nehmen. Da im Augenblick nichts daraus werden kann, wird er zu einer Art kolumbianischem Don Juan, schläft mit über 600 Frauen und wartet geduldig, bis Ferminas Ehemann nach 51 Jahren endlich stirbt.

So viel zur Geschichte von „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“. Das Buch habe ich nie gelesen, aber vom Hören-Sagen scheint das Buch ja ganz gut gewesen zu sein. Immerhin hat es ausgereicht, um Hollywood zu einer Verfilmung zu verführen. Und genau hier liegt meiner Meinung nach das ganze Problem des Films: es sind zwar größtenteils spanische Schauspieler zu sehen, aber der Grundtenor bleibt zu amerikanisch. Bei diesem Film hätte ein Latino hinter der Kamera sitzen müssen, der sich besser damit auskennt, die besondere Leidenschaft südländischer Liebe in Bilder umzusetzen (genauso gut hätte man Bollywood an die Geschichte ran lassen können, dann hätte alles funktioniert, ich hätte geheult und euch erzählt, was für ein schöner Film das ist. Aber so…) Bardems Florentino bleibt eine Figur ohne jegliche Tiefe, der ganze Film dümpelt wie ein leckes Schiff und zieht sich wie ein altes Kaugummi.

Ich habe ja schon gesagt, das Buch kenne ich nicht, aber dieser Film macht auch nicht wirklich neugierig auf das Buch. „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ möchte unbedingt ein romantischer Film sein – die Ansätze sind auch durchaus da, aber irgendwie fehlt das gewisse Etwas. Regisseur Newell springt zwischen Ferminas Eheleben und Florentinos Don Juan-Geschichten unmotiviert hin und her. Dass es so etwas wie Liebe zu Fermina noch gibt, sieht man Florentino nicht an.

Einzig und allein die Naturaufnahmen und die drei von Shakira auf Spanisch gesungenen Lieder sind gelungene Höhepunkte des Films, der sich gut über zwei Stunden dehnt und einfach nicht enden will. Eigentlich ist es wirklich schade, denn aus der Story hätte man was machen können – aber Hollywood hat ja auch immer wieder ein Händchen dafür, gute Stoffe zu Müll zu verarbeiten. In diesem Sinne warte ich auf das Bollywood-Remake oder eine echt-lateinamerikanische Version.

Wertung: 3 von 10 Punkten (nicht mal Bardem rettet dieses Film – und schon gar nicht mit der Frisur)

8 Kommentare leave one →
  1. 17. März 2010 19:24

    Nachdem ich „Harry Potter 4“ von Newell gesehen habe, ist mein Bild von ihm recht schlecht. Diese Literaturverfilmuing ist ihm wohl auch nicht besser gelungen, hoffentlich ist „Prince of Persia“ dann kein Totalausfall…

    • donpozuelo permalink*
      17. März 2010 19:56

      Uh… ja… „Prince of Persia“ ist echt so eine Sache, der ich mit Skepsis, aber auch irgendwie mit Freude entgegen schaue – keine Ahnung, ob das so überhaupt möglich ist 🙂

  2. Doña Pozole permalink
    17. März 2010 21:57

    Aha – dann hab ich jetzt auch den Bösewicht gefunden, der den vierten Potter so derbe verhunzt hat! Newell – der Name wird sich gemerkt und von jetzt an mit Skepsis beäugt! … aber nicht, dass ich nachtragend wäre… 😉

    Zurück zum Thema (jedenfalls fast) : Jaaajaaaa donpozuelo – du und dein Bollywood 🙂 🙂 🙂

    • donpozuelo permalink*
      18. März 2010 10:07

      Ja, ich weiß. Aber wenn man sich da über ein halbes Jahr mit beschäftigt, bleibt halt irgendwas hängen. Und ehrlich: Bollywood hätte das wirklich richtig herzerweichend hinbekommen. 🙂

  3. Dr. Borstel permalink
    18. März 2010 21:07

    Hehe, ich habe nur die Überschrift gelesen und sofort „Ah, Javier Bardem“ gedacht. 😀

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