Zum Inhalt springen

Ziegentöter

15. März 2010

Dass die Amerikaner irgendwie einen an der Klatsche haben, wissen wir alle irgendwie. Aber wie weit das gehen kann, nimmt echt skurrile Ausmaße an. So skurril, dass man daraus einen guten Film machen könnte.

Angefangen hat alles mit dem Autor Jon Ronson, der 2004 ein Buch mit dem Titel „The Men Who Stare At Goats“ herausbrachte. Ich habe dieses Buch gelesen und musste mich nach fast jedem gelesenem Kapitel erneut davon überzeugen, dass es sich bei dem Buch tatsächlich um ein Sachbuch handelt. Jonsons Buch handelt von einer geheimen Einheit der US Army, die 1979 gegründet wurde: hier wurden Soldaten in „paranormalen“ Fähigkeiten zu „Jedi-Kriegern“ ausgebildet, um so eine vollkommen neue Art und Weise der Kriegsführung zu erproben.

Aus dem Buch machte Regisseur Grant Heslow einen Star-bestückten Film, bei dem der Journalist Bob Wilton (Ewan McGregor) in Kuwait zufällig auf Lyn Cassidy (George Clooney) stößt, der ihm nach anfänglichem Zögern alles über die Experimente der US Army erzählt.

Neben McGregor und Clooney spielen noch Jeff Bridges als Hippie-Army-Guru und Kevin Spacey als ehrgeiziger und hinterhältiger Rekrut mit.

„Männer, die auf Ziegen starren“ fällt trotz der großartigen Cast gehörig in die Literatur-Verfilmungsfalle. Dass, was Ronson mit seinem Buch eigentlich deutlich machen wollte, wird im Film nur beiläufig angeschnitten. Ronson wollte deutlich machen, dass die friedlichen Ideen, die anfangs das Programm beherrschten, mit der Zeit zu Foltermethoden wie „Waterboarding“ oder Musikfolter wurden. (Nur das Thema der Musikfolter wird auch im Film angesprochen.) Der Film hat durchaus seine lustigen Momente – vor allem, Clooney ist sich hier echt für keinen Gag zu schade und es macht echt Freude, ihm dabei zu zuschauen, wie er „Wolken explodieren lässt“, „Ziegen zu Tode starrt“ oder mit subtilen Mitteln versucht, seine Gegner unsicher zu machen. Leider hat man die wirklich witzigsten Stellen zum größten Teil schon im Trailer gesehen, weswegen ich dringend dazu raten würde, das Kinogeld einzusparen und einfach etwas zu warten (oder vielleicht einfach das Buch kaufen – da wird alles etwas klarer, absurder und witziger dargestellt).

Nichtsdestotrotz gelingt dem Film etwas, was auch das Buch schon geschafft hat: Man wundert sich immer mehr und mehr, wie viel davon wahr und wie viel erfunden ist. So hilft auch der Text zum Anfang nicht viel, wenn wir dort lesen, dass in diesem Film mehr Wahrheit steckt, als man glauben möchte.

Es ist trotzdem erstaunlich, wie gut es gelungen ist, ausgerechnet ein Sachbuch zu einem Film zu machen, ohne daraus eine Dokumentation werden zu lassen. Vielleicht wäre es aber für den Film-Spaß witziger gewesen, wenn man das Ganze als Mockumentary aufgezogen hätte. So bemüht sich der Film verzweifelt einen roten Faden zu halten und springt doch nur zwischen der aktuellen Story zwischen Bob und Lyn und den Rückblenden zu den Anfängen der Experimente hin und her. Das verwirrt streckenweise und macht zu sehr deutlich, dass man beim Drehbuch mehr auf die Absurdität der Realität gebaut hat. Aber es funktioniert – halbwegs.

Wertung: 7 von 10 Punkten (gut aufgelegte Cast in einer unglaublichen Geschichte)

9 Kommentare leave one →
  1. Doña Pozole permalink
    15. März 2010 11:38

    Och nö – aber den wollt ich doch im Kino sehen… hmmmh… jetzt muss ich mich doch für JERRY COTTON entscheiden 🙂 🙂 🙂

    [höre ich da einen Verzweiflungsschrei von dir…?! ;-)]

    Grüße an die Füße

    • donpozuelo permalink*
      15. März 2010 16:25

      AAAAAAAAAAAAAAAAAAAHHHHH…. doch nicht „Jerry Cotton“ gucken. Ich glaube, da sind die Ziegen immer noch die bessere Alternative…. alles andere wäre doch nicht nett.

  2. 15. März 2010 15:55

    Ich würde den sogar noch eine Ecke schwächer sehen. Ich war sogar nach dem Kinobesuch ein wenig enttäuscht: Klar Clooney, Bridges und Lang waren sehr gut aufgelegt, aber gerade die den Film tragende Geschichte (Odyssee im Irak) war nun doch ziemlich langatmig. Und wenn ein Film dann seine besten Szenen in den Rückblenden gehabt hat, dann ist dies kein sonderlich gutes Zeichen. Schade, hatte ich mir doch mehr von versprochen, gerade nach dem superben Trailer.

    • donpozuelo permalink*
      15. März 2010 16:27

      Die Gefahr, die von Trailern ausgeht, ist echt nicht zu verachten. Da kann selbst der beschissenste Film noch richtig gut aussehen. Auch wenn ich den hier jetzt nicht zu den beschissensten zählen würde, aber zu einem, der die größte Enttäuschung mit sich bringt.

      Ich muss aber dazu sagen, hin und wieder habe ich mich doch ein wenig amüsieren können. Im Großen und Ganzen bleibt es aber eine schwache Vorstellung, da hast du schon vollkommen Recht.

  3. 15. März 2010 17:36

    Gut, dass ich den Trailer noch nicht kenne (bloß die kurze TV-Vorschauclips). Ich warte wohl auf die DVD und kann mir ja vielleicht noch zuvor das Buch zulegen und lesen – nach Watchmen, versteht sich 😉

    • donpozuelo permalink*
      15. März 2010 17:52

      So ist’s richtig 🙂 Erst „Watchmen“, dann „Ziegen“…

  4. 17. März 2010 19:38

    Hatte nichts von dem Film gehört, bis ich bei Borstel den Trailer gesehen hatte. Fand den eigentlich super und auch wenn er vielleicht nicht ganz so gut ist, wie der Trailer verspricht. Angesehen wird er! Aber wohl eher auf DVD, da er in unserem Provinzkino nicht läuft.

    • donpozuelo permalink*
      17. März 2010 19:54

      Tja, DVD ist da vielleicht wirklich die beste Alternative

Trackbacks

  1. 2010 « Going To The Movies

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: