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Baumschule

9. März 2010

Science-Fiction-Filme sind mittlerweile wie Horror-Filme: Es gibt nichts wirklich neues mehr. Auf die eine oder andere Art und Weise haben wir jetzt schon alles über die Zukunft der Erde, der Planeten, des Sonnensystems erfahren. Wir haben gute und böse Aliens kennengelernt, Kriege geführt, Frieden geschlossen, die Menschheit vernichtet, die Menschheit wieder auferstehen lassen. Was soll den geneigten Sci-Fi-Freund jetzt also noch schocken???

Der Franzose Franck Vestiel versucht es einmal mehr auf die subtile Art und Weise und sagt erst einmal rein gar nichts. In seinem Film „Eden Log“ begegnen wir Tolbiac (Colvis Cornillac), der in einem dunklen Loch tief in der Erde aufwacht und nicht wirklich weiß, wer oder wo er ist. Die Erkundung seiner Umgebung gibt auch nicht sonderlich viel Aufschluss – es scheint einen Ausgang zu geben, doch der Weg dorthin führt durch eine düstere, unterirdische Anlage, die von wilden Kreaturen, durch geknallten Wissenschaftlern und einer Organisation namens „Eden Log“ bevölkert wird. Und dann ist da noch diese merkwürdige Sache mit den Baumwurzeln, aus denen die Wissenschaftler irgendwie Energie erzeugen. Auf seinem Weg an die Oberfläche kämpft sich Tolbiac größtenteils allein durch eine dunkle unheimliche Welt, in der nur kurze Videoaufzeichnungen von Sicherheitskameras etwas Licht ins Dunkle bringen. Aber irgendwann kommt er auch oben an und erkennt die ganze Wahrheit.

„Eden Log“ ist ein sehr atmosphärischer Film, der sehr viel von Licht und Schatten lebt. Dazu wurde dem Bild zusätzlich Farbe entzogen, sodass der Film eigentlich schon als Schwarz-Weiß-Film durchgehen könnte. Das funktioniert natürlich großartig für die Spannung in den ohnehin schon recht dunklen unterirdischen Gängen, in denen nur Schatten regieren und Tolbiac eisern sein kleines Lämpchen in die Luft hält.

Neben der technischen Komponente funktioniert „Eden Log“ anfangs durchaus auch auf der Ebene der Geschichte. Zahlreiche Assoziationen schossen mir durch den Kopf, als ich den Film sah:

  • Da wäre als erstes die Verbindung zu dem Film „Pandorum“. Die Anfangssituation beider Filme ist gleich: Held wacht auf, weiß nicht, wo er ist und fängt an zu ermitteln. Was „Eden Log“ besser macht als „Pandorum“ ist, dass die Hauptfigur weitgehend alleine bleibt, während sich bei „Pandorum“ ein Hollywood-typisches Grüppchen bildet. Was „Pandorum“ wiederum besser macht, ist die Auflösung der ganzen Geschichte, die wesentlich fieser daher kommt als die Auflösung bei „Eden Log“.
  • Eine zweite Assoziation kann man mit dem PS3-Schocker „Dead Space“ machen: Statt das Spiel durch große Filmsequenzen zu zerstückeln, greift man hin und wieder alte Video-Logs auf und erfährt neben dem Spielen (manchmal auch mitten im Spiel), was sich ereignet hat. Genauso macht es auch „Eden Log“: Rückblenden werden hier nur durch Videoaufzeichnungen vorgenommen, sodass sich der Zuschauer mit Tolbiac das Geschehene zusammenpuzzeln muss.
  • Und drittens wäre da noch der Manga „Blame“ von Nihei Tsutomu, bei dem ein Abenteuer sich durch eine unterirdische Welt an die Oberfläche kämpft und dabei ebenfalls von einer merkwürdigen Gesellschaft gehindert wird.

„Eden Log“ besticht am Ende aber doch mehr durch seine technische Komponente. Die Geschichte um Tolbiac wird zunehmend langweiliger, die Action-Sequenzen werden zunehmend vorhersehbarer und die Auflösung plätschert am Ende so dahin, dass man sich fast schon ein wenig ärgern muss. Zwar versucht das Drehbuch etwas Neues – die Sache mit dem Baum als Energiequelle, aber im Endeffekt wird daraus auch nicht viel gemacht.

Wer sich also selbst vor die Wahl stellt: Greift lieber zu „Pandorum“. Der ist zwar teilweise mehr Zombie-Horror-Klischee als Sci-Fi, wartet dafür aber mit einer durchaus geilen Story auf, die eine wesentlich passendere Aufklärung

Wertung: 5 von 10 Punkten (nette Idee, die gut anfängt, dann aber schnell nachlässt und nicht mehr fesselt)

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