Zum Inhalt springen

Gentleman-Killer

25. Februar 2010

Die Story zu „The Killer Inside Me“ hört sich fast so an, als hätte da einer zu viel „Dexter“ geschaut:

Lou Ford (Casey Affleck) ist Sheriff in dem kleinen unbedeutenden Nest Central City. Er sorgt für Recht und Ordnung – ist der perfekte Gentleman, selbst wenn man ihn bittet, eine Prostituierte Joyce (Jessica Alba) aus der Stadt zu jagen. Aber statt sie der Stadt zu verweisen, beginnt er erst eine Affäre mit ihr, schlägt sie Wochen später halb tot, tötet ihren Liebhaber und tut so, als wäre nichts passiert. In mehr als nur etwas anstrengender Puzzle-Arbeit muss sich der Zuschauer aus kleinen Fetzen Rückblenden selbst ein Bild von Lou Ford machen: dieser hat in seiner Jugend ein Mädchen vergewaltigt, dafür ist sein Bruder verantwortlich gemacht worden, der dann später einen „Unfall“ hatte. Nach vielen Jahren der Enthaltsamkeit lebt Lou seine wilden Triebe wieder aus: erst an Joyce, später an seiner eigenen Freundin Amy (Kate Hudson).

Michael Winterbottoms „The Killer Inside Me“ führt uns einen Psychopathen vor Augen, der in keinster Weise an den charismatischen Serienkiller Dexter erinnert. Lou Ford dagegen ist ein widerlicher, eiskalter Typ ohne Ehre, der selbst seine Freunde verkauft, um sich selbst zu schützen. Lou ist nur nach außen ein ehrbarer Mann, innen ist alles dunkel. Keine Reue, keine wirklich Motive – nur dem inneren Monster folgend handelt Lou. Für den Zuschauer ist es daher etwas schwer, dem Film so etwas wie eine Logik abzugewinnen. Das fängt schon damit an, dass man nicht wirklich versteht, warum Lou überhaupt die Prostituierte und ihren Liebhaber umbringt.

Das alles scheint Winterbottom aber egal – das ist auch dem Zuschauer schnell egal, denn wenn Lou Joyce umbringt. Winterbottom lässt die Kamera schön lange drauf – dazu die Geräusche. Eine Szene, bei der mir echt fast schlecht geworden wäre. Scheinbar ist schockieren das einzige, was Winterbottom bleibt, um den Film irgendwie im Gedächtnis des Zuschauers zu fixieren. Lous anschließende Vertuschung seiner Tat ist wenig spektakulär und vor allem wenig spannend.

Der einzige, der in diesem Film halbwegs überzeugt, ist Casey Affleck als Lou Ford. Seit „Gone Baby Gone“ mag ich Ben Afflecks kleinen Bruder sowieso ganz gerne. Affleck gibt sich viel Mühe, wenigstens ein bisschen Energie in die Figur des Killers zu stecken, aber die Geschichte gibt ihm einfach nicht viele Möglichkeiten. Auch Jessica Alba und Kate Hudson haben in diesem Film eigentlich nicht viel mehr zu tun als ein bisschen hübsch auszusehen und sich dann von Lou umbringen zu lassen.

Das Setting in den 50er Jahren plus den passenden Soundtrack entschädigen ein wenig, aber das macht noch lange keinen guten Film. Und wenn so etwas wie Dramaturgie fehlt und man sich die ganze Zeit nur fragt, was das Ganze soll, dann ist es ein „bescheidener“ Film, auf den man hätte verzichten können.

Wertung: 4 von 10 Punkten (hier fehlt das Verständnis – für den Killer und den Film an sich)

2 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    25. Februar 2010 22:02

    Hm, wo habe ich noch mal gelesen, Casey Affleck sollte nur noch Psychopaten spielen, weil er das so gut kann? Naja, nach der Bewertung werde ich mich davon wohl erst mal nicht selber überzeugen …

    • donpozuelo permalink*
      26. Februar 2010 00:05

      Casey Affleck fand ich bis jetzt nur in „Gone Baby Gone“ richtig gut. Alle anderen Rollen waren so naja…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: