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Top Secret

21. Februar 2010

Top Secret ist an der Coen-Brothers Komödie „Burn After Reading“ gar nichts. Denn statt irgendwelche Sachen geheim zu halten, führen sie uns ziemlich schnell vor Augen, worum es eigentlich geht: um absolute Idioten. Idioten, die für die Regierung arbeiten und Idioten, die glauben, sie könnten mal eben schnell ein bisschen Kohle machen. Dabei bekommen zwar vor allem die Geheimorganisationen der USA eins vor den Deckel, aber nicht nur.

„Burn After Reading“ ist eigentlich gar kein Film. Zumindest kein Film, den man richtig erklären könnte. Es ist dafür aber ein typischer Coen-Brothers-Film: alles, was schief gehen kann, geht schief. Und selbst wenn es am Anfang noch gut aussieht, endet es in einem Blutbad. Wunderschön ist dann das Schlusswort des Chefs: „Was lernen wir daraus? Es nicht noch einmal zu machen.“ Wenn es doch nur so einfach wäre…

Die Coens erschaffen mit „Burn After Reading“ eine Welt, in der 1) jeder mit jedem zu schlafen scheint und 2) jeder jeden hintergehen will. Dazu kommt eine Geschichte über eine Frau (Frances McDormand) und einen Mann (Brad Pitt), die an eine CD mit geheimen Daten kommen, die sie an ihren Besitzer verkaufen wollen. Doch Erpressung will gelernt sein und so geht irgendwie alles schief.

Was „Burn After Reading“ an Unsinn verzapft, das wird an Schauspielern wieder wett gemacht. Hier haben wir die Creme de la Creme Hollywoods, die sich für die beiden Regie-Brüder zum Affen machen: John Malkovich, Tilda Swinton, George Clooney und Brad Pitt. Brad Pitt, der Frauenschwarm, der Adonis, der Übermensch schlechthin – und dann diese Rolle des Chad: Kaugummi kauend, iPod hörend, beschissene Frisur und dumm wie Brot. Wer nicht über sich selbst lachen kann, der hat keinen Humor. Das sagt zumindest die Wahl der Rolle. Mutig gespielt, hervorragend gemeistert – eigentlich fast schon das Beste an „Burn After Reading“.

In der großen Filmsammlung der Coens ist „Burn After Reading“ nicht ihr bestes Stück, aber er ist immer noch sehenswert. Allein schon, weil er so herrlich die Dummheit der einzelnen Figuren schildert. Dummheit und Ahnungslosigkeit – das steckt vor allem in McDormands Figur, die nach allem, was ihr passiert – schlechte Dates, dumme Entscheidungen, ein toter Freund – weiter auf dem beharrt, was sie will. Für sie fängt nämlich alles damit an, dass sie ein paar Schönheitsoperationen will. Und die fordert sie auch noch am Ende – und bekommt sie sogar.

„Burn After Reading“ lässt Spionage wieder ganz einfach aussehen: Verfolger und Verfolgte. Dabei werden sogar die Russen als Gegenseite wieder belebt – ein weiteres Zeichen dafür, dass die Beteiligten eigentlich gar nicht wissen, was sie tun. Selbst die CIA versteht nicht, was vor sich geht, macht das, was sie am besten kann: ignorieren und vertuschen.

Den krönenden Abschluss findet „Burn After Reading“ im Abspann – mit dem Song „CIA Man“ von The Fugs:

Who can kill a general in his bed?

Overthrow dictators if they’re Red?

Fucking-a man!

CIA Man!

Who can buy a government so cheap?

Change a cabinet without a squeak?

Fucking-a man!

CIA Man!

In diesem Sinne schaffen die Coens einen wirklich guten Spionage-Film.

Wertung: 8 von 10 Punkten (gut aufgelegte Cast in einem klassischen Coen-Film)

3 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    21. Februar 2010 10:59

    Hehe, Chad ist wirklich das beste an „Burn after Reading“. Ein großer Coen-Fan bin ich bekanntlich nicht, darum würde ich mit der Bewertung wohl auch einen Punkt runtergehen. Dennoch, ein ordentlicher Film mit tollem Ensemble. Nicht der beste der Coens, kann sich aber sehen lassen.

  2. 21. Februar 2010 11:34

    Ich bin der Meinung, dass dies der schlechteste Coen seit langem war. Wirklich sehenswert wird der Film wirklich erst durch sein Ensemble, aber ansonsten will „Burn after Reading“ irgendwie nicht richtig Fahrt aufnehmen. Da hat mir der aktuelle „A Serious Man“ jetzt schon wieder deutlich bessser gefallen.

  3. donpozuelo permalink*
    21. Februar 2010 12:51

    Als den schlechtesten Coen-Film würde ich ihn bezeichnen, aber ich sehe wir drei sind uns einig, dass es definitiv einer der schwächsten ist.
    Aber gut, mit der Zeit sollten sich die beiden vielleicht tatsächlich mal an etwas neues wagen, denn „Burn After Reading“ braut alte Rezepte teilweise einfach nur neu auf…

    „A Serious Man“ habeich noch nicht gesehen.

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