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Nichtstuer

19. Februar 2010

Ben Stiller – der Name steht für leichte Kost, für gute Unterhaltung, für Komik. Aber wie schon vor ihm Jim Carrey ist es in Hollywood scheinbar Pflicht, dass sich Komiker auch mal in etwas ernsteren Rollen ausprobieren (bei Jim Carrey hat das meist funktioniert – bis auf „Number 23“). So erscheint es nur sinnvoll, dass Ben Stiller auch mal weniger witzig auftritt.

Im Film „Greenberg“ von Noah Baumbach spielt Stiller den 40-jährigen Roger Greenberg, einen arbeitslosen Schreiner, der für ein paar Wochen auf das Haus und den Hund in L.A. seines wesentlich erfolgreicheren Bruders aufpasst. Greenberg lebt ziellos in sein Leben hinein – ein Misanthrop, der schon früh in seinem Leben alle Brücken hinter sich verbrannt hat: So hat er beispielsweise ein Musikkarriere aufgegeben – was ihm seine Freunde immer noch übel nehmen. Erst als Greenberg die junge Florence (Greta Gerwig) kennenlernt, die als Assistentin für seinen Bruder arbeiten, scheint sich etwas in dem Mann zu ändern – scheinbar.

„Greenberg“ gelingt eine Gratwanderung zwischen Komödie und Drama. Dabei überrascht vor allem Ben Stiller, der sehr gut in seiner Rolle aufgeht und unter Beweis stellt, dass er mehr kann. Zum Glück für „Greenberg“ besteht der Rest der Cast aus vorwiegend unbekannten Schauspielern – allen voran Greta Gerwig, die sich als Florence mit einem sehr wechselhaften Greenberg herumschlagen muss.

Noah Baumbachs Film ist ein recht ruhiger Film, der manchmal wie sein Protagonist einfach nur so vor sich hin plätschert ohne ein bestimmtes Ziel zu verfolgen. Doch „Greenberg“ ist gerade deswegen durchaus sehenswert: normalerweise werden ältere Filmfiguren immer mit einer bestimmten Mission der Selbstverwirklichung dargestellt. Roger Greenberg ist nicht so ambitioniert – alles, was er will, ist seine Ruhe und vielleicht eine Hundehütte für den Hund seines Bruders zu bauen. Aber irgendwas kommt immer dazwischen, selbst wenn man nichts vorhat: da wären dann Florence, für die Greenberg so was wie Gefühle hat (auch wenn er es nicht so zeigt), Ivan (Rhys Ifans), Greenbergs alter Freund, der selbst mit seinen Problemen zu kämpfen hat und schließlich ein plötzlich erkrankter Hund. Und mit einem Mal muss der Nichtstuer ein Aktiver werden.

Baumbachs Film beschäftigt sich sehr subtil mit Themen wie Verantwortung, Liebe und Erwachsen-Werden, denn das scheint Greenbergs größtes Problem zu sein: endlich erwachsen werden, endlich ernsthaft werden. Dabei wird „Greenberg“ vor allem von seinen ausgezeichneten Schauspielern getragen, die einige langatmige Stellen des Films verschmerzen lassen.

Insgesamt glaube ich aber nicht, dass „Greenberg“ sich im Berlinale Wettbewerb groß durchsetzen wird, dafür fehlt dem Film dann doch das gewisse Etwas.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein guter Stiller spielt einen interessanten Film-Held, der sehr viel menschlicher erscheint als man im ersten Moment glauben möchte)

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