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Bunte Typen

18. Februar 2010

Normalerweise geht der Weg vom Original zum Remake einen anderen Weg: für gewöhnlich wird ein asiatischer Film genommen und ein Hollywood-Remake draus gemacht – was leider Gottes in den seltensten Fällen wirklich gut geht. Jetzt haben wir mal ein anderes Szenario, in dem ein Hollywood-Klassiker ein asiatisches Remake erfährt:

Zhang Yimou dürfte vielen Filmfreunden ein Begriff für höchst kunstvolles Kino sein. Ich darf da zum Beispiel an Filme wie „Hero“, „House of Flying Daggers“ oder „Der Fluch der goldenen Blume“ erinnern, die Martial-Arts stilvoll mit Historienfilm vermischen. Dabei hatte Yimou ein besonderes Händchen für Farbe, was vor allem „Hero“ in jeder Szene mehr als nur deutlich wird. Wie sich nun herausstellt, ist Yimou ein Fan der Coen-Brüder, weswegen sich der chinesische Regisseur vorgenommen hat, ein Remake von „Blood Simple“ auf die Beine zu stellen – dem Erstling der Coens – mit dem klangvollen Namen: „A Woman, A Gun And A Noodleshop“.

Erstaunlicherweise (oder vielleicht ist es auch nicht so erstaunlich) ist daraus kein besonderer Film geworden. Die Geschichte um einen Händler, der einen Polizisten anheuert, um seine untreue Frau und ihren Liebhaber umzubringen, bleibt weitesgehend so, wie es sich die Coen-Brüder selbst ausgedacht haben. Unverkennbar bleibt der morbide, schwarze Humor der Coens, die ihren Filmfiguren einfach keine Chance geben, ihrem unausweichlichen Schicksal zu entkommen – Gier, Neid und Misstrauen bringt jeden gegen jeden auf und am Ende gewinnt keiner.

Die Story bleibt mehr oder weniger die gleiche, dennoch versucht Zhang Yimou dem Film eine eigene Note zu verpassen, doch genau dadurch fragt man sich noch viel mehr, was dieser Film eigentlich soll. Da wären zum Beispiel die verschiedenen Angestellten des Nudelladens – die sehen mehr aus wie Clowns in ihren bunten Kostümen und ihrem merkwürdigen Aussehen. Man fragt sich ein wenig, was der Hintergrund für dieses Ensemble ist: Sollen sie sich vom Chef und dem Polizisten unterscheiden, die als einzige sehr monochrom daher kommen? Sollen sie ein Sinnbild dafür sein, wie stupide sie später agieren und reagieren? Man erfährt es nicht wirklich – trotzdem sind die vier für ein paar Lacher gut.

Das einzige, was Yimous Remake ein wenig interessanter macht, ist das Setting: ein einsamer Nudelladen in einem rot-weiß-gestreiftem Gebirge. Außerdem bleibt Yimou seinem eigenen Genre damit treu und versetzt die Geschichte auch gleich noch ins Kaiserreich und schafft einen Historienfilm ohne wirkliche Historie.

„A Woman, A Gun And A Noodleshop“ tut sich anfangs echt schwer. Man erwartet einen Thriller (immerhin reden wir hier von einem Coen-Remake) und bekommt mehr eine Komödie. Man erwartet Martial-Arts (immerhin reden wir hier von Zhang Yimou) und alles was wir bekommen, ist eine gelungene Choreographie fürs Nudelteig-Zubereiten – mehr aber auch nicht. Aber irgendwann erinnert sich Yimou ein bisschen an „Blood Simple“ und spätestens mit der Ermordung des Nudelladen-Besitzers beginnt man den Stil der Coen-Brüder zu erkennen: es kommt zu einem schrägen Durcheinander, bei dem nur der Zuschauer den Überblick behält und sich daher umso mehr darüber amüsieren kann, wenn die Angestellten und der Polizist sich mehr und mehr in ihren eigenen Aktionen verstricken.

Dennoch bleibt es dabei: die Idee an sich ist nett, aber ich bleibe trotzdem lieber beim Original (wie es eigentlich auch immer sein sollte). Egal welchen Weg das Remake geht – wenn es nicht stärker versucht, eigene Ideen umzusetzen und einfach nur kopiert, dann sollte man es vielleicht lieber sein lassen. Und wenn man schon ein paar eigene Ideen umsetzen will – wie Yimou – dann sollten sie wenigstens einen Sinn ergeben.

Wertung: 6 von 10 Punkten (die Coens im Asia-Gewand – nett, aber nicht wirklich originell)

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