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Toter Schreiberling

15. Februar 2010

Eigentlich sollte Roman Polanskis „The Ghostwriter“ der Eröffnungsfilm der diesjährigen Berlinale sein. Da sich der Regisseur aber nicht einfach so aus seinem Haus schleichen kann, wurde schnell ein anderer Film für den Start des Filmfests genommen. Zu sehen gab es Polanskis Film aber trotzdem, und man kann zufrieden sein. „The Ghostwriter“ ist ein perfekter Polanski-Film, der an alte Filme wie „Frantic“ oder „Chinatown“ erinnert.

Ein britischer Ghostwriter (Ewan McGregor) soll die Memoiren des ehemaligen Premiers Adam Lang (Pierce Brosnan) schreiben. Eigentlich soll er sich nicht schreiben, sondern überarbeiten, denn der letzte Ghostwriter taucht plötzlich als Wasserleiche am Strand auf. Der neue Ghostwriter nimmt den Job an und entdeckt, dass mehr hinter den Memoiren stecken als nur eine einfache Politikerbiographie.

Und „The Ghostwriter“ ist auch kein einfacher Polit-Thriller. Man könnte den Film zeitweise sogar eher als Film Noir bezeichnen. Zumindest passt die Figurenkonstellation hervorragend in das Bild: der Held, der von allen nur hinters Licht geführt wird, der versucht zu ermitteln, in was er da eigentlich geraten ist und die undurchsichtige Schönheit, die ihm den Kopf verdreht und mehr zu verbergen hat, als sie preisgibt. Aber The Ghost (so wird McGregors Figur genannt – einen richtigen Namen erfahren wir nie) will eigentlich gar nicht schnüffeln – „Ich bin Ghostwriter, kein investigativer Journalist“. Dumm für ihn, dass er immer wieder neue Hinweise findet. Gut für uns, denn so dürfen wir einen spannenden Film sehen.

Polanski versteht es meisterlich, Spannung aufzubauen und sie auch zu halten. Das schafft er dadurch, dass der Zuschauer teilweise weniger weiß als die Hauptfigur. Gleichzeitig sperrt Polanski seinen Helden immer wieder ein (was von vielen Kritikern als Parallele zu Polanskis eigenem Leben gesehen wird – wenn überhaupt war das sicherlich nicht gewollt). The Ghost ist immer in Räumen, kleinen Zimmern – selbst das Haus von Lang ist wie ein großer Glaskäfig, der zwar nach draußen blicken lässt, aber trotzdem ein Gefängnis ist – nicht einmal das Manuskript darf The Ghost mitnehmen.

Bei „The Ghostwriter“ spielt alles perfekt zusammen – selbst das Wetter spiegelt den Grundton der Geschichte wieder: alles grau und düster. Virtuos setzt Polanski seine kleine, aber feine Cast in Szene. Auch wenn Ewan McGregor hier eigentlich die Hauptrolle spielt, muss man einfach Ex-„Bond“ Pierce Brosnan lobend erwähnen, der als ehemaliger Premier erfolgreich gegen seine üblichen Rollen spielt.

„The Ghostwriter“ lässt den Zuschauer immer im Unklaren. Was für manche Filme der Untergang wäre, funktioniert bei Polanskis Film ausgezeichnet. Erst nach und nach entfaltet „The Ghostwriter“ sein dunkles Geheimnis rund um Politik, CIA-Machenschaften und Liebe – The Ghost ist dabei nur ein kleiner Spielball, der vor allem austauschbar ist.

Was „The Ghostwriter“ von anderen Thrillern seiner Art unterscheidet, ist der wunderbar trockene Humor, der das Publikum mehr als nur einmal zu lauten Brüllern veranlasste. Somit ist Polanskis letzter Film guter Suspense mit einer Prise Humor. Dieser Film zieht einen voll in den Bann und man bleibt auch am Ende noch atemlos sitzen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (spannend, komisch – wunderbar düster und absolut sehenswert mit einem unerhört fiesen Ende)

P.S.: Genau aufpassen muss derjenige, der Jim Belushi in einer kleinen Nebenrolle wiedererkennen will – ich musste zweimal hinschauen

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3 Kommentare leave one →
  1. 18. März 2011 21:08

    Wo hatten wir denn Jim Belushi? Verdammt: Muss ich wohl genau so nicht erkannt haben wie im ersten Moment Kim Cattrall.

    Übrigens großartiger Filmgeschmack, den ich in vielen Punkten so unterschreiben kann. 🙂

    • donpozuelo permalink*
      21. März 2011 06:59

      Willkommen und danke schön! 😀

      Jetzt ist es schon so lange her, dass ich den Film gesehen habe, daher kann ich nicht mehr genau sagen, wann und wo Belushi auftaucht. Sorry…

Trackbacks

  1. 2010 « Going To The Movies

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