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Kugelgewitter

12. Februar 2010

„All das, was der letzte INDIANA JONES hätte sein sollen!“ So steht es auf der DVD-Hülle von „The Good The Bad The Weird“ und stellt hohe Anforderungen an diesen koreanischen Film. Und wenn man weiterliest, worum es in etwa geht, möchte man der MTV-Bewertung fast Recht geben:

Irgendwann in den 30er Jahren: Ein kleiner Ganove „The Weird“ (Song Kang-ho) stiehlt eine Schatzkarte, die in die Mandschurei führt und ordentlich Kohle verspricht. Der Auftragskiller „The Bad“ (Lee Byung-hun) soll die Karte wieder zurückholen und der Kopfgeldjäger „The Good“ (Jung Woo-sung) jagt beide, um sein eigenes Geldbeutelchen wieder aufzubessern. Um alles noch etwas komplizierter zu machen, werden die drei von einer Banditenbande und der japanischen Armee gejagt, die alle etwas vom Schatz abhaben wollen.

Klingt beim ersten Mal Lesen gar nicht schlecht. Beim ersten Mal Gucken wird aber schnell klar, dass selbst der letzte Indiana Jones-Film unterhaltsamer war als „The Good The Bad The Weird“. Und das will schon was heißen… Dabei fängt der Film durchaus vielversprechend an:

Koreaner spielen Western wirkt anfangs befremdlich. Da sich Regisseur Kim Jee-Woon dabei aber nicht so ernst nimmt, ist das Ganze nach einer Weile echt lustig anzuschauen. Zumal gerade „The Weird“ seinem Namen alle Ehre macht und für ein paar gute Lacher sorgt. Doch leider entscheidet sich das Drehbuch gegen eine allzu ausgefeilte Story und nach einer guten halben Stunde verschwindet der Film in einem Meer aus Bleikugeln und hinterm Nebel von Rauchschwaden. Diese Actionsequenzen und Schießereien wäre noch nett anzuschauen, aber Kim Jee-Woon übertreibt hier etwas maßlos: ähnlich wie beim letzten Bourne- oder Bond-Film wird hier so schnell von Wackelkamera zu Wackelkamera geschnitten, dass man oftmals den Überblick verliert. Zudem zieht der Regisseur die Szenen unnötig in die Länge und irgendwann schaltet man ab – geistig natürlich. Erst wenn Stille herrscht, kommt man wieder zu sich und kann den Film weiterschauen. Dann allerdings fehlt es an Charakter- und Storyentwicklung. „The Weird“ und „The Good“ bilden zwar nach einer Weile ein Team, aber auch aus dieser möglichen Buddy-Konstellation macht Regisseur Jee-Woon nichts.

„The Good The Bad The Weird“ möchte ein Hommage an den Italo-Western sein, aber es wird nur ein etwas hirnloses Gehangel von Schießerei zu Schießerei. Ein bisschen mehr Konzentration auf die Figuren, auf die Story hätte dem Film gut getan.

Fazit ist also, dass ich tatsächlich eher den letzten Indiana Jones vorziehen würde. Der war zwar enttäuschend, aber wenigstens gibt es ein halbwegs verständliches Ende. Wenn „The Good The Bad The Weird“ endlich an dem Ort ankommen, wo der Schatz sein soll, wird man nochmal herb enttäuscht – und man möchte sowohl MTV (für das Zitat auf der DVD) als auch Kim Jee-Woon (für einen öden Film) verklagen. Leider kann ich das nicht, aber ich kann wenigsten alle Leser vor dem Film warnen: Die Idee ist nicht schlecht, aber schlecht umgesetzt.

Wertung: 4 von 10 Punkten (koreanische Cowboys sind zwar witzig, verlieren aber irgendwann ihre Geschichte aus den Augen)

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