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Space Cowboys

9. Februar 2010

Ich weiß, so heißt eigentlich ein Film über alternde Astronauten mit Clint Eastwood und Co. Aber viel, viel besser passt der Titel zu einer vernachlässigten Science-Fiction-Serie namens „Firefly“.

Warum vernachlässigt??? Nun ja, für mich persönlich ist „Firefly“ eine der besten Sci-Fi-Serien, die ich kenne (zugegeben, ich kenne nicht sonderlich viele :)). Aber aus welchem Grund auch immer brachte es die Serie von Joss Whedon nur auf 14 Folgen. Ich glaube ja, dass das möglicherweise daran liegt, dass es in der ganzen Serie nicht ein einziges Mal einen Außerirdischen zu sehen gibt. Und irgendein Hollywood-Produzent wird sich gefragt haben: „Wie können wir Sci-Fi ohne Aliens machen???“

„Firefly“ spielt im Jahr 2517. Die Menschen mussten die Erde verlassen und wurden allesamt in ein neues Sonnensystem umgesiedelt, wo sie durch Terra-Forming Planeten nutzbar machen und wieder von vorne anfangen. Regiert wird das Ganze von der Allianz, die sich nach einem langen Krieg als Sieger durchsetzen konnte. Doch die Unabhängigen sind immer noch da draußen – unter ihnen auch der Kapitän der Firefly „Serenity“ Malcom „Mal“ Reynolds (Nathan Fillion), der mit seiner Crew Waren schmuggelt, Passagiere transportiert und kleinere Gaunereien übernimmt, um sich über Wasser zu halten.

Joss Whedon nimmt sein Siedlerthema sehr genau. Vielleicht zu genau, um „Firefly“ als Sci-Fi-Serie in Augen von Produzenten erfolgreich dastehen zu lassen. „Firefly“ ist nämlich mehr ein Western als wirklich Science-Fiction.  Die Western-Elemente gehen über die Kostüme, bis zu den Settings (Saloons, Hotels, etc.) oder der Musik (viel Akustik-Gitarre). Hin und wieder lässt es sich Whedon nicht nehmen, auch die Story nach einem Western auszurichten – so gibt es Zugüberfälle oder „Fortbelagerungen“ (wobei hier das Fort ein Hurenhaus ist). Dazu wird viel auf Pferden statt auf Gleitern geritten.

Der Charme der Serie liegt in diesen Details und vor allem bei seinen Figuren. Der Captain erinnert mit seinem Revolver und seinen dummen Sprächen ein wenig an Han Solo. Seine Crew ist gespickt von klassischen Stereotypen – der kampfgeile Söldner, die verheiratete Amazone, die verliebte Technikerin, der leicht verwirrte Arzt und seine mysteriöse Schwester, ein Priester mit Geheimnissen und eine Konkubine, die mehr vom Captain hält als sie zugibt. Die Crew der „Firefly“ ist großartig ausgewählt und absolut liebenswert. Genau wie die Serie selbst.

Doch warum hat sie es dann nur auf 14 Folgen gebracht??? Das will mir immer noch nicht in den Kopf. Joss Whedon hatte sich vorher mit „Buffy“ und „Angel“ einen Namen gemacht. Da fällt „Firefly“ wirklich etwas aus dem Rahmen. Whedon brauchte wohl mal eine Pause und wollte eine tiefsinnigere Serie schaffen, die trotzdem Spaß macht. Also verzichtet er auf große Effekte, Monster und zu viel Action, schafft stattdessen eine Serie um eine Gruppe von Menschen am Rand der Gesellschaft. Die neue Serie ist witzig, voller Sprachgefechte statt Handgefechte. Jede der 14 Folgen steht für sich. Als einziges übergreifendes Element dient River, die Schwester des Arztes, an der irgendwelche Experimente gemacht wurden und die nun von der Allianz gesucht wird.

„Firefly“ ist Science Fiction, Western, Drama, Komödie und Gesellschaftsporträt in einem. Leider wurde die Serie erst nach ihrer Absetzung Kult – das aber zurecht. In den USA wurden sogar nur 11 Folgen gezeigt, und hier bei uns durfte die Serie erst vor kurzem ins TV – da aber auch nur bei SuperRTL und zu einer unmöglichen Zeit. Aber egal, die DVDs entschädigen für einiges.

„Firefly“ kommt ohne Aliens aus und ist trotzdem wunderbar. „Firefly“ ist kultig und daher wird es wohl auf immer ein Rätsel bleiben, warum sie abgesetzt wurde. Zum Glück gab es noch ein kurzes Wiedersehen mit dem Kinofilm „Serenity“ (aber über den reden wir morgen :)).

Wertung: 10 von 10 Punkten (KULT, KULT, KULT – absolutes Pflichtprogramm)

22 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    9. Februar 2010 17:54

    Kult, Kult, fucking Kult! Okay, die volle Punktzahl ist etwas zu hoch gegriffen, aber „Firefly“ ist verdammt noch mal Pflichtprogramm, nicht nur für SciFi-Nerds. Ganz im Gegenteil, an Mal und seiner Crew wird fast jeder seinen Spaß haben. Tolles Ensemble, intelligente Geschichten ohne großes Budget inszeniert, witzig gemacht – gerade die Episode „Janestown“ ist ja wohl der Knaller! Paradebeispiel für eine Serie, die laaaange vor ihrer Zeit abgesetzt wurde.

    • donpozuelo permalink*
      9. Februar 2010 18:16

      Ich finde die volle Punktzahl nicht zu hoch gegriffen 🙂

      „Janestown“ war wirklich gut. Großartig fand ich aber auch die Folge „Mrs. Reynolds“ mit Mals „Frau“.

  2. luzifel permalink
    10. Februar 2010 09:07

    Der Bewertung kann ich wiedermal nur zustimmen – ich würde ebenfalls eher 9 statt 10 geben, aber das liegt an meiner Abneigung Extremwerte zu vergeben ^^

    Von Firefly gibt es übrigens ein sehr putziges Rollenspielsystem an welchem der Serienschreiber Whedon, der übrigens ein Freund nerdiger Dinge wie Rollenspiel ist, mitgewirkt hat. Das führt dazu, dass die Skripte von 2 ungedrehten Episoden als spielbare Abenteuer umgesetzt wurden.. *Werbung macht*

    Grüße, Luzifel..

    • donpozuelo permalink*
      10. Februar 2010 09:17

      Hey… dieser Blog ist werbefrei 🙂

      Naja, hin und wieder müssen kultige Sachen auch mal extrem bewertet werden. sonst müsste man sich doch fragen, warum sie dann überhaupt so kultig sind. und allein zu sagen, etwas ist Kult ist ein extremwert, der begründet werden muss…

      irgendwie so 😛

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