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Vielfliegermeilen

7. Februar 2010

Ryan Bingham (George Clooney) hat einen beschissenen Job: er wird dafür bezahlt, Leute zu feuern. Um das zu tun, fliegt er kreuz und quer durch die USA und sammelt so fleißig Meilen – immer mit dem Gedanken insgesamt 10 Millionen Meilen zu bekommen. Für diese Art von Lebensstil hat Ryan eine eigene Philosophie entwickelt – keine Beziehungen, völlige Freiheit. Alles, was er zum Leben braucht, passt in einen kleinen Koffer. Alles, was er sonst noch benötigt, besorgt er sich durch seine zahlreichen Kundenkarten und Boni. Dass alles ändert sich, als gleich zwei Frauen in sein Leben kommen: die junge Natalie Keener (Anna Kendrick), die Ryan „anlernt“ und die attraktive Bekanntschaft Alex (Vera Farmiga), die auch ein Vielflieger ist.

Jason Reitman hat echt ein Händchen für interessante Figuren: den Zigaretten-Lobbyisten in „Thank You For Smoking“, die schwangere Jugendliche in „Juno“ und nun den nüchternen Asketen in „Up in the Air“. Mit George Clooney hat Reitman zudem einen wunderbaren Schauspieler, der die nötige Authentizität für die Rolle des Rayn Bingham mitbringt.

„Up in the Air“ fängt mit dem „gruseligen“ Alltag des Bingham an. In schneller Abfolge werden Binghams Vorbereitungen gezeigt – teilweise so schnell geschnitten, dass das Auge gar nicht hinterherkommt. Dann wechselt das Geschehen und wir beobachten die Gekündigten, die fast schon wie in einer Dokumentation auftreten. Reitman stellt Bingham in seinem Alltag vor und sorgt dann mit den zwei Frauen dafür, dass dieser gründlich aus dem Gleichgewicht gerät. Mit dem Auftauchen der Frauen wandelt sich auch der Film, und anfangs hatte ich echt Angst, es könnte nun kitschig werden. Immerhin erkennt Ryan, dass seine Philosophie kein Glück verspricht. Er beginnt, die Dinge anders zu betrachten, beginnt einzusehen, was er ändern muss.

„Up in the Air“ hütet sich aber Gott sei Dank davor, in billigen Klischees zu versinken. Stattdessen bemüht sich Reitman eins ganz deutlich zu machen: Wenn man sein ganzes Leben einen bestimmten Stil hat, lässt sich der nicht einfach ändern. Ryan Bingham ist dafür das beste Beispiel – ein deprimierendes Beispiel.

Trotz alledem ist „Up in the Air“ eine wunderbare Komödie, die aber durchaus ernste Töne mitschwingen lässt. Dazu George Clooney – und heraus kommt ein wirklich sehenswerter Film. Reitmans Timing ist perfekt, Clooneys Nonchalance wirkt wie aus einem alten Schwarz-Weiß-Film. Ich möchte fast meinen, ich habe durch diesen Film verstanden, warum Clooney bei Frauen so beliebt ist 🙂 Clooney beherrscht die Leinwand und wird von Reitman brillant in Szene gesetzt – und hat sich so seine Oscar-Nominierung mehr als nur verdient.

„Up in the Air“ mag zwar ein Film über alte Angewohnheiten sein. Es ist aber auch ein erfrischender Film darüber, was im Leben wirklich wichtig ist.

Wertung: 9 von 10 Punkten (großartiger Film – clever, witzig, charmant und nachdenklich)

6 Kommentare leave one →
  1. christiansfoyer permalink
    7. Februar 2010 14:54

    Auch für mich die Stärke des Films: er reduziert sich nicht auf das Abklappern altbekannter Klischees. Gerade Vera Farmiga macht ja gegen Ende aus ihrer Figur einen wunderbaren Widerspruch gegen das gängige HappyEnd-Material. Ansonsten, wie du sehr treffend fomulierst, wahrlich ’ne Glanzleistung von Reitman und Clooney

    • donpozuelo permalink*
      7. Februar 2010 19:42

      Willkommen 🙂

      Ich hatte zum Schluss echt Herzklopfen, weil ich dachte, ich weiß, was kommt… und dann macht Reitman genau das Gegenteil. Da war ich so beruhigt. Wenn der Film am Ende auf die Happy-End-Schiene aufgestiegen wäre, hätte das alles kaputt gemacht.

  2. 7. Februar 2010 15:02

    Ich versuch den Film, so schnell wie möglich zu sehen, wenn da nicht diese blöde Facharbeit wäre…

    • donpozuelo permalink*
      7. Februar 2010 19:35

      Ja, mach das. Wirklich, wirklich sehenswert…

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