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Selbstfindungstrip

2. Februar 2010

Die meisten Menschen gehen zur Schule, gehen dann zur Uni oder machen eine Ausbildung, finden irgendwo irgendwann einen Job, arbeiten ihre Stunden ab. Vielleicht kommt noch ein Ehepartner und ein paar Kinder dazu – möglicherweise auch noch ein Haustier, ein Haus und ein Auto. The normal life for normal folk. Keine großen Aufregungen, keine großen Überraschungen. Manch einer schlägt aber auch einen anderen Weg ein: so könnte man zum Beispiel zur Armee gehen, um sich dann anschließend als Auftragskiller selbstständig zu machen. Doch selbst so jemanden holt das normale Leben irgendwann wieder ein.

So auch im Fall von Martin Blank (John Cusack), der nämlich genau jene Karriere mit dem Auftragskiller hinter sich hat. Ihn holt seine Vergangenheit wieder ein, denn er bekommt eine Einladung zu seinem 10-jährigen Klassentreffen. Er will eigentlich nicht, aber sein Therapeut (von Blank in den Wahnsinn getrieben und großartig dabei: Alan Arkin) und seine Sekretärin (Cusacks Schwester Joan) bestehen darauf. Zum Glück gibt es dann auch noch einen Auftrag für Martin, der das eine mit dem anderen verbinden könnte: Mord und Klassentreffen. Dumm nur, dass in seiner alten Heimatstadt Grosse Pointe mehr Überraschungen auf ihn warten als erwartet:

  • Sein altes Haus ist ein Supermarkt
  • Seine Mutter sitzt im Heim
  • Sein Rivale Grocer (Dan Aykroyd) hetzt ihm zwei Agenten auf den Hals, weil Martin seiner Vereinigung nicht beitreten will
  • Seine alte Flamme Debi (Minnie Driver) weckt wieder alte Gefühle in ihm
  • Und dann ist da natürlich noch das Klassentreffen

Der Film, um den es sich hier handelt, ist ein erstklassiger John Cusack-Film, gleichzeitig aber auch eine gute Komödie, über einen Auftragskiller, der zu sich selbst findet: „Grosse Pointe Blank“ von George Armitage. Allein, dass hier ein Killer auf sein Klassentreffen geschickt wird, ist schon total bescheuert und gleichzeitig total komisch – komisch genug, um den Film weiterzuempfehlen. Jeder, der schon auf seinem eigenen Klassentreffen war, wird das Gefühl wieder erkennen, dem sich auch Martin Blank stellen muss: Was sagt man nur? Wie geht man mit den alten Freunden und Feinden von früher um?

„Grosse Pointe Blank“ lebt von mehr von seinen sympathischen Charakteren als von einer originellen Story. John Cusack muss man in diesem Film einfach lieben und Dan Aykroyd als sein Gegenspieler hat zwar kleine, aber sehr feine Auftritte. Insgesamt ist die ganze Schauspieler-Riege – egal ob großer oder kleiner Auftritt – ziemlich gut aufgelegt. Was den Film zusätzlich auszeichnet, ist ein großartiger 80ies Soundtrack mit Queen, Nena, Violent Femmes oder The Clash.

Wer sich vor die Wahl stellt, zwischen den zahlreichen Auftragskiller-Komödien zu entscheiden, der sollte sich ruhig einmal „Grosse Pointe Blank“ anschauen – immerhin gibt es hier die beste Liebeserklärung unter Kugelhagel seit „Mr. & Mrs. Smith“ (und „Grosse Pointe Blank“ ist tausend Mal besser).

Wertung: 8 von 10 Punkten (gradlinige Komödie mit einer großartigen Cast und einem großartigen Soundtrack – gute Unterhaltung garantiert)

6 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    2. Februar 2010 15:06

    Danke, danke, danke. Ich versuche seit Ewigkeiten, den Film wiederzufinden, konnte mich aber leider nur noch an die grundsätzliche Story erinnern, weder an Namen noch Schauspieler, was den Suchprozess etwas erschwehrt hat. Dabei weiß ich nicht mal mehr, ob ich den Film damals wirklich gut fand; ich bin nur eines Morgens mit dem bestimmten Gefühl aufgewacht, ich müsste unbedingt mal wieder den Film mit dem Auftragskiller beim Klassentreffen sehen. 😀

    • donpozuelo permalink*
      2. Februar 2010 16:26

      Bitte, bitte. Da freue ich mich ja, dass ich die Schnitzeljagd erleichtert habe.

      „Grosse Pointe Blank“ ist vielleicht nicht wirklich gut, aber wirklich liebevoll gemacht (wenn man das dazu sagen kann)

  2. 2. Februar 2010 15:43

    Filme mit Auftragskillern sind ja von der Idee her gar nicht mal so verkehrt. Irgendwie bin ich wohl auch so auf den Film aufmerksam geworden, steht er doch seit Kurzem auf meinem Wusnchzettel – na, die nächste Bestellung bei Amazon wird mal wieder teuer…

    • donpozuelo permalink*
      2. Februar 2010 16:28

      Filme mit Auftragskillern sind immer so naja… man kann halt nur mit bestimmten Stereotypen rumspielen. Wenn man dann aber auch noch ne Komödie draus macht, wird das Ganze schon wieder ein bisschen interessanter. Nicht besser, aber interessanter – gerade weil man ja schon wunderbar gegen gesetzte Vorstellungen rebellieren kann.

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