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Hierher, Hundchen, hierher!

26. Januar 2010

Zombiefilme sind doch alle gleich: aus irgendeinem Grund tauchen sie plötzlich auf, laufen halb vergammelt durch die Straßen und suchen sich ihre nächsten Opfer, die sie dann fressen und somit ebenfalls infizieren. Dann gibt es natürlich ein Grüppchen Mutiger (oder weniger Mutiger), die sich gegen die Zombies stellen. Egal ob „ernsthaft“ oder als Komödie – jeder Zombiefilm lebt davon, dass die Überlebenden in einen blutigen Kampf gegen die Zombies antreten.

Es gibt da aber noch einen Film – den einzigen, den ich bis jetzt in dieser Art gesehen habe – der sich zwar Zombiefilm nennen kann, aber irgendwie doch kein richtiger ist. Der kanadische Film „Fido“ von Andrew Currie spielt in einem idyllischen kleinen Ort Willard (so hieß auch die Stadt aus dem Klassiker „Night of the Living Dead“ von Romero). Beim ersten Blick sieht alles irgendwie nach 50er Jahre aus: die Häuser sind fast alle identisch, die Frauen tragen hohe Frisuren und lange Kleider, die Männer ständig Anzug und fahren in ihren riesigen Wagen durch die Gegend. Es sieht alles ein wenig wie bei „Pleasantville“ aus: ein Traum der Spießigkeit. Doch nicht alles ist hier so wie es scheint: Strahlung aus dem All hat einige Menschen zu Zombies gemacht. Aus den daraus folgenden „Zombie Wars“ kam die Lösung: abgesicherte Städte, die von Zombie verseuchtem Land umgeben sind. In den Städten sorgt ZomCon für Ruhe und Ordnung. Da man ja auch Profit aus der Situation schlagen muss, entwickelte ZomCon Halsbänder, die die Zombies kontrollieren und sie so zu nützlichen Arbeitern, Dienern oder Haustieren werden. In dieser Stadt lebt auch der kleine Timmy Robinson (K’Sun Ray) mit seiner Mutter Helen (Carrie-Anne Moss) und seinem Vater Bill (Bill Robinson) und ihrem Zombie Fido (Bill Connolly).

Der neue beste Freund des Menschen - der Zombie

„Fido“ ist ein genial-komischer Film, der uns in eine alternative Realität führt, in der Zombies wie Haustiere gehalten werden. In der kleinen Familie Robinson sorgt die Anschaffung eines Zombies für Stress: während Mutter Helen ihn als Statussymbol ansieht, hat Vater Bill einfach nur Angst vor ihm. Umso schlimmer wird es, als der kleine Timmy Gefallen an dem stummen Typen findet.

Die Zombies in „Fido“ sind domestizierte Ungeheuer, die durch ein Halsband kontrolliert werden. Natürlich sorgt die Freundschaft zwischen Timmy und Fido für einige Probleme – so beißt Fido eine alte Dame und bringt damit einige Schwierigkeiten für die Familie Robinson.

„Fido“ ist ein Film, der wohl auch ein bisschen sagen will: „Zombies sind auch nur Menschen“. Für die Menschen in der kleinen Stadt Willard sind die Zombies einfach nur Nutzgegenstände, die sie für selbstverständlich ansehen. Erst durch Fido und Timmy wird deutlich, dass auch die Zombies Gefühle empfinden können – so gibt es auch einige „sinnliche“ Momente zwischen dem Zombie und Helen.

Der kanadische Film ist eine wunderbare Komödie, die sich mal ganz anders mit Zombies beschäftigt. Regisseur Currie gelingt ein Bonbon bunter Film, in dem nur die Zombies wie kleine graue Männchen hervorstechen. Umso mehr erkennt man, wie viele von ihnen für das Wohl in Willard sorgen. Willard ist das Paradies auf Erden – so wie man es sich wünscht und doch erkennt man schnell, wie verlogen doch alles zu sein scheint. Nur wer einen Zombie hat, ist wirklich anerkannt. Wie mit den Zombies umgegangen wird, ist egal – Hauptsache, man hat wirklich viele von ihnen. Am Ende des Films erst lernen die Menschen aus Willard ihre Zombies mehr zu schätzen – „Fido“ wird jetzt auf einmal ein Film mit kritischem Unterton: Man soll nicht alles Gute für gegeben nehmen, sondern muss sich immer darum kümmern, ansonsten kann es schnell umschlagen.

Aber egal, ob man „Fido“ jetzt noch tiefgründige Motive andichten will oder nicht, der Film macht einfach Spaß – gerade weil er Zombies mal aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet und somit jede Erwartung des Zuschauers zunichte macht.

Wertung: 8 von 10 Punkten (der bis jetzt schrägste Zombiefilm, den ich je gesehen habe)

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