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„I hate snakes!“

20. Januar 2010

Dr. Henry Walton Jones Jr. ist ein Professor für Archäologie, wie man ihn sich vorstellt: Tweed-Sakko, ein prä-Potter’sche runde Brille. Er erklärt seinen Studenten immer wieder, dass Archäologie etwas ist, das vor allem in Bibliotheken stattfindet. Über so einen Professor will man aber keinen Zwei-Stunden-Film sehen. Zum Glück ist Dr. Jones aber mehr als nur ein langweiliger Prof. Wenn die Brille abgelegt und das Sakko im Schrank hängt, trägt der gute Mann mit Stolz seinen Drei-Tage-Bart, eine alte Lederjacke, Hut und Peitsche. Und nennt sich dann „Indiana Jones“:

1981 erschufen George Lucas und Steven Spielberg eine absolute Kultfigur und verhalfen dem abgeschriebenen Genre des Abenteuerfilms zu einer neuen Bedeutung. Und weil ihm eine Kultfigur noch nicht genug war, spielte Harrison Ford nach Han Solo auch noch den Indiana Jones. Und Indiana Jones ist so, wie man sich einen echten Abenteurer vorstellt: ironisch, manchmal mürrisch, nicht um Worte verlegen. Er ist kein aalglatter Typ – im Gegenteil: Indy stört sich nicht daran, sich für die Geschichte dreckig zu machen. Er ist ein Typ mit Macken (vor allem seine Angst vor Schlangen), der auch mal einstecken muss und der auch mal den leichteren Weg nimmt (der wild wuchtelnde Schwertkämpfer, der einfach erschossen wird).

Und weil Indiana Jones kein normaler Typ, dürfen es auch keine normalen Abenteuer und erst recht keine normalen Gegner für ihn sein. So jagt er die verloren geglaubte Bundeslade, in der sich angeblich die Zehn Gebote Mose befinden. Und weil wir das Jahr 1936 schreiben, prügelt Indy sich mit üblen Nazi-Schergen herum, die die Lade für ihren Führer haben wollen.

Mit „Jäger des verlorenen Schatzes“ liefern Lucas und Spielberg spannende Unterhaltung ab und setzen den Grundstein für weitere Abenteuerfilme. Indiana Jones ist dabei ein bisschen wie James Bond:

  • Der Film beginnt (wie bei Bond immer) mit einem vorangegangenem Abenteuer – eine Art Prolog, der schon mal kurz zeigt, mit was für einem Typen wir es zu tun haben.
  • Indy reist kreuz und quer über den Erdball, verfolgt einen Hinweis nach dem anderen. Aber das muss er auch, schließlich geht es darum, die Welt vor großem Übel zu bewahren. Das Abenteuer lebt von seinen Locations und Ausgrabungsstätten.
  • „Jäger des verlorenen Schatzes“ ist aber auch Action-Kino pur, dass rasante Verfolgungsjagden, Schlägereien und Einzeiler zu einem guten Film-Spaß vermischt.

„Jäger des verlorenen Schatzes“ trumpft vor allem dadurch auf, dass sich der Film nicht zu ernst nimmt. Er ist witzig, spannend, aufregend – vermischt Geschichte mit Fantasie, koppelt Action mit einer cleveren und dramatischen Story, die alles hat, was man braucht: den Held, den Feind, die Frau, das Ziel, die Welt zu retten. Natürlich könnte man Indy unterstellen, nach einem einfach gezeichneten Feindbild zu handeln, aber und wenn schon… Darum geht’s doch. Wir wollen hier keine tiefenpsychologischen Gründe: uns reicht ein machtbesessener deutscher Diktator und ein einfacher amerikanischer Professor, der ihm all seine Pläne zunichte macht.

Mit „Indiana Jones“ legen Lucas und Spielberg den Grundstein für eine erfolgreiche Reihe. George Lucas lässt es sich aber auch nicht nehmen, bei „Indiana Jones“ immer mal wieder auf „Star Wars“ zu verweisen. Obwohl Ford nicht die erste Wahl war (Tom Selleck sollte ursprünglich ran, hatte da aber schon die Rolle des „Magnum“ angenommen), spielt Indiana Jones immer wieder auf Fords Rolle des Han Solo an. Der wichtigste Hinweis auf „Star Wars“ zeigt sich in „Jäger des verlorenen Schatzes“ aber an einer anderen Stelle: R2D2 und C3-PO tauchen in den Hieroglyphen auf:

"Star Wars" im alten Ägypten (zum Vergrößern Bild anklicken)

„Indiana Jones – Jäger des verlorenen Schatzes“ ist Action-Abenteuer pur. Unterhaltung, die auch wirklich Spaß macht, mit einem Helden, den man immer wieder gerne sieht.

Wertung: 8 von 10 Punkten (Indy rules)

16 Kommentare leave one →
  1. 20. Januar 2010 16:59

    Neben dem schwachen vierten Teil der Reihe, ist der einzige Makel an Indy, dass er so viele schlecht gemachte und unnötige Verschnitte nach sich gezogen hat (bis hin zu deutschen Luschen-Produktionen).

    Die Szene, in der Indy ohne mit der Wimper zu zucken, den Schwertkämpfer erschießt, war ja eigentlich ganz anders als knallharter Fight gedacht. Auf Grund von Magen-Darm-Problemen durfte Ford dann zum Revolver greifen – und echt mal, gibt es eine coolere Szene für einen Kultfilm?

    Du hast halt recht: Indy rules!

    • donpozuelo permalink*
      20. Januar 2010 18:43

      Das habe ich so auch gelesen. Aber das macht die Szene umso besser – und es zeigt sich mal wieder, dass die besten Idee auch einfach nur durch einen dummen Zufall kommen.

  2. 20. Januar 2010 18:20

    Stimme zu. Und die Actionszene mit dem Schwertkämpfer war ja so auch viel besser. Mein Favorit ist aber der dritte Teil mit Sean Connery als Jones‘ Vater. ^^
    Gab ja, glaub ich ,noch hunderte weitere Verbindungen zu Star Wars und wenn es nur gleiche Drehorte oder Schauspieler (und ich meine hier nicht Harrison Ford) waren.

    Teil 4 fand ich nicht schlecht, aber er kam einfach nicht an die alten Teile heran. Die Geschichte um den Kristallschädel ist an sich zwar durchaus interessant, aber für einen Film Spielbergs Alienliebe nachzugeben fand ich unverständlich. Und ich fand die Nazis als Gegner besser. 😉

    • donpozuelo permalink*
      20. Januar 2010 18:46

      Zu Teil 3 kommen wir noch. Habe mich ein wenig von Dr. Borstel und seiner Spidey-Trilogie-Besprechung inspirieren lassen 🙂 (Vielen Dank dafür).

      Die Star Wars-Verbindungen sind wirklich oft wiederzufinden. Das mit den beiden Robotern fand ich jetzt aber am erwähnenswertesten. Man könnte wahrscheinlich lange nur über die Bezüge zu Star Wars schreiben.

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