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Die Zukunft des Gaming

19. Januar 2010

Eigentlich beschränkt sich der Film „Gamer“ von Mark Neveldine und Brian Taylor nicht nur auf die Welt der Online-Spiele, sondern auf die gesamte Online-Welt. Denn Cyber-Guru Ken Castle (genial: Michael C. Hall) hat nicht nur das Spiel „Slayer“ entwickelt, sondern auch etwas wie „Second Life“, das sich hier aber „Society“ nennt. Während in „Society“ die Menschen das „normale“ Leben virtuell erleben können, stellt „Slayer“ die aufregendste Version des Ego-Shooter dar: echte Menschen steuern echte Menschen durch Schlachten. Der Clou: die „Slayer“ sind zum Tode verurteilte Häftlinge, denen hier die Chance gegeben wird, sich durch 30 Level zu kämpfen, um dann frei zu kommen. Der momentan erfolgreichste „Slayer“ ist Kable (Gerald Butler) und sein „Gamer“ Simon (Logan Lerman).

Nach „Crank“ und „Crank 2“ wollten sich Neveldine/ Taylor nicht damit begnügen, einfach nur einen Game-Look zu kreieren, sondern gleich einen Film über Games zu machen. Die Idee von „Gamer“ ist schon interessant: eine Technik aus Nanozellen erlaubt dem „Gamer“ seine Figur zu steuern. Für den Spielenden bleibt alles Spiel – ganz normal. Für den Spielenden aber ist es ernst, sehr ernst sogar.

„Gamer“ setzt die Tradition der „Crank“-Filme fort: es geht auch hier eigentlich nur um Gewalt und Sex – in Szene gesetzt durch verwackelte Bilder, rasante Schnitte, einem noch schnelleren Soundtrack (obwohl Mansons „Sweet Dreams“ langsam und doch sehr passend ist). Was leider auch fortgesetzt wird, ist die Tatsache, dass es bei Neveldine/ Taylor nur zweitrangig um die Geschichte geht. Alles, was man wirklich wissen muss, wird zu Beginn in wenigen Worten erklärt, dann geht’s auch schon richtig zur Sache.

Es ist dennoch eine coole Idee, fast schon eine ernst zu nehmende Idee: Neveldine und Taylor zeichnen ein Bild vom Internet, das wir heute eigentlich schon fast bestätigen können: Sex und Gewalt sind ausschlaggebend für die Welt des Internets in „Gamer“. Versteckt in ihren Wohnungen erleben die User eine Realität, die tausendmal besser zu sein scheint als ihre eigene. Dass es dann auch eine Erweiterung des Spielvergnügens im Internet geben muss, ist dann auch irgendwie klar, oder??? Die Zukunft des Gaming ist wie die Wii, nur ohne Controller – stattdessen haben die Spielfiguren Nanoroboter im Hirn, die mit dem Spieler verbunden sind, so dass der seine Figur steuern kann. Missbrauch ist da vorprogrammiert und genau das ist es, was Erfinder Castle will: der Puppenspieler sein, der fast alle kontrolliert und damit allmächtig wird.

Michael C. Hall ist genial als fieser Bösewicht, als fieser Puppenspieler aber auch. Vor allem am Ende, wenn er seine Schergen erst einmal zu „I Got You Under My Skin“ steppen lässt, um sie dann auch Kable zu jagen. Gerald Butler darf sich hier mal wieder in seine Spartaner-Rolle einleben und morden, was das Zeug hält. Dennoch bleiben die Figuren – ähnlich wie bei „Crank“ und Co. doch eher etwas oberflächlich. Aber wer will schon gut gezeichnete Charaktere in einem Actionfilm??? Hauptsache, es knallt ordentlich.

Nach den „Crank“-Filmen hätte ich bei „Gamer“ dann aber doch irgendwie mehr erwartet. Die Vision einer Gesellschaft voll Internet- und Spielsüchtiger ist zwar nett anzuschauen, mehr aber auch nicht. Wenn ich Kritik sehen will, dann nehme ich mir doch lieber Arnis „Running Man“. „Gamer“ versucht – durch eine gute Idee – Gewalt zu verkaufen. Wer’s mag…

Wertung: 6 von 10 Punkten (nette Idee, die aber nicht weiter ausgebaut wird – sie muss der Action weichen und wird schon fast überflüssig)

9 Kommentare leave one →
  1. 19. Januar 2010 10:09

    Kommt mir bei dir fast noch eine Spur zu gut weg. Wenn Neveldine/Taylor keine Geschichte erzählen wollen ist das erst mal Ok (siehe „Crank“). Dann sollen sie dann aber bitte auch nicht einem Thema annehmen, für das sie dann vor lauter Krach-Schepper eh kein Auge haben.

    • donpozuelo permalink*
      19. Januar 2010 13:16

      Stimmt, ich bin bei diesem Film aber auch sehr zwiegespalten. Aber im Endeffekt hast du Recht: Das Thema geht im großen Knall unter, was echt schade ist. Hätte ein besserer Film sein können…

  2. 19. Januar 2010 13:36

    Ich war am Überlegen, den Film im Kino anzuschauen. Doch auch nach dieser Kritik warte ich lieber auf den DVD-Verleih.
    Unkomplizierte Action ist hin und wieder ja auch ganz erfrischend…

    • donpozuelo permalink*
      19. Januar 2010 13:45

      DVD ist wahrscheinlich eh besser – da kann man den Film im O-Ton sehen. Hätte ich „Gamer“ im O-Ton gesehen, hätte er mir vielleicht auch um einen Punkt besser gefallen können. Wer weiß…

      • 19. Januar 2010 16:14

        Also ein Kinobesuch weniger und ein Videothekbesuch mehr. ^^
        Das Grundprinzip erinnert wie der Film „Death Race“ (mit Jason Statham) an ein Revival der Gladiatorenkämpfe. Dass es in dem Film nur krachen wird, war ja schon im Trailer klar. Aber ein wenig mehr Story hätte ich dann doch vielleicht erwartet.

  3. donpozuelo permalink*
    19. Januar 2010 20:17

    Tja, das mit den Trailern ist immer so eine Sache, nicht wahr??? 🙂

  4. luzifel permalink
    20. Januar 2010 01:02

    Ich mochte den Film – hab ihn aber auch im O-Ton gesehen. Coole Schnitte, wirre und teils eklige Charaktere sowie massenweise Sex und Gewalt sind drin und machen den Streifen zu einem wie bereits erwähnten unkomplizierten Actionstreifen. Der Vergleich zu Death Race trifft gut, finde ich – beide sind moderne windschnittige Actionknaller.
    Ich würde sogar 7 von 10 geben, weil mir die Mischung aus Second Life und Running Man sehr gefallen hat..

    Grüße,
    Luzifel..

    • donpozuelo permalink*
      20. Januar 2010 08:14

      Mit den wirren und teils ekligen Charakteren kannst du aber nur die Nebenfiguren meinen, oder??? Den fetten User, der sich im Netz als heiße Braut ausgibt, zum Beispiel… da hast du dann vollkommen Recht.

      Aber von den Hauptfiguren fand ich wirklich nur Michael C. Hall als Castle wirklich erwähnenswert.

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