Zum Inhalt springen

Früher war alles besser

18. Januar 2010

Irgendwo in Amerika, irgendwo in einem Wald, irgendwann im 19. Jahrhundert – irgendwo versteckt liegt ein kleines Dorf mitten in einem Wald voller Gefahren. Um diesen Gefahren zu entgehen, haben die Dorfbewohner einen Pakt mit den „Unaussprechlichen“, die den Wald beherrschen: Solange es kein Dorfbewohner wagt, in den Wald zu gehen, kommen die Wesen nicht ins Dorf. Doch irgendwann wird der Pakt gebrochen.

Klingt nach einem B-Movie-Horrorstreifen, oder??? Betrachtet man allerdings die Namen der Schauspieler wird schnell deutlich, dass wir hier vom B-Movie eigentlich weit entfernt sein sollten: Joaquin Phoenix spielt einen stillen, jungen Burschen namens Lucius Hunt, Adrian Brody spielt den geistig behinderten Noah, der aus Eifersucht Lucius niedersticht. William Hurt spielt den Vater der blinden Ivy Walker (Bryce Dallas Howard, die Tochter von Regisseur Ron Howard in ihrer ersten Rolle) und Sigourney Weaver spielt die Mutter von Lucius Hunt. All diese formidablen Schauspieler (selbst in den Nebenrollen verstecken sich noch einige bekannte Gesichter) agieren unter der Regie von M. Night Shyamalan in seinem dritten Film „The Village“ nach dem großartigen „The Sixth Sense“.

„The Village“ möchte eine Mischung aus Drama, Romanze und Horror sein. Allerdings ist „The Village“ nicht wirklich gruselig und auch nicht sonderlich dramatisch. Dafür schafft es Shyamalan eine süße kleine Romanze aus dem Film zu machen, die dann zu einer großen Odyssee führt: Ivy liebt nämlich Lucius, weswegen der von Noah niedergestochen wird, woraufhin Ivy sich in die nächste Stadt aufmachen will, um Medikamente für Lucius zu besorgen. Das geht aber nur, wenn der Pakt gebrochen wird.

Shyamalan ist ja bekannt dafür, dass er Spannung aufbaut, indem die Auflösung des Films erst unmittelbar vorm Ende geliefert wird. In „The Sixth Sense“ war das der Hammer – aber auch nur, weil es die Geschichte wirklich gut möglich gemacht hat. In „Unbreakable“ war dieses Element irgendwie ein wenig überflüssig und in „The Village“ zerstört es mehr von der Romantik des Films und wirkt vollkommen fehl am Platz. Die Auflösung des großen Geheimnisses rund um das Dorf geschieht dieses Mal aber auch in zwei Schritten: unmittelbar bevor Ivy das Dorf verlässt, erfährt sie die Wahrheit hinter den „Unaussprechlichen“, und dann – nachdem sie den Wald durchquert hat – erfährt der Zuschauer das ganze Geheimnis des Dorfes (Ivy bleibt diese Auflösung erspart, weil sie blind ist). Nur im Fall von „The Village“ wirkt das Ende irgendwie ein wenig albern.

Echt schade, wenn man sich überlegt, dass viel in dem Film steckt, was durchaus sehenswert ist. Gerade den Anfang – das Dorfleben – fängt Shyamalan wunderbar romantisch ein. Damit wird gleichzeitig (im Hinblick auf die Auflösung) deutlich, warum die Dorfältesten so sehr darauf bedacht sind, Frieden im Dorf aufrecht zu erhalten. Da schwingt mit der Aufklärung des Films schon fast ein für Shyamalans Filme ungewöhnliches politisches Statement mit – ganz frei nach dem Motto der Überschrift: „Früher war alles besser.“

Im Großen und Ganzen gehört „The Village“ nicht zu den stärksten Filmen Shyamalans (eigentlich hatte er ja auch nur einen starken Film). Er hat seine Stärken – die Schauspieler-Riege, eine tolle Kamera-Führung, bei der auch wieder eher lange Einstellungen verwendet werden – und der Film hat seine Schwächen – die Auflösung und irgendwie hat mir Adrien Brody als geistig Behinderter nicht wirklich zugesagt. Nach „Unbreakable“ und „Signs“ zeigt sich in „The Village“ noch mehr, dass Shyamalan sein altes Filmkonzept überdenken sollte. Allerdings wurde es auch danach nicht wirklich besser.

Wertung: 6 von 10 Punkten (Rotkäppchen wäre wohl lieber durch diesen Wald gelaufen als dem bösen Wolf hinterher)

2 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    18. Januar 2010 14:15

    Interessant, dass du gerade „The Village“ heute rezensierst. Ich habe mich vorhin mit jemandem über die Globes unterhalten, wir kamen auf „Das weiße Band“ zu sprechen und haben verzweifelt versucht, uns aufgrund der verwirrenden Plotangaben irgendwie vorzustellen, wovon dieser Film eigentlich handelt. Letztendlich haben wir uns grinsend darauf einigen müssen, dass uns die Inhaltsangabe bestenfalls noch irgendwie an „The Village“ erinnert. 😉

    • donpozuelo permalink*
      18. Januar 2010 14:33

      „Das weiße Band“ klingt wirklich ein bisschen wie „The Village“. Leider habe ich den nicht gesehen. Allerdings scheint der Film besser zu sein als „The Village“. Immerhin wurde er mit der Goldenen Palme in Cannes ausgezeichnet.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: