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Held aus Versehen

13. Januar 2010

Wer den folgenden Film suchen will, muss schon ganz genau wissen, wonach er sucht: das englische Original läuft nämlich unter zwei Titel: einmal nur schlicht „Hero“ und dann wieder „Accidental Hero“. Da hat es sich der deutsche Verleiher einfach gemacht und begeht gleich einen schweren Fehler. Bei uns in Deutschland läuft der Film von Stephen Frears unter dem Titel: „Ein ganz normaler Held“ – aber wie kann denn ein Held einfach nur ganz normal sein??? Das macht überhaupt kein Sinn, zumal Frears Held in keinster Weise normal ist:

Bernie La Plante (Dustin Hoffman) ist ein hoffnungsloser Fall: er verdient sich sein Geld mit dem Verkauf geklauter Waren, Handtaschendiebstahl und gestohlenen Kreditkarten. Bernie ist dazu noch ein Misanthrop und Schwarzseher, der sich nur um sich selbst kümmert (daher auch die wütende Ex-Frau und der vernachlässigte Sohn). Doch Bernies Leben soll sich schlagartig ändern, als plötzlich unmittelbar vor ihm ein Flugzeug abstürzt. Etwas genervt macht Bernie sich trotzdem daran, den Menschen im Wrack zu helfen und rettet so 54 Menschen das Leben und verschwindet dann wieder, ohne das jemand weiß, wer er war. Die Reporterin Gale Gayley (Geena Davis), die ebenfalls in dem Flugzeug war, macht sich nun daran, die Identität des Helden herauszubekommen und stößt dabei auf John Bubber (Andy Garcia), der sich als vermeintlicher Retter präsentiert. Warum? Bubber trifft kurz nach Bernies Heldentat auf den verbitterten Mann, der ihm die Geschichte erzählt, wie er die Menschen rettete und dabei seinen Schuh verlor. Bernie schenkt Bubber den Schuh, der diesem wiederum dazu verhilft, sich als der Held erkennen zu geben, denn am Unfallort wurde Bernies zweiter Schuh gefunden und wurde – wie bei „Aschenputtel“ – dazu verwendet um den Helden zu finden.

Stephen Frears Film zeigt einen verzweifelten Bernie, der – in Aussicht auf Geld – nun verzweifelt versucht, Bubber als Schwindler zu entlarven, während Bubber mehr und mehr von Schuldgefühlen zerfressen wird. Schuld an allem ist aber Gale Gayley, die in „Ein ganz normaler Held“ stellvertretend für die sensationsgierigen Medien steht. Bubber wird mehr und mehr zum Helden gepusht. Amerika ist begeistert und feiert den Helden ausgiebig.

„Ein ganz normaler Held“ ist nicht einfach nur eine Geschichte über Bernie La Plante. Es ist mehr eine Geschichte darüber, wie heuchlerisch die Medien sind und wie leicht sie die Zuschauer beeinflussen können. Es wird alles getan, um Bubber zu einem Held werden zu lassen: Kriegsveteranen preisen Bubber, ein Film lässt Bubber „erneut“ zum Held werden und ein Besuch in einem Kinderkrankenhaus lässt den Schwindler dann auch noch wie einen Heiligen aussehen (nach seinem Besuch erwacht ein Kind aus dem Koma). All das muss der arme Bernie im Fernsehen mit ansehen. Seine verzweifelten Versuche, Bubber zu entlarven, scheitern an ihm selbst: Keiner traut es ihm zu, dass er jemals etwas Gutes für Menschen tun könnte.

Aber neben der ganzen Medienkritik ist „Ein ganz normaler Held“ vor allem ein genialer Dustin Hoffman-Film: der leicht nach vorn gebeugte Bernie, der selbst seine Anwältin im Gericht noch beklaut und ihr dann damit später alte Schulden bezahlt, ist bei weitem kein normaler Held. Er ist ein schmutziger, nörgelnder Krimineller, der selbst bei der Rettung der Passagiere noch daran denkt, eine prall gefüllte Handtasche aus dem Flugzeug zu klauen. Hoffmann gibt mal ganz und gar nicht den liebenswerten Saubermann und trotzdem hat man irgendwann Mitleid mit ihm. Und zum Glück sind diese Gefühle auch berechtigt, denn Bernie ändert sich – er erkennt, dass Bubber ein besserer „Medienheld“ ist als er, der besser mit den Menschen umgehen kann. Also was macht der Geläuterte? Etwas, dass ganz schnell deutlich macht, dass manche Menschen sich einfach nicht ändern.

Wertung: 9 von 10 Punkten („In jedem von uns steckt ein Held“ – nur in Bernie La Plante steckt ein etwas anderer)

2 Kommentare leave one →
  1. 13. Januar 2010 22:48

    Ich habe bisher einfach zu wenige Dustin Hoffman-Filme gesehen…

    • donpozuelo permalink*
      14. Januar 2010 07:07

      Na dann unbedingt nachholen. Bis jetzt gibt es eigentlich auch noch keinen wirklich schlechten Hoffman-Film, von daher ist die Auswahl groß 🙂

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