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Von einem, der nicht erwachsen werden wollte

12. Januar 2010

Johny Depp gehört für mich zu den ganz Großen Hollywoods– warum der gute Mann noch mit keinem Oscar gewürdigt wurde, ist mir ein echtes Rätsel. Wahrscheinlich wird er sich damit abfinden müssen, irgendwann den Ehren-Oscar für sein Lebenswerk zu bekommen. Und sein Lebenswerk kann sich ja echt sehen lassen. Ich meine, seine Rollen sind so unterschiedlich wie bei kaum einem anderen Schauspieler – sei es ein tuntiger Pirat, ein Absinth saufender Detektiv, ein verrückter Hutmacher, etc. Auch als Autor J. M. Barrie in Marc Fosters „Wenn Träume Fliegen lernen“ zeigt Depp, warum man ihn einfach mögen muss und warum nur er die Rolle des Peter Pan-Erfinders spielen konnte.

Theaterautor J. M. Barrie hat nur mäßigen Erfolg mit seinen Stücken und noch weniger Erfolg in seiner Ehe. Um in Ruhe an einem neuen Werk schreiben zu können, geht er in den Park, wo er auf die Witwe Sylvia Davies (Kate Winslet) und ihre vier Söhne trifft. Barrie und die Davies‘ freunden sich an und Barrie verbringt sehr viel Zeit mit der Familie, wobei er sich vor allem bei den Kindern durch seine Geschichten beliebt macht. Besonders Peter (Freddie Highmore) fordert den Schriftsteller heraus.

Marc Forster gelingt mit „Wenn Träume fliegen lernen“ ein bezaubernder und verführerischer Film. Verführerisch in der Hinsicht, dass man ihn immer wieder sehen möchte. Johnny Depp gibt hier hervorragend den Mann, der selbst noch ein Kind ist und durch die Familie Davies einen Weg findet, seiner eigenen Fantasie freien Lauf zu lassen. Zusammen mit Barrie und der Familie Davies ergründet der Film, wie „Peter Pan“ geschrieben wurde. In den Geschichten, die Barrie den Jungs erzählt, finden sich bereits altbekannte Gesichter wieder und finden am Ende ihre Vollendung in dem Theaterstück „Peter Pan“.

Immer wieder vermischt Forster Realität und Erzählung miteinander, lässt uns tiefer in die Fantasiewelt von J.M. Barrie eintauchen. Somit vergessen sowohl Zuschauer als auch Barrie, dass es noch eine Welt außerhalb von Nimmerland gibt.

„Wenn Träume fliegen lernen“ ist ein schön sentimentaler Film mit zauberhaften Schauspielern, die es fertig bringen, dass wir noch länger im Nimmerland bleiben wollen. Leider ist der Film irgendwann vorbei, das ein oder andere Taschentuch liegt neben einem und man erwacht langsam aus diesem Traum. Das Problem dabei ist nur: Das Kind in einem ist auch vollkommen wach und will weiter spielen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (fantasievoller, bezaubernder Film über einen Mann, der nicht erwachsen werden will)

10 Kommentare leave one →
  1. 12. Januar 2010 10:11

    YES!!!

    • donpozuelo permalink*
      12. Januar 2010 11:59

      … We Can! 🙂

      Endlich mal ein kurzer knapper Kommentar, der trotzdem alles sagt 🙂

  2. 12. Januar 2010 20:22

    Kann ich nur zustimmen. Johnny Depp hätte allein für diese Rolle schon 5 Oscars verdient 😉

    • donpozuelo permalink*
      12. Januar 2010 20:54

      Fünf ist vielleicht etwas übertrieben. Einer würde ja für den Anfang schon reichen 🙂

  3. Dr. Borstel permalink
    12. Januar 2010 20:36

    Den Film kenne ich leider noch nicht, möchte aber an dieser Stelle gerne hervorheben, dass ich Johnny Depp für den besten Schauspieler seiner Generation halte und ihn mit Vergnügen mit Filmpreisen überschütten würde, wenn ich könnte.

    (Ich bin sogar „Pirates of the Caribbean“-Fan, und du weißt ja, was ich sonst von inhaltlich dünnen Blockbustern halte …)

    • donpozuelo permalink*
      12. Januar 2010 20:56

      Stimmt. Ein Unikat seiner Zeit eigentlich… Irgendwann werden sie ihm den auch geben. Wie bei Scorsese werden irgendwann genug Stimmen laut, die sagen, jetzt muss es aber mal sein. Schade ist es dann nur, wenn es für einen nicht ganz so tollen Film ist (um beim Scorsese-Beispiel zu bleiben: „Departed“ war jetzt nicht der Beste seiner Filme)

      • donpozuelo permalink*
        12. Januar 2010 22:07

        Ich muss ja doch noch was zur „Pirates of the Caribbean“-Geschichte sagen: Teil 1 ja, der Rest ist für die Toilette…

      • Dr. Borstel permalink
        14. Januar 2010 17:36

        Nein. 😀

        Die Fortsetzungen sind auf andere Weise gut, aber mindestens genauso unterhaltsam wie der erste Teil. An der ein oder anderen Stelle vielleicht etwas übertrieben, aber mich hat das von Anfang an nicht gestört und tut es bis heute nicht.

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