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Alles nur Illusionen

7. Januar 2010

2006 kam ein Film heraus, den man hier bei uns kaum eines Blickes gewürdigt hat. Zeitgleich kam nämlich ein ähnlicher Film heraus, der nur wesentlich bessere Voraussetzungen mit sich brachte und es daher in unsere Kinos schaffte.

Das Problem: Bei beiden Filmen ging es um Zauberer, Illusionisten. Der Film mit den besseren Voraussetzungen bot Christopher Nolan („Batman“, „Memento“) hinter und Hugh Jackman, Christian Bale und Scarlett Johansson vor der Kamera. Da fällt es einem Film schwer, der einen eher unbekannten Regisseur (Neil Burger) vorweist und weniger Stars aufzubieten hat.

Die Rede ist von „The Prestige“ und „The Illusionist“. „The Illusionist“ spielt in Wien Anfang des 20. Jahrhunderts. Ein Magier mit dem schwungvollen Namen Eisenheim (Edward Norton) verzaubert nicht nur die Massen mit seinen Kunststücken, sondern auch die Verlobte des Kronprinzen Leopold (Rufus Sewell), Sophie von Teschen (Jessica Biel). Sophie und Eisenheim, der in Wirklichkeit Eduard heißt, kennen sich seit ihrer Jugend. Sie waren verliebt, doch wegen ihres Standes konnten sie nicht zusammen sein. Auch jetzt steht die Herkunft wieder zwischen den beiden, doch sie wollen sich nicht davon abhalten lassen. Dumm nur, dass sie aufmerksam von Chefinspektor Uhl (großartig: Paul Giamatti) beobachtet werden. Aber auch der kommt zu spät, als Sophie plötzlich tot aufgefunden wird – Uhl muss nun herausfinden, wer der Mörder ist.

Während es in „The Prestige“ um den Kampf zweier Magier um einen Zaubertrick und eine Frau geht, geht es bei „The Illusionist“ von Anfang an eigentlich nur um eine Frau. Dennoch ist der Film von Neil Burger schwer in eine Schublade zu packen: er beginnt als Romanze, wird zu einem Film über einen Underdog, der ganz groß rauskommt. Danach kommt Dramatik ins Spiel: zwei Männer kämpfen um eine Frau, was schlecht für die Frau endet und dazu führt, dass aus dem Drama eine Art Detektiv-Film wird, in der Paul Giamatti versucht herauszufinden, wer Schuld am Tod der jungen Frau ist.

„The Illusionist“ lässt seinen Zuschauer über vieles im Dunkeln, die quälendste Frage bleibt aber immer die gleiche: Was hat Eisenheim mit der ganzen Sache zu tun? Der Film führt immer wieder hinters Licht und verrät dann doch nichts handefestes. Umso schlimmer finde ich es da, dass der Film dann am Ende innerhalb von 5 Minuten und in einer kurzen Aneinanderreihung von Szenen alles aufklärt: Uhl steht am Bahnhof, hat einen kurzen Geistesblitz und durchschaut plötzlich alles. Ich finde solche Auflösungen im Allgemeinen nicht besonders wertvoll, wenn der gesamte Film doch recht spannend aufgebaut ist. Es wirkt irgendwie plump – wie der Fiesling aus den Bond-Filmen, der am Ende kurz seinen fiesen Plan offenbart, weil ja eh alles bald ein Ende zu haben scheint.

Und trotzdem kann ich allen „Prestige“-Liebhabern nur empfehlen: Gebt dem „Illusionisten“ auch mal eine Chance. Die Schauspieler-Riege ist durchweg toll, vor allem Sewell und Norton spielen sich immer wieder herrlich gegen einander aus. Einziger Wermutstropfen: die deutsche Synchronisation gibt Jessica Biel eine etwas merkwürdige Sprecherin, die meiner Meinung nach die ganze Figur etwas kaputt macht.

„The Illusionist“ bietet neben alldem eine tolle Optik – immerhin war Kameramann Dick Pope für den Oscar nominiert, verlor dann aber gegen Guillermo Navarro, der „Pan’s Labyrinth“ in Szene gesetzt hat.

Neil Burgers Zauberer-Film ist durchaus zu empfehlen, den eindeutig besseren hat aber trotzdem Christopher Nolan mit „The Prestige“ gemacht.

Wertung: 7 von 10 Punkten („The Prestige“ gewinnt gegen „The Illusionist“ – ist ja aber auch unfair – zwei Zauberer gegen einen)

10 Kommentare leave one →
  1. 7. Januar 2010 18:57

    „Prestige“ fand ich ja großartig. Den Illusionisten habe ich immer noch verpackt im DVD-Regal stehen. Bei nächster Gelegenheit wird er dann aber garantiert seine Chance bei mir bekommen!

    • donpozuelo permalink*
      7. Januar 2010 21:59

      Na, dann bin ich ja schon mal auf deine Einschätzung gespannt 🙂

      „The Prestige“ war wirklich großartig.

  2. Dr. Borstel permalink
    7. Januar 2010 22:36

    Herrlich synchron. 😉 Tja, dass der Film sich an „The Prestige“ messen musste und den Kürzeren ziehen würde, war abzusehen, denn den halte ich nach wie vor für Nolans bestes Werk und einen der besten Filme des Jahrzehnts. Aber wie du schon sagtest, selbst für die Hardcre-Prestige-Fans ist „The Illusionist“ trotzdem einen Blick wert.

    • donpozuelo permalink*
      7. Januar 2010 22:49

      Haha… die Diskussion, ob es Nolans bester Film ist, hatten wir, glaube ich schon. Mir persönlich gefällt ja „Memento“ immer noch am besten. Aber publikumswirksamer ist sicherlich schon „The Prestige“.

  3. luzifel permalink
    7. Januar 2010 23:04

    Der Illusionist ist tatsächlich ein schicker Film – nur meine tiefsitzende Ablehnung gegen Östereicher hat mir den Film verlitten. Die Auflösung am Schluss fand ich persönlich vielleicht zwar etwas unelegant aber so habe ich wenigstens den Film gerafft und war fasziniert wie sich alles ineinandergereiht hat.. Die 7 finde ich durchaus gerechtfertigt, auch wenn Österreicher drin sind.. 😉

    • donpozuelo permalink*
      8. Januar 2010 08:26

      Die Auflösung fand ich ja persönlich auch eher unspektakulär – dadurch ging viel von der „Detektivgeschichte“ des Uhl verloren.

      Und was Österreicher angeht… das hat mich jetzt wenig gestört, zumal es ja eh nur Amerikaner und Briten waren, die hier Österreicher gespielt haben. 🙂

      • Dr. Borstel permalink
        8. Januar 2010 14:30

        Die Auflösung hat mich jetzt auch nicht so überzeugt, muss ich sagen. Die beste Szene des Films war sowieso Eisensteins letzte Vorstellung, als er von Polizisten hatte verhaftet werden sollen … Du weißt, was ich meine? (Will ja nicht spoilern.)

  4. donpozuelo permalink*
    8. Januar 2010 16:10

    Ich weiß, was du meinst. Hast du auch vollkommen Recht.

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