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Pop-Prinzessin

4. Januar 2010

Nein, es geht jetzt hier nicht um Britney.

Und ja, man kann „Pop-Prinzessin“ in seiner doppelten Bedeutung verstehen, denn genau so eine Pop-Prinzessin ist Kirsten Dunst in Sofia Coppolas drittem Spielfilm „Marie Antoinette“. Aufklärung gefällig? Gut: Marie Antoinette (Dunst) ist österreichische Erzherzogin und wird im Jahr 1770 mit dem französischen Dauphin Louis-Auguste (Jason Schwartzman) vermählt. Die Heirat soll Frankreich und Österreich zu Partnern machen. Doch so richtig will das Ganze nicht funktionieren. Louis will von seiner Prinzessin im Bett nichts wissen, die wiederum wird ständig von ihrer Mutter angeregt, sie möge doch endlich ihren Pflichten nachkommen und einen Nachkommen gebären. Aber wo kein Sex ist, kann auch kein Nachkomme sein. Marie verzweifelt fast daran: egal wie sehr der König den Paar vor seiner ersten Nacht zusammen zuredet: „Viel Glück und gute Verrichtung!“

Einmal falsch und einmal echt - Marie Antoinette

Punkt 1 der Deutung von „Pop-Prinzessin“ sei damit geklärt – es ging tatsächlich nur um das eine. Punkt 2 wird klar, wenn man sich bewusst macht, dass Sofia Coppola nicht einfach nur einen biographischen Film über eine Prinzessin macht. Das wäre auch irgendwie langweilig und keiner würde den Film sehen – zumal wir von der Regisseurin von „Lost in Translation“ und „The Virgin Suicides“ schon etwas mehr erwarten. Also wird „Marie Antoinette“ kein einfacher Kostümfilm – nein, Kirsten Dunsts Prinzessin ist bunt, wild und wunderschön. Wenn sie sich nicht gerade Sorgen macht, lebt sie in Saus und Braus, kauft Schuhe ohne Ende, feiert Partys, isst, trinkt und hat Spaß an ihrem reichen Leben. Dann mutet Coppolas Film schon fast wieder einem MTV-Movie an, das sich gezielt einer jungen Zuschauerschaft unterordnet: schrille Farben, bunte Kostüme und schnelle Schnitte – in anderen Worten: einfach nur krass – Pop pur (was auch deutlich im Soundtrack mitschwingt).

Und dennoch enttäuscht Coppola mit diesem Film all diejenigen, die mehr erwartet haben: Der Film fängt durchaus interessant an, verliert sich dann aber in Ziellosigkeit. Das mag vielleicht dem Zeitgefühl des damaligen Adels durchaus entsprochen haben, wird aber für den Zuschauer schnell langweilig. Dunsts Marie Antoinette ist genauso oberflächlich wie der Rest des Adels und weiß zum größten Teil nicht, was sie sonst noch so machen könnte. Also wird philosophiert und gelustwandelt – allerdings will man sich sowas nicht 2 Stunden lang anschauen.

Allerdings – und hier könnte man versuchen, dem Film noch etwas Positives abzugewinnen – könnte das Ganze auch kaltes Kalkül der Regisseurin sein. Den Figuren in „Marie Antoinette“ mangelt es an Tiefe – sie bleiben oberflächlich, entwickeln sich nicht weiter. Ist das vielleicht so gewollt? Wenn man sich an den Geschichtsunterricht noch wage erinnert, dann mag man daran denken, dass der Adel des Absolutismus nur nach Pomp und Kitsch gestrebt hat. Größere Schlösser, schönere Gärten, mehr Reichtum, während das Volk hungerte. In diesem Sinne porträtiert Sofia Coppola die adlige Gesellschaft des Absolutismus durchaus passend.

Doch selbst wenn man so argumentiert, wird der Film dadurch nicht wirklich besser – zumal wir genau wissen, wie die Geschichte ausgeht (das Volk erhebt sich und jagt seine Adligen zum Teufel). Coppolas Porträt mag den Adligen aus der Zeit gut treffen, aber als Zuschauer will man auch etwas Unterhaltung. Man braucht wenigstens eine Figur, mit der man sich halbwegs identifizieren kann, um dem Film gespannt zu folgen. Marie Antoinette bietet nur denen eine Identifikationsmöglichkeit, die entweder:

  • A. selber in einer arrangierten Ehe stecken
    oder
  • B. die darauf stehen, Schuhe ohne Ende zu kaufen und ausgiebig Partys zu feiern.

Leider ist „Marie Antoinette“ kein geglückter Sofia Coppola-Film. Da bleibe ich lieber bei den Vorgängern, denn die sind wirklich gut.

Wertung: 4 von 10 Punkten (schrill, bunt und oberflächlich – muss man nicht gesehen haben)

6 Kommentare leave one →
  1. 4. Januar 2010 15:50

    Schade eigentlich, dass Sofia Coppola diesen Film abgeliefert hat. Manchmal macht eben schon das Thema einen Film kaputt…

    • donpozuelo permalink*
      4. Januar 2010 18:07

      Naja, es muss ja nicht unbedingt am Thema liegen. Man hätte über Marie Antoinette sicherlich auch einen interessanten Film drehen können – vielleicht auch nicht. Es kommt, glaube ich, immer darauf an, wie man sich einem Thema nähert.

      Dass Coppola so einen Film abliefert, ist daher wirklich Schade.

  2. 4. Januar 2010 18:53

    So aus dem Repertoire von Coppola heraus ist der Film durchaus interessant. Im Grunde hat sie ja in allen Filmen immer dieselben Themen. Emanzipation, Befreiung, Sinnsuche. Mit viel Lethargie. Die Historien-Einbettung von Marie Antoinette ist hier mal ziemlich radikal, hat mich am Anfang auch etwas verstört, aber spätestens als die Chucks (!) im Schuhstappel kurz aufgetaucht sind, fand ich ihn witzig. Der Film ist halt für Mädchen im Jugendalter. Adoleszenz. Punkt. 😉

    • donpozuelo permalink*
      4. Januar 2010 19:06

      Stimmt, jetzt wo du es sagst, merke ich es auch: Die Themen sind immer gleich. Allerdings finde ich es interessant, dass dich der Anfang verstört hat und es dann besser wurde. Bei mir war es genau andersrum: ich fand den Anfang genial und zum Ende hin wurde es mir zu langweilig.

      Es ist halt tatsächlich ein Pop-Prinzesschen-Film 🙂

      • 5. Januar 2010 02:03

        Mir gefallen eigentlich Kostümfilme. Anfangs fand ich aber die Musikauswahl total irritierend, seichte Gitarrenpop und die modernen Triphop / Ambiente Klänge. Ist halt ein kalkulierter Stilbruch. Im zweiten Drittel fehlen mir leider ein paar Minuten, da ich zu spät wegen der Werbung zurückgeschalten hatte. 😉 Aber: Das Ende hatte für mich zum ersten Mal so etwas wie Dramatik, als das Haus belagert wurde. Und fand ich auch spannend.

        Kirsten Dunst ist eigentlich auch ganz okay. Wobei das halt genau ihre Rolle ist, die sie auch in allen anderen Filmen spielt. Mhm… wenn ich mal alle Sofia Coppola Filme der Reihe nach anschaue, dann definitiv mit diesem. Ansonsten okay, muss man nicht. 😉

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