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Die Gebrüder Jake und Will

28. Dezember 2009

Allein dafür sollte man Terry Gilliam schon ohrfeigen – den großen deutschen Märchenerzählern und Sprachwissenschaftlern englische Kurznamen zu geben. Aber so ist es nun mal in seinem Film „The Brothers Grimm“. Und es wird noch schlimmer: Gilliam stellt unsere Brüder auch noch als Scharlatane dar: Jake „Jakob“ Grimm (Heath Ledger) und Will „Wilhelm“ Grimm (Matt Damon) erfinden unheimliche Monster und Geister, um anschließend dafür bezahlt zu werden, diese wieder zu vertreiben. Bis sie irgendwann auf echte Geister stoßen: denn im Wald von Marbaden verschwinden immer wieder Kinder und die Brüder Grimm sollen herausfinden, wer Schuld daran ist.

Von Terry Gilliam erwartet man schon einiges, aber wenn man dann noch so ein Leinwand-Pärchen wie Matt Damon und Heath Ledger dazu bekommt, dann möchte man vollkommen unterhalten werden. Aber die Unterhaltung ist bei „Brothers Grimm“ so falsch wie ihre anfänglichen Märchenstücke.

Die Geschichte lässt mehr als nur zu wünschen übrig. Von Charakterentwicklung sieht man gleich ganz ab. Die fünf Minuten vor dem Vorspann müssen dem Zuschauer reichen, um deutlich zu machen, wer wer bei den Brüdern ist: Jakob ist der „Verträumtere“ von beiden, verkauft er doch eine Kuh für Zauberbohnen. Mehr Tiefe erhalten die Figuren im Laufe des Films nicht. Ledger und Damon blödeln sich durch Gilliams Märchendeutschland, können den Film aber auch nicht sonderlich bereichern. Höchstens der Auftritt von Monica Bellucci als böse Königin bietet noch etwas für die Augen.

Auch die Effekte helfen dem Film nicht wirklich weiter. Teilweise erkennt man zu sehr, was am Computer entstanden ist – vor allem die wandernden Bäume oder die kleinen Krabbelkäfer. Die normalerweise spannenden Welten eines Terry Gilliams (wie aus „Brazil“ oder „Ritter der Kokosnuss“) kann man hier vergebens suchen – genauso wie den Humor des alten Monty Python-Veteranen. Einzig und allein das Aufspüren der verschiedenen Märchen macht den Film noch etwas spannend – so gibt hier von Rotkäppchen über den Froschkönig bis zu Aschenputtel und Rapunzel viele Spekulationen darüber, wie die Brüder Grimm wirklich zu ihren Märchen gekommen sind.

„Brothers Grimm“ ist kein typischer Gilliam-Film. Aber wer weiß, vielleicht hat der gute Terry nach dem Scheitern seiner „Don Quijote“-Verfilmung verzweifelt versucht, an alte Erfolge anzuschließen. Oft wird aber auch behauptet, dass die Produzenten sich viel in Gilliams Pläne eingemischt haben sollten.

Nach diesem Film kann man nur beten, dass Terry Gilliams nächster Film – der von vielen heiß erwartete Film „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ wieder die altgewohnte Verspieltheit und den Einfallsreichtum von Gilliam zu Tage bringt. Selbst wenn nicht – allein die Besetzung verspricht dem Film schon jetzt volle Kinokassen – nicht zuletzt wegen Ledgers letzter Rolle vor seinem Tod (und die Tatsache, dass sein Tod dazu führte, dass sowohl Johnny Depp, Jude Law und Colin Farrell für ihn einsprangen – allein diese Umsetzung verspricht schon spannend zu werden). Bis Januar müssen wir da aber noch drauf warten.

Wertung: 4 von 10 Punkten (nicht sehr märchenhaft, diese Brüder Grimm)

8 Kommentare leave one →
  1. 28. Dezember 2009 18:54

    Also „Das Kabinett des Dr. Parnassus“ werde ich ganz sicher nächstes Jahr gucken. Aber für die Gebrüder Grimm werde ich wohl weiterhin höchstens auf deren Märchen zurückgreifen.

    • donpozuelo permalink*
      28. Dezember 2009 21:10

      Ein guter Vorsatz 🙂
      Genau richtig…

  2. 29. Dezember 2009 12:18

    Hm, „Brothers Grimm“ ist mit Sicherheit kein großer Wurf, ich finde ihn aber dennoch ganz in Ordnung.

    • donpozuelo permalink*
      29. Dezember 2009 16:55

      Naja… wenn ich mit weniger Erwartungen rangegangen wäre, hätte ich ihn sicherlich besser gefunden. Aber ich las nur „Terry Gilliam“ und dachte automatisch: witzige, fantasievolle und etwas schräge Unterhaltung. Das hat leider nicht ganz soooo funktioniert…

  3. Dr. Borstel permalink
    30. Dezember 2009 16:11

    Ich habe ihn mir aufgrund der miesen Kritiken gar nicht erst angeschaut …

  4. 30. Dezember 2009 22:39

    Habe den Film gesehen, als er das erste Mal im „Free-TV“ kam. Zumindest bis zur ersten Werbung -was im Privatfernsehen ja nicht sehr lange dauert -, danach habe ich vollkommen enttäuscht abgeschalten. -.-

    Zum neuen Film: bin gespannt, wie er wird, denn die Besetzung verspricht ja wirklich einiges und die Story scheint ja total abgedreht.^^
    Allerdings bin ich auch gespannt, wann der nächste „letzte“ Film von Heath Ledger in die Kinos kommt. o.o

    • donpozuelo permalink*
      31. Dezember 2009 07:11

      „Allerdings bin ich auch gespannt, wann der nächste „letzte“ Film von Heath Ledger in die Kinos kommt“ 🙂 wir werden sehen 🙂 (Aber warte nicht zu lange)

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