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Schwarzer Falke

27. Dezember 2009

Hollywoods „Schwarze Serie“ wird im Jahr 1941 eingeleitet. Von da an war der Film noir ein fester Bestandteil der Hollywood-Produktionen. Der möglicherweise allererste Film noir ist John Hustons „Die Spur des Falken“ („The Maltese Falcon“). Inwieweit es nun wirklich der allererste ist, ist für manche noch strittig.

„Die Spur des Falken“ erzählt die Geschichte von Sam Spade (Humphrey Bogart), der von der zusammen mit seinem Partner Miles Archer eine Detektei betreibt. Bei einem Beschattungsauftrag wird Spades Partner und der Beschattete ermordet. Spade gerät plötzlich selbst unter Mordverdacht, weil er etwas mit Archers Frau zu schaffen hatte. Um seinen Namen rein zu waschen, muss Spade die genauen Hintergründe von der Auftraggeberin Brigid O’Shaughnessy (Mary Astor) erforschen. Dabei stößt er auf die zwielichtige Gestalt von Kasper Gutman (Sydney Greenstreet), der – genau wie Brigid – hinter einer geheimnisvollen Statue her ist – dem Malteser Falken:

Die Detektivgeschichten der Schwarzen Serie scheinen fast ausschließlich von zwei Autoren zu stammen: Dashiell Hammond und Raymond Chandler. Beim „Falken“ steht Hammonds Buch Pate und verhilft dem bis dahin sehr erfolgreichen Drehbuchautoren John Huston zu einem erfolgreichen Spielfilm-Debüt. Alles, was der Film noir braucht, findet man in „Die Spur des Falken“ wieder:

  • Der Detektiv, der sich nicht sicher sein kann, wem er trauen soll – außer sich selbst. Humphrey Bogart ist wie geschaffen für den Spade: zynisch, missmutig und gewitzt. Anfangs ist die Figur des Spades sogar relativ unsympathisch – immerhin hintergeht er seinen Partner, aber diese Thematik wird relativ schnell vom Film bei Seite geschoben. Denn je mehr Spade in die Verwicklungen von Gutmann und O’Shaughnessy verstrickt wird, desto mehr Sympathie baut der Zuschauer für den armen Detektiv auf.
  • Die fremde Schönheit, der man sowieso nicht trauen sollte. Da sich der Detektiv aber in sie verliebt, sorgt sie immer dafür, dass er in Schwierigkeiten gerät.
  • Zwielichtige Gestalten, zwielichtige Straßen, zwielichtige Angelegenheiten – immerhin heißt es ja nicht umsonst „Die Schwarze Serie“, wenn nicht auch die Thematik und die Umsetzung der Filme in einem eher unbeleuchteten Milieu stattfinden würde.

Und obwohl „Die Spur des Falken“ der Erstling der Schwarzen Serie ist, hat er mich nicht vollständig überzeugt. Vielleicht liegt es daran, dass der Film sich zu sehr auf einige Räumlichkeiten beschränkt. Dadurch gibt es für den Zuschauer keinerlei Ablenkungen – wichtig ist hier nur Sam Spade. Die Kamera verlässt Bogart so gut wie nie. Alles wird aus seiner Sicht erzählt, er ist die Hauptfigur und der Zuschauer weiß immer gerade mal so viel wie der Held.

Aber Bogart allein kann den Film nicht retten. „Die Spur des Falken“ wird zu einem etwas schwerfälligen Theaterstück, bei dem nur die Räume, aber nie die Personen gewechselt werden.  Meistens stehen oder sitzen diese in einem Zimmer und reden und reden und reden. Es fehlt dem Film ein wenig Dynamik und Abwechslung, nicht aber Spannung. Spannend ist der Film allein schon dadurch, dass man nie genau weiß, wer welches Motiv hat. Spannend ist der Film auch deswegen, weil die eigentliche Hauptfigur des Films – der Malteser Falken – lange auf seinen Auftritt warten lässt. Dadurch fragt man sich mehr und mehr, was dieses Ding eigentlich so besonderes, dass dafür so viele Opfer gebracht werden.

Hustons Film hat den Film noir ins Rollen gebracht – er führt die wichtigsten Elemente ein – überzeugen kann er nicht zu hundert Prozent. Da muss ich ganz ehrlich sagen, hat mir „Tote schlafen fest“ von Howard Hawks wesentlich besser gefallen – auch wenn dieser sehr viel schwerer nachzuvollziehen war als „Die Spur des Falken“, in dem der Bösewicht am Ende den ganzen perfiden Plan aufklärt.

Wertung: 7 von 10 Punkten (der Prototyp des Film noir)

3 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    27. Dezember 2009 21:10

    Läuft am 7. Januar auf Arte. Ich hatte in mir schon mal vorgemerkt, weil die Story mir ziemlich interessant vorkam, auch wenn du ja nicht unbedingt enthusiastisch klingst. Aber mit 7/10 kann ich wohl noch leben. 😀

    • donpozuelo permalink*
      27. Dezember 2009 22:24

      Nein, ich wollte auch niemanden davon abhalten, diesen Film zu sehen. Immerhin gilt er ja als Begründer der „Schwarzen Serie“. Nur wenn man einige Nachfolger kennt, dann weiß man, dass es noch getoppt werden kann.

      Also bitte ruhig gucken 🙂

Trackbacks

  1. TFB I: Agent Gaga | Going To The Movies

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