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Auf nach Pandora

20. Dezember 2009

Dieser Film war schon ein Meisterwerk, bevor er überhaupt fertig war und noch bevor ihn irgend jemand gesehen hatte. Aber vom Macher von „Terminator“, „Aliens“, „The Abyss“ und „Titanic“ erwartete man auch nichts anderes.

Mit „Titanic“ wuchsen die Anforderungen an James Cameron ins Unermessliche. Daher kann man es eigentlich nur als cleveren Coup bezeichnen, dass er kurz darauf – als „König der Welt“ – von der Bildfläche verschwand und sich lieber unter Wasser damit beschäftigte, Dokumentarfilme zu drehen. Doch irgendwann muss jeder mal wieder an die Oberfläche und nach 12 Jahren Spielfilm-Abstinenz ist endlich wieder ein Cameron-Film im Kino zu sehen: „Avatar – Aufbruch nach Pandora“.

Vorab gab es für die Kritiker nur 20 Minuten zu sehen, fürs Kino-Publikum blieb nur ein kurzer Trailer übrig, der einige aufregende Bilder in schneller Abfolge aufblitzen ließ. Alles was dem gewillten Zuschauer blieb, waren die Ausrufe der Medien, dieser Film sei ein Meisterwerk, ein Meilenstein in der Kinogeschichte.

Zum Glück für Cameron ist er das auch. Ich habe die ersten anderthalb Stunden mit offenem Mund im Kino gesessen. Die Welt von Pandora ist atemberaubend schön – allein die Vorstellung, dass diese magische Welt, in der alles miteinander verbunden ist, allein am Computer entstanden ist, haut einen schon vom Stuhl. Cameron beweist hier einen faszinierend Einfallsreichtum: die Pflanzen und Tiere Pandoras sind unheimlich fantasievoll und wunderschön in Szene gesetzt.  Aber natürlich ist „Avatar“ kein Naturfilm, in erster Linie ist „Avatar“ eine Zelebration des 3D. Extra für diesen Film ließ Cameron neue Techniken entwickeln, um sein selbstgeschriebenes Meisterwerk zu drehen – und es wirkt. An dieser Stelle kann ich allen nur empfehlen, diesen Film unbedingt in 3D zu schauen (auch wenn die Karten dafür noch unverschämt teuer sind).

„Avatar“ ist wirklich ein Meilenstein, aber… ja, es gibt bei „Avatar“ auch ein „Aber…“.

Die Geschichte von „Avatar“ ist stark abhängig von der Technik. Vielleicht zu stark. Dabei will ich nicht sagen, dass die Geschichte komplett lahm ist – sie ist aber leider komplett vorhersehbar: Der Mensch kommt nach Pandora aus dem einzigen Grund, warum Menschen irgendwo hin expandieren: sie brauchen Rohstoffe. In klassischer imperialistischer Manier wird erst versucht, sich mit den Eingeborenen – den Na‘vi – friedlich zu einigen. Diese wollen aber keine Schulen, keine Straßen, keinen „Wohlstand“ der Menschen – sie wollen einfach nur in Frieden leben. Was macht also der Mensch? Er holt sich eine kleine Armee nach Pandora und versucht, die Eingeborenen auf andere Weise zu „überreden“. Unter diesen Soldaten ist auch Jake Sully, der in einem Programm mitarbeitet, bei dem er einen „Avatar“ steuert – einen Na’vi. Damit soll er die Eingeborenen studieren. Aber erst unter den Eingeborenen (unter dem Einfluss auch der Liebe) erkennt Sully die wahre Schönheit von Pandora und stellt sich gegen seine Auftraggeber.

Das ist die grobe Geschichte von „Avatar“ – eine Geschichte, die man so aus einigen anderen Filmen schon kennt (im Vorfeld hörte man immer wieder was von „Der mit dem Wolf tanzt“ und ein wenig stimmt das auch). Für die erste Zeit macht das aber nichts aus. Die Story fesselt einen, aber wie ich finde liegt das nur daran, weil die Kulisse fesselt. Jake Sully lernt die Na’vi und Pandora kennen und wir mit ihm. Genau wie er entdecken wir eine faszinierende Landschaft mit den merkwürdigsten Pflanzen und Tieren – dabei kann man dann auch vergessen, dass die Geschichte etwas lahmt. Aber für mich brach irgendwann die „Fesselungskurve“ ab – und zwar dann, wenn es nicht mehr um Pandora direkt geht. Ab einem Zeitpunkt beginnt der Krieg auf Pandora und das, was vorher wunderschön war, wird fast komplett zerstört.

Cameron zeigt mal wieder, dass er Action und Drama gut in einen Film zusammenbringen kann: die Luftschlachten – Mensch gegen Na’vi – sind aufregend. Technik kämpft gegen Pfeil und Bogen, Gier kämpft gegen Willen. Das alles ist wirklich toll, aber nimmt der Geschichte etwas von der Spannung, was vor allem daran liegt, dass „Avatar“ hier so vorhersehbar wird wie nie. Anfangs fällt einem das nicht so auf, weil man einfach von der neuen Welt fasziniert ist, aber sobald der Fokus von dieser neuen Welt weggeht und sich auf die Schlachten konzentriert, erwacht man irgendwie wie aus einem Tiefschlaf: Ich wollte unbedingt weiter zusammen mit Jake durch die Wälder Pandoras streifen, musste mich aber erst durch Schlachten quälen.

Technisch gesehen ist „Avatar“ der Meilenstein, für den man ihn von Anfang an gehalten hat. Die Arbeit, die hinter diesem Projekt steckt, kann man sich wahrscheinlich gar nicht vorstellen, aber es hat sich echt gelohnt. Man merkt es dem Film nicht an, dass wohl mindestens 60 % davon, den irren Rechenwegen eines Computers entspringen. Pandora ist eine wunderschöne Welt, die Cameron in wunderschönen Farben und Lichtern erstrahlen lässt. Dass Cameron vor diesem Film Dokumentationen gedreht hat, merkt man am Anfang von „Avatar“ sehr.

Story-technisch gesehen hingt „Avatar“ aber sehr. In allen Fällen vorhersehbar präsentiert uns der Film Figuren, von denen wir schon beim ersten Anblick wissen, wie sie agieren werden. Die Konstellation ist simpel gestrickt und stereotypisch: der Wandel des Soldaten zum Guten, die Aufnahme in das Volk der Eingeborenen, die gierigen Militärs, die nicht mit sich reden lassen. Teilweise werden diese Mankos der Geschichte durch die Kulisse überdeckt, aber halt nicht immer. Aber gut, „Avatar“ ist nun mal ein Technik-Film, der eine Story braucht, um seine neuesten technischen Errungenschaften gut in Szene zu setzen – und das funktioniert voll und ganz.

Ich kann nur empfehlen: Schaut euch „Avatar“ unbedingt im Kino an und da am besten noch in 3D. „Avatar“ fegt euch dann nämlich voll vom Stuhl. Eine bezaubernd schöne Welt erwartet euch, in der man auf ewig verweilen möchte.

Wertung: 8 von 10 Punkten (+2 Zusatzpunkte für die Kulisse, die Bilder von Pandora hätte ich mir noch Stundenlang angucken können – ein wirklich großer Film mit etwas kleiner Story)

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16 Kommentare leave one →
  1. 20. Dezember 2009 12:20

    auch wenn die Karten dafür noch unverschämt teuer sind

    Oh ja, insgesamt 14 Euro bei uns in Hannover.

    In der Sache gebe ich dir vollständig Recht. Optisch bombastisch, Story: naja. Aber wie ich schon bei mir geschrieben habe: Davon sollte man sich nicht täuschen lassen. Als ob „Terminator“ oder „Titanic“ sich durch clever konstruierte und tiefschürfende Geschichten aussgzeichnet hätten. Und das wichtigste gelingt Cameron (abseits der visuellen Wucht) ja außerdem auch: Mag der Plot noch so simpel gestrickt sein, es gelingt ihm beim Zuschauer Emphatie für seine Figuren zu wecken. Und das ist schon eimal viel wert.

    • donpozuelo permalink*
      20. Dezember 2009 12:27

      Wir haben 13 Euro bezahlt – 12 das Ticket und 1 Euro die Brille…

      Natürlich sollte man sich nicht von der Story täuschen lassen. Und auch die Empathie-Geschichte stimmt alles. Trotzdem war für mich am Ende so ein kleiner Bruch drin, einfach weil die optische Komponente nach und nach in Flammen aufging…

  2. luzifel permalink
    21. Dezember 2009 14:42

    Also was die Technik und die wundervollen Bilder von Pandora angeht, muss ich dem Artikel auf jeden Fall zustimmen – die sind einfach brilliant und supersehenswert. All die Lichteffekte und das Design von Pflanzen und Tieren ist toll.

    Allerdings ist die Story wirklich.. naja.. altbacken und flach. Keine der Szenen hat man vorher so nicht irgendwo anders mal gesehen wenn es später an die typische „der Auserwählte rettet XY“-Szenen kommt. Natürlich sind die Bilder und Kameraaufnahmen dabei wieder supertoll aber innovativ ist echt anders ^^

    Die 6 Punkte mit den 2 Bonuspunkten kann ich unterstützen. Sehenswert ist der Film allerdings tatsächlich nur wegen den großartigen Bildern in 3D!

    Grüße, Luzifel..

    • donpozuelo permalink*
      21. Dezember 2009 19:18

      Ich habe 8 Punkte gegeben 🙂

      Und das mit der Story hat C.H. oben ja schon gut beschrieben: trotz flacher Story ein guter Film. Ich schreibe ja schließlich auch, dass die Story ein wenig von der Technik abhängig gemacht wird – und für die Darstellung der Technik ist die Story ausreichend. Viel mehr würde wahrscheinlich sogar eher ablenken 🙂

  3. 28. Dezember 2009 19:14

    „Titanic“ hatte ja nun auch keine wirklich ausgefeilte Geschichte. Aber Cameron kann diese eben wie kein zweiter verpacken, in dem Fall sogar in 3-D.
    Klar die Welt ist bombastisch, 3-D ist umwerfend. Aber ich hoffe, dass dieser Film keine Revolution für das Kino ist. Dafür bietet er zu wenig Tiefe und die Technik und Optik sollten das Kino nicht noch mehr bestimmen als ohnehin schon.

    • donpozuelo permalink*
      28. Dezember 2009 21:09

      Nun ja, ich glaube, die Hoffnung musst du aufgeben. Ich kenne mich zwar mit der Technik nicht so gut aus, aber rein von der technischen Perspektive betrachtet, ist „Avatar“ schon eine Kino-Revolution.

      Natürlich sollten Technik und Optik nicht so sehr den Film beeinflussen wie bei „Avatar“. Aber es muss immer einen Anfang geben und den hat Cameron – glaube ich – sehr erfolgreich gemacht.

  4. Doña Pozole permalink
    10. März 2010 10:48

    🙂 Zur Story noch watt schönes …

    … und summe dabei „Das ist alles nur geklaut lalalala“ 🙂

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