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United States of Zombieland

11. Dezember 2009

Ich muss gleich vorweg gestehen, dass ich „Shaun of the Dead“ nie vollständig gesehen habe, daher kann ich keine Vergleiche ziehen. Das ist aber auch eigentlich nicht notwendig, denn Ruben Fleischers „Zombieland“ ist eine Marke für sich.

Der Film spielt in einem Amerika, das (aus welchem Grund genau wird uns verschwiegen) nur noch von Zombies bewohnt. Nur noch von Zombies? Nein, denn eine kleine Gruppe Überlebender leistet weiterhin Widerstand und kämpft sich erfolgreich durch die Horden von Zombies. Da hätten wir unter anderem Columbus (Jesse Eisenberg), den Erzähler des Films, Tallahassee (Woody Harrelson), einen schießwütigen Draufgänger mit Herz, der verzweifelt auf der Suche nach dem letzten Twinkie (eine amerikanische Süßigkeit – für alle die es nicht wissen) ist sowie die Schwestern Wichita (Emma Stone) und Little Rock (Abigail „Little Miss Sunshine“ Breslin), die auf der Suche nach Pacific Playland sind, dem angeblich letzten Zombie freien Platz.

„Zombieland“ scheint fast schon von genervten Horrorfilmfreunden für genervte Horrorfilmfreunde zu sein. Warum? Columbus führt eine Art Liste mit den wichtigsten Regeln zum Überleben – und wenn man diese Regeln hört und genau weiß, dass sie in jedem Horrorstreifen gebrochen werden, dann will man nur zur Leinwand rufen: „Genau das habe ich doch immer gesagt! Endlich!“ Dennoch kann auch „Zombieland“ auch klassischen Stereotype verzichten: die heiße „Amazone“ (Wichita) und der verrückte Draufgänger (Tallahassee). Columbus ist eher der klassische Nerd, der eigentlich in jedem Film nur den Sidekick spielen darf – hier aber darf er sein Nerd-Wissen zum Besten geben.

Für alle die glauben, es könnte sich bei „Zombieland“ nur um eine blöde Zombie-Verarsche handeln – nun, die kann ich beruhigen, es ist für alle was dabei: der Film überzeugt mit sehr „lebhaften“ Splatter-Momenten, die für eine FSK 16 ganz schön „krass“ gestaltet sind. Aber, wird sich die FSK gedacht haben, anstatt sich zu ekeln, fängt man ja eh gleich wieder an zu lachen, also reicht auf FSK 16. „Zombieland“ rechtfertigt sich damit also vor allem dadurch, tatsächlich mehr eine sehr witzige Komödie als ein mittelmäßiger Zombiefilm zu sein. Die Zombiesachen haben wir alle schon gesehen, die Komödie drum herum noch nicht. Und beim Komischen haben sich die Macher von „Zombieland“ einiges einfallen lassen:

  • Ohne viel zu viel zu verraten: Es gibt einen sehr, sehr, sehr, sehr schönen Auftritt von Bill Murray als er selbst (allein dafür lohnt sich der Film schon).
  • Vor allem Woody Harrelson hat sauviel Spaß mit seiner Rolle gehabt und das merkt man ihm an: große Autos, große Waffen und zwischendurch zeigt er doch immer wieder, was für ein weicher Kerl er doch ist. Beispiel: „Das letzte Mal habe ich so bei ‚Titanic‘ geheult.“
  • Damit soll auch gezeigt werden, dass sich „Zombieland“ für die vielen kleinen, feinen Neurosen seiner Figuren Zeit nimmt, so dass man auch dann noch herrlich lachen kann, wenn gerade mal keine Zombies vor Ort sind.
  • Das absurde Finale auf dem Rummelplatz erinnert an einen Zombie-Ego-Shooter. Frei nach dem Motto „Nutze deine Umgebung“ wird hier alles zum Zombie-Killen missbraucht.

„Zombieland“ überzeugt wirklich von der ersten Minute an. Allein den Vorspann – Zombies jagen in Zeitlupe Menschen und dazu wird Metallicas „For Whom The Bell Tolls“ gespielt – hätte ich mir noch länger anschauen können. Immer wieder belehrt uns Columbus, die wichtigsten Regeln einzuhalten. Und zwischen all den Splatter-Szenen schafft es „Zombieland“ auch Komik in die normalen Situationen zu bringen. Das Vierer-Kommando überzeugt in diesem Zombie-Road-Movie, dass zudem noch einen klasse Soundtrack vorzuweisen weiß.

Endlich mal wieder ein Film, der seine Vorversprechen halten kann. Wer’s blutig mag, wird ihn mögen. Wer’s komisch mag, wird ihn auch mögen. Die Witze sind hier genau so vielfältig wie die freilaufenden Zombies und treffen immer ins Schwarze. Ein Hoch auf „Zombieland“ – man muss es einfach besuchen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (Zombies are coming – start laughing)

8 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    11. Dezember 2009 20:38

    Wow, hätte ich nicht gedacht, dass der Film so gut wegkommt. Hm, dann wäre er wohl doch eine Überlegung wert …

    „Ich muss gleich vorweg gestehen, dass ich „Shaun of the Dead“ nie vollständig gesehen habe, daher kann ich keine Vergleiche ziehen.“ – Bitte nachholen, es lohnt. 😉

    • donpozuelo permalink*
      11. Dezember 2009 21:13

      Doch, der Film ist wirklich sehr, sehr gut… und sie machen mit Bill Murray einen herrlichen Seitenverweis auf „Ghostbusters“. Allein schon dafür lohnt sich der Film…

      „Shaun of the Dead“ werde ich echt mal vormerken… ist ja schließlich bald Weihnachten 🙂

  2. luzifel permalink
    12. Dezember 2009 11:24

    Da kann ich mich nur anschließen – Zombieland ist unglaublich geil und extrem unterhaltsam. Mein Favorit war ja, dass immer die Überlebensregeln eingeblendet wurden, wenn sie Anwendung fanden – superwitzig ^^

    • donpozuelo permalink*
      12. Dezember 2009 22:06

      Das stimmt, aber wieso kommentiert keiner den Auftritt von Bill Murray??? Best ever…

      • luzifel permalink
        13. Dezember 2009 13:38

        Zu Bill Murrays Auftritt kann man nichts sagen, da er einfach nur geil ist. Alle Szenen in der Murray-Villa sind einfach nur göttlich und überwiegend superwitzig.. Was soll man denn da noch zu deiner Rezi ergänzen?

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