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Der koreanische Sherlock Holmes

9. Dezember 2009

Seit einiger Zeit schon geistert der vielversprechend aussehende Trailer von Guy Ritchies Sherlock Holmes-Verfilmung durch das Internet und die Kinos. Der Streifen mit Robert Downey Jr. und Jude Law scheint interessant zu werden. Natürlich steigert das die Erwartungen um so mehr. Für mich gehen diese Erwartungen nun noch höher, nachdem ich den Film „Private Eye“ vom koreanischen Regisseur Dae-min Park gesehen habe.

Wir befinden uns in Seoul im Jahr 1910. Jin-ho (Jeong-min Hwang) streift durch die Stadt und beschattet für betrogene Ehemänner deren Frauen. Alles was für Jin-ho zählt, ist das Geld, das er dadurch bekommt, denn er will Korea verlassen und nach Amerika reisen. Da kommt es scheinbar wie gerufen, als plötzlich der junge Arzt Gwang-soo (Deok-hwang Ryu) bei ihm auftaucht: Gwang-soo hat im Wald eine Leiche gefunden – den Sohn von Seouls einflussreichstem Mann. Der junge Arzt heuert Jin-ho an, den Mörder zu finden, denn Gang-soo hat die Leiche für seine Studien bereits gründlich auseinander genommen und fürchtet nun, man könne ihn als Mörder ansehen. Widerwillig nimmt Jin-ho an und als plötzlich eine zweite Leiche auftaucht, die genau wie die erste ermordet wurde, müssen die beiden „Detektive“ erkennen, dass sie etwas sehr viel größerem auf der Spur sind als nur einem Mörder.

An seinen besten Stellen erinnert „Private Eye“ an eine Mischung aus „From Hell“ und „Sleepy Hollow“. Die Ermittlungen führen Jin-ho und Gwang-soo in die dreckigsten Gegenden Seouls, in Opium-Häuser und zu ominösen Zirkusdirektoren. Dabei wirken die beiden wirklich wie Holmes und Watson. Sie ermitteln nach altmodischen Methoden (Spurensuche, Verdächtigenverfolgung, Verkleidungen, etc.), dank der Hilfe einer Tüftlerin hat Jin-ho aber auch Zugang zur chemischen Analyse und zur Verwendung kleiner Mini-Gadgets á la James Bond (zum Glück nicht auf eine übertriebene Art und Weise, sondern durchaus glaubwürdig).

„Private Eye“ ist eine exzellente Mischung aus Komödie und Krimi, dazu kommt noch eine gut durchdachte Geschichte, die den Zuschauer miteinbezieht. Spannung wird erzeugt durch das Mitraten des Zuschauers, obwohl ich bezweifeln möchte, dass man auf die Auflösung von selbst kommen würde. In diesem Sinne gelingt es „Private Eye“ den Zuschauer an der Nase herumzuführen, denn immer wenn man glaubt, jetzt ist das Rätsel gelöst, entdeckt man, dass dies nur ein weiteres Puzzle-Teil gewesen ist. Die komischen Aspekte des Films verdanken wir unter anderem Deok-hwang Ryu als Jin-hos Partner Gwang-soo. Der junge Arzt sorgt für die erforderliche Auflockerung des Films, der sonst ohne Zweifel einen sehr viel düsteren Ton angeschlagen hätte (das ist nichts Schlimmes, allerdings wäre der Film dann vielleicht nicht mehr ganz so unterhaltsam gewesen.)

Durch „Private Eye“ sieht man, wie man einen guten Krimi mit Action und Komik versehen kann und man kann nur hoffen, dass Guy Ritchie mit seinem Sherlock Homes ähnliche Wege geht. Der koreanische Sherlock Jin-ho kann auf jeden Fall überzeugen. Dazu kommt eine für eine asiatische Produktion recht ungewöhnliche Musik: Jin-hos Thema erinnert zum Teil an „Amelie“ und zum Teil an „Desperado“ – eine ebenfalls interessante Mischung.

Wer sich also auf den westlichen Sherlock Holmes einstellen will, dem empfehle ich den koreanischen Sherlock.

Wertung: 9 von 10 Punkten (spannender Detektiv-Film mit einem überzeugenden Ermittler-Duo)

6 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    9. Dezember 2009 11:28

    Ich möchte mal anmerken, dass ich mir die DVD ausleihen möchte wenn du mal wieder in deine alte Heimat zurückkehrst ^^

  2. 9. Dezember 2009 15:43

    Mit asiatischen Filmen habe ich meistens das Problem, dass ich mich nicht so richtig auf deren Kultur einstellen kann. Dieser Film scheint sich aber ja doch eher am Westen zu orientieren.
    Ich werde mal in der Videothek meines Vertrauens danach Ausschau halten.

    • donpozuelo permalink*
      9. Dezember 2009 20:38

      Mit solchen Problemen habe ich eigentlich nie zu kämpfen. Ich schaue mir sehr gerne asiatische Filme an – zum Teil vor allem weil sie nicht unserer Kultur entsprechen.

      „Private Eye“ ist aber tatsächlich etwas stärker am Westen orientiert. Immerhin will die Hauptfigur nichts mehr als nach Amerika zu reisen. Dennoch lernt man auch ein wenig von Korea kennen – zwar nicht so sehr wie bei anderen Filmen… aber wenn man eher „Schwierigkeiten“ mit asiatischen Filmen, dann kann man „Private Eye“ getrost gucken.

      Eine Bemerkung zum Thema Videothek: Ich habe die DVD von einem Freund aus Malaysia bekommen, die er von dort mitgebracht hat. Ob es die DVD schon bei uns gibt, weiß ich nicht. Also vorher mal genauer nachschauen…

  3. luzifel permalink
    22. Dezember 2009 13:24

    Sooo. Film hab ich gestern gesehen. Fand ihn ziemlich gut und die Story durchweg logisch mit einigen interessanten Wendungen. Ich mag Krimis, in denen ich die Story verstehe ^^

    8 von 10 würde ich geben..

Trackbacks

  1. Hau-drauf-Detektiv « Going To The Movies

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