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V.E.R.R.Ü.C.K.T.

2. Dezember 2009

Passen 20 Jahre eines Lebens in zwei Stunden Film? Der kanadische Spielfilm „C.R.A.Z.Y.“ startet einen vielversprechenden Versuch und begleitet Zachary Beaulieu durch die ersten 20 Jahre seines Lebens. Zum Glück für uns ist sein Leben kein gewöhnliches: Zach wurde am Weihnachtsabend geboren – diese Tatsache und die Tatsache, dass Zach fast gestorben wäre und die Tatsache, dass Zach ein merkwürdiges Muttermal an seinem Hals hat sprechen für seine Mutter dafür, dass Zach übersinnliche Fähigkeiten hat und die Leiden anderer Menschen heilen kann (ob das wirklich stimmt, bleibt dem Zuschauer selbst überlassen). Übersinnliche Fähigkeiten sind aber nicht Zachs einziges Problem: Zach ist schwul, ist sich seiner Sexualität aber nie ganz sicher, da er immer wieder versucht, so zu sein, wie sein strenger Vater es gerne hätte. Doch gelingt ihm das nur schwer – immerhin hat er noch eine Mutter, die ihn vergöttert (fast im wahrsten Sinne des Wortes).

„C.R.A.Z.Y.“ ist wieder einer dieser etwas „ziellosen“ Filme, bei denen es nicht darum geht, das Böse am Ende zu besiegen. Es geht darum, wie ein Junge in einer verrückten Familie mit vier Brüdern aufwächst und dabei versucht er selbst zu sein. Nur will ihm das halt nicht gelingen, da Zach sich immer wieder danach richtet, was andere von ihm denken. Zach ist der klassische Film-Teenager: ein Außenseiter in seiner eigenen Familie, dem es vorherbestimmt scheint, viel zu durchleiden.

Der Filmtitel setzt sich aus den Namen der 5 Brüder zusammen: Christian, Raymond, Antoine, Zachary und Yvan. Allerdings spielen Zachs Brüder nur eine geringe Rolle für den Film. Sie erweisen sich zwar als wichtig für die Charaktererstellung Zachs, aber zu mehr dienen sie fast nicht. Wichtiger ist da die Rolle des Vaters Gervais: ein echter Mann, wenn man so will. Und es ist diese Figur, die neben Zach den Film am Laufen hält, denn schließlich ist er es, wegen dem Zach so viel auf sich nimmt.

Das Thema Sexualität greift den ganzen Film. So stellt sich schon zum Anfang die Frage: Ist die Mutter Schuld an der Homosexualität ihres Sohnes? Hätte Vater Gervais möglicherweise mehr tun können? Egal wie man zum Thema Homosexualität steht, „C.R.A.Z.Y.“ schafft es alle „Vorstellungen“ über „Entstehung“ und „Verlauf“ aufzuzeigen und das auf eine recht amüsante Art und Weise.

Zum Glück für uns hat Regisseur Jean-MarcVallée auch noch auf den Großteil seiner Gage verzichtet, um sie für die Musik auszugeben. Und so wird Zachs Erwachsen-Werden in den 70er und 80er Jahren durch einen genialen Soundtrack untermalt.

Um auf die Anfangsfrage zurückzukommen: Kann man 20 Jahre in zwei Stunden Film packen? Ja, man kann. Und es gelingt auch größtenteils, aber manchmal wird es auch einfach zu viel, weil nicht mehr wirklich deutlich wird, welches Ziel der Film eigentlich nun genau verfolgt: Familienkomödie oder Tragödie? Film über Homosexualität oder einfach nur Film über eine verrückte Familie? „C.R.A.Z.Y.“ hat zwar durchaus gekonnt durch die Ära des Zach Beaulieu geführt, reizt aber nicht so sehr dazu, diese Reise noch ein zweites Mal antreten zu wollen. Da wäre der Kauf des Soundtracks eher eine Option.

Wertung: 7 von 10 Punkten (tragisch-komische Familiengeschichte mit einigen Längen)

3 Kommentare leave one →
  1. 2. Dezember 2009 17:33

    Deine Überschrift beweist, warum es sicherlich Sinn gemacht hat, den Filmtitel auch in Deutschland zubehalten 😉

    • donpozuelo permalink*
      2. Dezember 2009 18:23

      🙂 daran habe ich gar nicht gedacht, aber du hast recht… 🙂

      Zum glück setzt sich der Filmtitel ja auch aus den Namen der Brüder zusammen, weswegen eine Übersetzung erst recht keinen Sinn gemacht hätte

  2. Dr. Borstel permalink
    3. Dezember 2009 13:28

    Ich fand den Film ein kleines Bisschen besser als du, im Großen und Ganzen stimme ich dir aber zu. Ein schöner Film, den ich mir allerdings die nächsten Jahre nicht zwingend noch mal anschauen muss.

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