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Ein (fast) liebenswertes Monster

29. November 2009

„Der letzte König von Schottland“ beginnt mit einem mutigen Entschluss. Frisch aus der Uni und der ganze Stolz seiner Familie entscheidet sich der junge schottische Arzt Nicholas Garrigan (James McAvoy) seinem spießigen Leben zu entfliehen. In Afrika – genauer: in Uganda – assistiert er einem Arzt. Dabei will es der Zufall, dass Carrigan gerade vor Ort ist, als der neue Präsident Idi Amin (Forest Whitaker) einen Autounfall hat. Carrigan versorgt den Präsidenten, der Gefallen an dem jungen Weißen findet. Nur wenige Tage später lädt Amin Carrigan zu sich ein und bietet ihm die Stelle als sein Leibarzt an. Carrigan, der fasziniert von Amin ist, nimmt die Stelle nach kurzem Zögern an und wird schnell zu einem engen Vertrauten Amins. Dabei verliert Carrigan aus den Augen, was um ihn herum in Uganda unter Amins Herrschaft vorgeht.

Kevin Macdonalds „Der letzte König von Schottland“ ist ein etwas anderer „Afrika“-Film. Das liegt vor allem daran, dass wir Uganda nur aus der Sicht des jungen, möglicherweise sehr naiven Carrigan kennen lernen. Wie Carrigan werden geblendet vom Reichtum, der Freigiebigkeit Amins und seinem Charisma. Wie Carrigan können wir nicht glauben, was immer wieder im Film über den Präsidenten gesagt wird. Und wie Carrigan sind wir geschockt, wenn diese Seifenblase plötzlich zerbirst.

Der Film beginnt als ein sehr ruhiger Film – eine kleine Abenteuergeschichte für einen jungen Mann, der das fremde Afrika kennenlernt. Als er dann auch noch die rechte Hand des Präsidenten wird, erliegt der junge Carrigan dann auch noch dem Glauben, er könne wirklich etwas verändern. Leider viel zu spät muss er erkennen, dass das nicht der Fall ist.

„Der letzte König von Schottland“ ist anfangs ein ungewöhnlicher Film – eben weil er sich nicht sofort auf die Untaten des Diktators stürzt und den Zuschauer sofort mit schaurigen Bildern schocken will. Stattdessen erleben wir eine faszinierende Charakterstudie von Forest Whitaker (der übrigens zu Recht einen Oscar für seine Rolle bekam), die es nur zu verständlich erscheinen lässt, dass der junge Carrigan sich so lange gegen die Schreckensmeldungen wehrt. Leider kommt Macdonald nicht darum herum, am Ende seines Films dann doch einige recht eklige Sachen zeigen zu wollen, um… ja, warum eigentlich??? Es wäre besser gewesen, die Sachen nicht zu zeigen – es hat den ganzen Film ohne Ekel-Faktor funktioniert. Vielleicht hatte man Angst, man würde Amin zu menschlich darstellen. Aber das ist nicht der Fall: Whitaker gelingt es hervorragend, die schwankende Persönlichkeit Amins darzustellen – immer wieder pendelt der Präsident zwischen Paranoia und Wut und Freude hin und her.

Leider ist die (fiktive) Figur des Carrigan ein wenig zu naiv dargestellt: Ich meine, was erwartet er, wenn er mit der Frau des Präsidenten schläft??? Aber das ist nur ein Beispiel von vielen – aber mit einer naiven Hauptfigur lässt sich natürlich noch etwas besser die Sogwirkung Amins darstellen, den anfangs alle vergötterten. Idi Amin war aber in Wirklichkeit ein Monster, das in acht Jahren zwischen 250.000 und 500.000 Menschen das Leben nahm.

„Der letzte König von Schottland“ lebt von Forest Whitaker. Mehr hat der Film nicht zu bieten. Zum Glück ist Whitaker aber so gut, dass es den Film mehr oder weniger rettet.

Wertung: 7 von 10 Punkten (ein großartiger Whitaker, der ganz allein den gesamten Film trägt)

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