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Wer ist hier Legende?

21. November 2009

Will Smith kämpft sich als einsamer (na gut, fast einsamer) Krieger durch ein ödes New York, jagt Wild, spielt Golf auf kaputten Jets, lässt sich das Leben gut gehen – möchte man meinen, wenn da nicht jede Nacht diese merkwürdigen Gestalten aus ihren Löchern kriechen würden. Diese Kreaturen sind das Resultat eines veränderten Virus, der eigentlich als Heilmittel für Krebs dienen sollte, sich dann aber sehr schnell als eigenständiger Virus an der ganzen Menschheit bedient hat. Robert Neville und seine treue Hundedame Sam (für die eigentliche Legende dieses Films – dazu später aber mehr) sind die einzigen Wesen in New York City, die noch nicht infiziert sind. Da Neville aber weiterhin glaubt, er könne ein Gegenmittel finden, bedient er sich hin und wieder der Licht hassenden Gestalten. Irgendwann macht er dann den Fehler, die Herzensdame des Anführers zu rauben.

Was ist „I Am Legend“ eigentlich für ein Film? Endzeit-Drama oder Horrorfilm? Dazu stellt sich mir dann noch die Frage: sind es Zombies oder Vampire oder beides, die für den Film Pate standen? Gerade bei den Kreaturen fällt mir das echt schwer, sie einzuordnen. Immerhin scheinen sie sich etwas intelligenter als Zombies zu bewegen.

„I Am Legend“ gehört wieder zu der spannenden Sparte Literatur-Verfilmung. Richard Matheson hatte diese Idee schon 1954. In der Zwischenzeit wurde das ganze auch schon mehrmals verfilmt – unter anderem unter dem Titel „Der Omega-Mann“ mit Charlton Heston. Diese Version, so habe ich mir sagen lassen, soll wesentlich besser sein als die Neuverfilmung. Aber nicht alles an der Neuverfilmung ist so schlecht.

Punkt 1: Will Smith gibt eine recht passable One-Man-Show ab. Und Leute, wir hätten es schlimmer haben können: Ursprünglich sollte Arnold „I’ll Be Back“ Schwarzenegger den Neville unter Regie von Ridley Scott spielen (obwohl Scott natürlich ein Händchen für so etwas hat). Aber wir haben Will Smith, und der kriegt den Job auch ganz gut hin. Zumal er es auf sich nehmen muss, fast den kompletten Film allein zu spielen. Bis zu „I Am Legend“ war Will Smith für mich immer eher der Ensemble-Schauspieler.

Punkt 2: So ganz allein ist Will ja zum Glück nicht. Er hat ja noch Sam, eine Schäferhündin der Marke: Ich bin wohl erzogen, gehorche aufs Wort und im wahrsten Sinne der beste Freund des noch lebenden Menschen. Ein toller Hund – ich bin immer wieder von den „Tierschauspielern“ beeindruckt. Wirklich ein toller Hund – meine absolute Nummer 1 in dem gesamten Film.

Punkt 3: Ich liebe diese Endzeit-Filme. Ich find’s immer wieder wahnsinnig spannend zu sehen, wie Menschen darüber denken, was wir uns gegenseitig antun, nur um uns irgendwann selbst kurz vor die Vernichtung zu bringen. Von daher bin ich schon sehr auf „The Road“ gespannt (das Buch habe ich dieses Mal schon gelesen – eigentlich dürfte ich nach der Lektüre gar nicht mehr ins Kino gehen, weil ich den Film eh nur noch zerreißen könnte)

„I Am Legend“ ist somit kein schlechter Film. So wirklich gut ist er aber auch nicht. Wenn ich ehrlich sein soll, hat das für mich einen Grund: die „creeps“, die merkwürdigen Schattengestalten. Wenn man ein wenig mehr auf deren Gestaltung gesetzt hätte, wäre das meiner Meinung nach besser gewesen. Sobald die Figuren aber auftauchen, verliert der Film etwas. Ich glaube, es wäre besser gewesen, den Zuschauer länger im Dunkeln zu halten. Nur hier und da ein Hinweis, ein kurzes Bild – aber irgendwann strömen sie dann in Scharen hervor…

Interessanterweise gibt es zu „I Am Legend“ ein alternatives Ende.

SPOILER-ALARM (Bitte markieren um weiterlesen zu können. Und bitte in den Kommentaren äußerst wage damit umgehen.)

Neville, Anna und Ethan hocken doch in dem Keller fest, in dem Neville seine Experimente gemacht hat. Die Creeps stehen draußen und der Ober-Creep versucht, die Scheibe einzuschlagen. In der Kinoversion gelingt ihm das, Neville opfert sich für das Gegenmittel und wird so zur Legende. Im alternativen Ende gelingt es dem Boss nicht, die Scheibe zu zerstören. Stattdessen erkennt Neville, dass er eigentlich nur sein Mädchen wiederhaben will. Er öffnet also die Tür und gibt das Mädchen frei. Im Endeffekt erkennt er die Creeps als neues soziales Geflecht an. Am Ende fahren alle drei aus der Stadt auf der Suche nach weiteren Überlebenden.

Man kann das alternative Ende sehen, wie man will. Ich finde es schwer einzuordnen. Und zu meinem Erstaunen muss ich dann doch irgendwie sagen, gefällt mir das Kino-Ende besser. Es ist auf jeden Fall Hollywood-Typischer.

Alles in allem ist „I Am Legend“ zwar ein durchaus annehmbarer Film, aber sicher nicht das Nonplusultra der Endzeit-Filme. Da wird Will Smith noch ein wenig kämpfen müssen, um wirklich zu einer Legende zu werden.

Wertung: 7 von 10 Punkten (mit einem Hund sieht die Apokalypse doch gleich viel besser aus)

6 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    21. November 2009 14:00

    Doch so gut? Ich hab’s irgendwie geschafft, mich um den Film zu drücken, weil ich von Will Smith zu der Zeit wirklich so was von die Nase voll hatte …

    • donpozuelo permalink*
      21. November 2009 17:59

      Ich war auch etwas erstaunt, nachdem ich den Artikel verfasst hatte. Denn, wenn ich mich recht erinnere, mochte ich den Film damals überhaupt nicht. Das war wieder so ein Fall von überhöhten Erwartungen, die nicht erfüllt wurden.

      Aber jetzt – so ganz ohne „Erwartungen“ – finde ich den Film nicht sooooo schlecht. Man kann ihn sich durchaus mal anschauen – es ist nicht der tollste, aber ein unterhaltsamer Film.

  2. 21. November 2009 20:18

    Ja, der Film hat schon was, insbesondere die ersten 30 Minuten (wenn ich mich noch richtig erinnere) sind sehr stimmungsvoll.
    Es ist eben immer interessant wie aus einem Durchschnittstyp eine „Legende“ wird. Insofern, und ich hoffe, dass ich behutsam genug bin, hat mir das Kinoende auch sehr, sehr gut gefallen.

    • donpozuelo permalink*
      22. November 2009 15:44

      Der Anfang des Films ist allgemein sehr gut. So lange, wie Will Smith nur mit Hundchen durch ein von der Natur zurück erobertes New York streift und sich dabei ein wenig wie „Wall-E“ mit sich selbst beschäftigt, ist echt köstlich.

      Leider hat man sich nur nicht getraut, dass etwas länger auszubauen.

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