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Ein skurriler Spitzel

17. November 2009

Mark Whitacre (Matt Damon) hat ein Problem: In seinem Arbeitsbereich des Agrarkonzerns ADM gibt es mehr Probleme als gute Resultate. Um seinen Job nicht zu verlieren, erfindet er einen Sabotagefall, bei dem angeblich ein „Maulwurf“ der japanischen Konkurrenz verantwortlich für alle Probleme ist. Daraufhin wendet sich sein Boss an das FBI, die wiederum überwachen von nun an Whitacres Telefon. Um nicht entlarvt zu werden, spinnt Whitacre seine Geschichte noch ein ganzes Stück weiter und behauptet, ADM wäre in einen internationalen Fall von Preisabsprache verwickelt. Daraufhin wird Whitacre vom FBI auf seine eigenen Leute angesetzt.

Wer jetzt schon keine Lust mehr auf Steven Soderberghs „Der Informant“ hat, der behält Recht. Der Film basiert auf dem Buch des Journalisten Kurt Eichenwald und bezieht sich angeblich auf einen wahren Fall. Nun ist es natürlich immer interessant, Filme nach wahren Fällen zu drehen, um dem Zuschauer zu zeigen, dass die „Realität“ manchmal skurriler sein kann als die Fiktion. Im Fall von Mark Whitacre ist das zwar durchaus zutreffend, aber reicht es nicht für einen fast zwei Stunden langen Film.

Vorab: Matt Damon spielt den dicken, bebrillten Mark einfach genial. Als Erzähler driftet er oftmals in den wichtigsten Momenten ab, erzählt uns irgendwelches triviales Zeug, ohne darauf zu hören, was sein Gegenüber ihm gerade erklären will. Aber auch Damon, der für die Rolle mehr als 10 kg zugenommen hat, kann Soderberghs Film nicht vor der Langeweile bewahren.

Im Endeffekt sehen wir die ganze Zeit nur, wie Whitacre von einem Meeting zum nächsten fährt und dabei versucht, möglichst unauffällig, Tonbandaufnahmen zu machen. Hier schafft der Film es einige Lacher aus dem Zuschauer herauszukitzeln, weil Whitacre sich manchmal herrlich dämlich anstellt. Aber es bleibt nur bei ein paar kleinen Lachern. Der Rest ist einfach viel zu dialoglastig. Das Ende des Films verschwindet dann in einem Wirrwarr aus Geständnissen und Offenbarungen des Mark Whitacres, die teilweise nur schwer nachzuvollziehen sind.

„Der Informant“ hätte bissiger sein müssen – fieser, ironischer, wortgewandter. Leider vermisst man das im Film. Immerhin gibt es für Serienfans ein paar interessante Entdeckungen: Melanie Lynskey, die Rose aus „Two and a half Men“, spielt Marks Frau Ginger. Und Patton Oswalt, besser bekannt als Spence aus „King of Queens„, spielt am Ende einen FBI-Agenten.

Das wirklich Gute an „Der Informant“ ist Matt Damon. Mehr leider nicht. Man sollte sich daher gut überlegen, ob das die Kinokarte wert ist.

Wertung: 4 von 10 Punkten (ziemlich langeweilig, aber durchaus skurrile Spitzel-Geschichte)

6 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    18. November 2009 14:41

    Nur so aus Interesse, wie kommt man auf die Idee, da reinzugehen? Ich habe ausnahmslos nur schlechte Kritiken dazu gelesen, von daher von Anfang an einen großen Bogen um den Film gemacht …

    • 18. November 2009 19:21

      Erstaunlicherweise hatte ich vorher keine einzige Kritik zu dem Film gelesen. Dann habe ich nur einen einzigen Trailer gesehen – wie das bei Trailern so ist, sah der im ersten Augenblick gar nicht so schlecht aus. Und als ich dann vorm Kino stand, dachte ich mir, gut, nimmst du mal „Der Informant“.

      Hätte ich jetzt eine Zeitmaschine, würde ich zurückreisen und meinem vergangenen Ich eins hinter die Ohren geben – kurz bevor bezahlt wird.

  2. 20. November 2009 22:55

    Es gibt Filme, die leihe ich mir vielleicht auf DVD aus der Videothek meines Vertrauens aus, „Der Informant“ ist möglicherweise so ein Fall.
    Aber bis auf „Ocean’s Eleven“ und mit Abstrichen „Ocean’s Thirteen“ kann ich eh nicht viel mit Soderberghs Filmen anfangen…

    • 21. November 2009 09:55

      „Der Informant“ ist nicht mal wirklich ein Film zum Ausleihen. Es gibt wirklich bessere Filme.

      „Ocean’s Eleven“ und „Thirteen“ sind wirklich noch annehmbar. Allerdings muss ich gestehen, dass ich „Traffic“ auch sehr gut fand.

      • Dr. Borstel permalink
        21. November 2009 14:02

        Wenn ich jetzt mal ein ganz peinliches Geständnis machen darf: Ich fand allen Ernstes „Solaris“ wirklich großartig. Womit ich wohl der einzige Mensch auf diesem Planeten sein dürfte, der den Film mochte.

        • donpozuelo permalink*
          21. November 2009 18:10

          Ich darf dich beruhigen – ich fand den Film auch sehr gut.

          Ich würde zwar gerne mal den russischen Film zu „Solaris“ sehen, aber Soderbergh und Clooney machen aus dem Stoff von Lem einen durchaus sehenswerten Film. Es ist halt nicht der typische Sci-Fi und einige Sachen aus dem Buch werden außen vorgelassen.

          Vielleicht jetzt der Aufruf an alle: Traut euch raus. Hier machen es zwei vor und stehen zu ihren „Gelüsten“ 🙂

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