Zum Inhalt springen

Unser schwarzer Superheld

16. November 2009

Heißt Will Smith. Nein, Moment, heißt „Hancock“.

Aber ist „Hancock“ wirklich so super? Er trinkt, sieht eher aus wie ein Penner und verursacht mehr Chaos, als dass er hilft. Und gerade deswegen ist sein Image in der Stadt Los Angeles ziemlich schlecht. Zum Glück für Hancock rettet er eines Tages den PR-Spezialisten Ray (Jason Bateman) vor dem sicheren Tod, woraufhin der sich revangieren möchte. Seine Idee: Hancock soll ins Gefängnis gehen – frei nach dem Motto „Man weiß erst, was man hat, wenn man es vermisst.“ In der Zwischenzeit will Ray Hancock beibringen, was es heißt, ein normaler Superheld zu sein. Rays Plan scheint aufzugehen, aber die wahre Geschichte von „Hancock“ beginnt erst dann…

„Hancock“ wird als Action-Komödie beschrieben. Richtig komisch wird der Film aber nie. Eher im Gegenteil: schon mit Hancocks Inhaftierung schlägt der Film (fast schon) melodramatische Klänge an – der einsame Hancock im Gefängnis, der einzige seiner Art, sehnt er sich plötzlich nach einer Gemeinschaft. Geweckt werden diese Gefühle durch Ray und seine Familie. Rays Ehefrau wird von Charlize Theron gespielt – allerdings hat Frau Theron in diesem Film irgendwie nicht wirklich viel zu tun.

„Hancock“ spielt genauso mit dem Superhelden-Bild wie der Film „Der Große Japaner“. Wie hier schon beschrieben, versucht sich „Der Große Japaner“ eher als eine Art Dokumentation über einen einsamen Superhelden (was aber nur anfangs funktioniert). Auch „Hancock“ versucht andere Wege in Bezug auf die Darstellung von Superhelden zu gehen, und auch „Hancock“ versagt. Dieses Versagen geht zumindest soweit, als dass sich die Amerikaner scheinbar nicht von dem eigentlichen, glorreichen Superhelden trennen können. Denn auch wenn Hancock anfangs nichts mehr ist als eine Landplage, so wächst er doch mehr und mehr zu einem wahren Superhelden heran, der auch bereit ist, bestimmte Opfer einzugehen – halt der richtige Superheld.

Peter Bergs Film überzeugt nicht unbedingt wegen seiner Effekte (gerade am Anfang sehen die eher etwas lächerlich aus). Auch die Story wird etwas merkwürdig (aber ich will an dieser Stelle nicht spoilern, sonst wäre alles dahin). Und dennoch schafft es Berg die Figur des Hancock mit reichlich Pathos darzustellen: Am Ende kann man sogar ein wenig mit fiebern und stolz sein auf seine Taten. Aber leider, leider beschränkt sich Berg und damit der ganze Film zu sehr auf die Wandlung des Penner-Superhelden zum richtigen Superhelden. Zeit für komische Momente nimmt Berg sich nicht viel – und wenn ich mich recht erinnere, wurden damals bereits alle „lustigen“ Szenen im Kinotrailer schon gezeigt, so dass nicht viel neues (im komischen Bereich) zu sehen war.

Ihr seht, meine Meinung zu „Hancock“ ist sehr gespalten. Der Film hat durchaus Potential – dass die Zeit reif ist für einen etwas veränderten Blick auf Superhelden haben wir ja schließlich schon mit „Watchmen“ festgestellt. Leider schafft es auch Berg nicht (genauso wenig wie Hitosi Matumoto mit „Der Große Japaner), etwas mehr Pep und etwas mehr Kritik und Ironie in die Figur des Hancock zu bekommen.

Eigentlich schade, aber zum Glück (?) wurde „Hancock“ dennoch ein finanzieller Erfolg. Was das heißt, brauche ich ja eigentlich nicht sagen, aber eine Fortsetzung ist schon in Planung. Leider gehe ich schon jetzt mal davon aus, dass auch bei in einer Fortsetzung weniger eine Persiflage, als ein Hochgesang auf Superhelden dabei herauskommt.

Wertung: 5 von 10 Punkten (unterhaltsam, driftet aber schnell vom Komischen weg – hätte sicherlich besser sein können)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.

%d Bloggern gefällt das: