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4 Taschen und kein Todesfall

14. November 2009

Dies ist die Geschichte von vier Taschen, vier identisch aussehenden Taschen. Und gleichzeitig ist es der Beweis, wie lustig ein Film über vier Taschen sein kann (vorausgesetzt natürlich, dass es kein 90-minütiges Standbild von vier Taschen ist).

  • Die erste Tasche gehört einem verschrobenem Professor namens Howard Bannister (Ryan O’Neil), der darin alte Steine aufbewahrt, mit denen er beweisen möchte, dass schon Höhlenmenschen Musik machten – mit Steinen halt.
  • Die zweite Tasche gehört Judy Maxwell (Barbara Streisand) und ist mit deren Sachen gefüllt.
  • Die dritte Tasche gehört einer reichen alten Dame und beinhaltet ihren ganzen Schmuck – große Klunker, kleine Klunker, bis oben hin vollgestopft mit Klunkern.
  • Die vierte Tasche gehört einem Agenten und ist gefüllt mit Geheimdokumenten.

Nun beginnt die Geschichte von Peter Bogdanovichs „Is‘ was, Doc?“ („What’s Up, Doc?“), damit dass sich alle vier Taschen in einem Hotel „treffen“. Und hier fängt dann der Ärger um die Taschen an:

  • Ein weiterer Agent versucht die Tasche mit den Geheimdokumenten zu stehlen
  • Der Hotelbesitzer versucht die Juwelen der alten Dame zu stehlen.
  • Judy versucht sich, an Howard ranzumachen und dessen Verlobte Eunice (schöner Name) zu verscheuchen.
  • In dem ganzen Durcheinander unbemerkt irgendeine Tasche zu stehlen, werden diese immer wieder fröhlich durchgetauscht und verwechselt, sodass selbst der aufmerksamste Zuschauer nach einer Weile den Überblick verliert, wer nun welche Tasche hat.

„Is‘ was, Doc?“ ist – wie der Titel schon vermuten lässt – unter anderem eine Hommage an die alten Warner Brothers Bugs Bunny- Trickfilme und damit auch eine Verbeugung vor den Screwball-Komödien.

Ein Versuch der Erklärung:

Vor allem Barbara Streisand erinnert einen sehr stark an den guten alten Hasen: es gibt sogar eine Szene, in der sie an einer Möhre kaut. Außerdem ist die Figur der Judy wie Bugs Bunny angelegt: immer einen Spruch auf Lager, immer schlaue Ratschläge, immer irgendwie in Gefahr.

Aber „Is‘ was, Doc?“ geht darüber hinaus. Der Begriff der Screwball-Komödie fällt immer wieder. Diese Unterart der Komödie zeichnet sich vor allem dadurch aus:

  • Hohe Dialoglastigkeit und damit verbunden: viel Wortwitz
  • Ein schnelles Tempo
  • Exzentrische Charaktere, die zwischen Kindhaftigkeit und Frustration hin und her schwanken
  • „battle of sexes“ – hier wunderbar repräsentiert durch Judy und Howard, der sich einfach nicht erklären kann, warum ausgerechnet er von Wirbelwind Judy ausgesucht wurde.

Obwohl „Is‘ was, Doc?“ schon über 30 Jahre alt ist, ist es für mich eine der witzigsten Filme, die ich kenne. Der Film sprüht vor Energie und Witz – und zum Glück gelingt es Regisseur Bogdanovich die Story durchaus vielfältig zu gestalten: Von dem Hotel geht es über zu einer wilden Verfolgungsjagd quer durch San Francisco, die anschließend in einem Gerichtssaal endet. Vor allem die Verfolgungsjagd ist köstlich, und… es gelingt Bogdanovich den alten Witz: „Es tragen zwei Typen eine Glasscheibe über die Straße…“ gekonnt aufzufrischen und den Zuschauer dabei sehr zu überraschen.

Streisand und O’Neil sind ein perfektes Pärchen in dieser Komödie: die perfekten Gegensätze – die Wilde und der Zahme.

„Is‘ Was, Doc?“ macht auch nach der x-ten Wiederholung noch Spaß: temporeich, mit viel Liebe zum Detail und sorgfältig ausgefällten Dialogen, die schnell und witzig sind erschafft Bogdanovich die Komödie schlechthin.

Wertung: 10 von 10 Punkten (so muss eine Komödie sein – leider muss man da heutzutage schon etwas länger nach suchen)

9 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    14. November 2009 16:36

    Hah, nach der Hälfte der Überschrift wusste ich schon, worum’s geht. 😉 Volle Zustimmung; ein fabelhafter Film, den ich ebenfalls immer wieder anschauen kann. Die volle Punktzahl würde ich vielleicht nicht geben, aber der Film kommt dem zumindest nahe, er ist nämlich wirklich unheimlich witzig. O’Neil und Streisand geben ein fantastisches Paar ab und holen aus jeder Situation wirklich das Maximum an Witz und Charme heraus. Klassiker!

  2. 14. November 2009 22:33

    Wow, 10 von 10 Punkten, davor schreckst du doch normalerweise zurück. Dann muss der Film wohl wirklich gut sein…

  3. 15. November 2009 09:44

    Die 10 von 10 Punkte gibt’s, weil ich mir diesen Film schon zig mal angesehen habe und immer noch lachen kann ohne Ende. Mir werden bei dem Film die Witze einfach nicht langweilig.

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