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Unzucht in Kalifornien

12. November 2009

2008 war ein interessantes Jahr.

Warum?

Man konnte (ohne Bedenken) öffentlich zugeben, RTL II zu gucken 🙂

Im Herbst 2008 gelang es dem Sender nämlich gleich zwei skurrile Serien-Hauptfiguren in sein (Spät-)Programm einzubauen: eine war „Dexter“ und die andere Figur war ein Sex-süchtiger, Drogen nehmender, rauchender, fluchender Schriftsteller namens Hank Moody. Hank Moody führt uns hinter die Kulissen, hinter den schönen Schein der Stadt der Engel. In seiner Welt gibt es keine Nettigkeiten – nur ein Fressen oder gefressen werden. Besonders Hank wird da von seinem Schicksal schwer geschlagen:

  • Immer noch verliebt in seine Ex (Karen),
  • Versucht er sie davon abzuhalten, ihren Neuen (Bill) zu heiraten.
  • Sein letzter Bestseller („God Hates Us All“) wurde eine schnöde Hollywood-Romanze mit „Tom and Kate“,
  • Und sein Verleger und bester Freund sitzt ihm ständig im Nacken wegen eines neuen Buches – dazu kommt, dass der arme Hank nun fürs Bloggen bezahlt wird (ach, wie wäre das schön, nicht wahr???).
  • Dazu kommen eine pubertierende Tochter (Becca) und die Tochter von Bill (Mia), mit der Hank einige schwerwiegende Probleme bekommt.
  • Wichtig sind natürlich auch Drogen und Alkohol (ansonsten wäre man ja kein Künstler)
  • Und Frauen, Frauen, Frauen…. (Brüste in jeder Folge – nur wenn’s interessiert)

„Californication“ wurde oft als „Sex and the City für Männer“ betitelt. Nun, dazu kann ich nichts sagen, weil ich „Sex and the City“ nicht kenne (allerdings: sollte der Vergleich stimmen, dann…). Was ich aber sagen kann, ist folgendes: Ich bin von Anfang an einer großer Fan dieser Serie. David Duchovny – the actor also known as Fox Mulder – kann sich in der Rolle des Hank Moody von seinem Agenten-Image reinwaschen: hier kann er Chauvinisten-Schwein und Gentleman zugleich sein: Auf der einen Seite reißt er Reihenweise Frauen auf (der gute David selbst will ja auch sex-süchtig sein, also erleben wir hier Method-Acting der ganz feinen Art), auf der anderen Seite erkennt er, dass er nur mit seiner Ex Karen wirklich glücklich sein kann.

Die Serie ist erfrischend anders: 30 Minuten und trotzdem keine Sitcom: kein Studiogelächter, keine glatten Kameraeinstellung. Stattdessen scheinen die Macher viel mit Hand-Held-Cameras zu drehen: hin und wieder leicht verwackelte Bilder, die zusätzlich bearbeitet worden sind, um einen etwas dreckig-schmutzigen Look zu bekommen. Das passt hervorragend zu einer Serie die romantisch und abstossend, komisch und traurig zugleich ist. Gekonnt wechseln die Autoren zwischen Drama und Comedy. Das ganze Packet wird mit einigen Popkultur-Verweisen vermischt und fertig ist die Serie.

„Californication“ ist erfrischend anders, erfrischend offen und frech. Im Original lernt man eine Menge neue Schimpfwörter für den nächsten England-Urlaub. Die Serie überrascht vor allem deshalb, weil man so etwas in Serie nicht erwartet hätte – als Film vielleicht ja, aber gleich eine ganze Serie??? Das erscheint erstaunlich – der Erfolg der Serie gibt den Machern aber Recht – es wird Zeit, dass neben den klassischen Sitcoms mit hübschen Menschen und kleinlichen Problemen etwas frischer Wind weht. Zugegeben, schöne Menschen hat „Californication“ auch, dafür machen sie aber schmutzigere Sachen.

Man muss die Serie wirklich lieben, ansonsten wird man sie hassen.

(Kann man mit diesem Satz irgendwas anfangen???)

„Californication“ kann man jetzt bequem auf DVD gucken. Pro Staffel nur 12 Folgen a 30 Minuten. Mit der Sogwirkung und teilweise echt schrägen Ideen einen Kauf auf jeden Fall wert.

Wertung: 9 von 10 Punkten (herrlich durchtriebene Serie mit einem tollen Duchovny – er kann es auch ohne Aliens)

10 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    12. November 2009 13:32

    Uneingeschränkte Zustimmung! „Californication“ ist ein großartiger Ersatz für die mittlerweile allzu brav gewordenen „Desperate Housewives“ und die lustigste Serie seit den Anfängen von „Scrubs“. Einfach nur geil, geil, geil! Okay, man muss vermutlich schon einen bestimmten Humor dafür haben, den habe ich aber auf alle Fälle.

    • 12. November 2009 19:21

      Der bestimmte Humor – auf jeden Fall echt wichtig für die Serie.

      Ich bin aber ehrlich gesagt auch echt gespannt, ob sie es in der zweiten Staffel (die hoffentlich bald kommt) halten können.

      Zur Not habe ich auch kein Problem damit, es nur bei der ersten Staffel bleiben zu lassen (die merkwürdiger Weise sehr lange gebraucht hat, um überhaupt auf den Markt zu kommen).

  2. 12. November 2009 13:59

    Ich habe „Californication“ leider nur auf deutsch gesehen, deshalb kann ich den Humor nicht wirklich beurteilen. Aber tatsächlich ist das mal eine Serie der anderen Art, in der die Darsteller mal kein Blatt vor den Mund nehmen müssen. Außerdem ist die Figur Hank Moody kultverdächtig 🙂

    • 12. November 2009 19:22

      Ich habe die Serie auch zuerst nur auf Deutsch gesehen und erst letztens halt auf Englisch, weil ich mir die Box geholt habe. Allerdings muss ich sagen, dass die Synchronisation zu „Californication“ eigentlich ganz gut ist. Klar gehen viele Sachen durch die Übersetzung verloren, aber ich glaube, hier haben die sich besonders viel Mühe gegeben, dass das nicht so stark auffällt.

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