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It’s The End Of The World…

31. Oktober 2009

Schon fast eine kleine Programm-Ansage, wenn man zu Beginn von Emmerichs “Independence Day“ den REM-Song zu hören bekommt. 1996 brachte Emmerich uns fast den Weltuntergang in Form fieser Aliens, die sich über die gesamte Welt verteilten und nach einem Countdown alles zerstörten, was unter ihnen war. Zum Glück für die Menschheit gab es genügend Helden, die etwas dagegen zu tun wussten: da war ein charismatischer US-Präsident (Bill Pullman), ein junger Flieger-Pilot (Will Smith), ein Computer-Experte (Jeff Goldblum) und viele mehr, von denen man auf den ersten Blick nicht damit rechnen würde, dass ausgerechnet sie sich als Helden qualifizieren. Aber irgendwie packen sie es, reißen sich zusammen und retten die Welt.

Roland Emmerich – der Name ist eigentlich Programm, wenn es darum geht, die Welt in Flammen aufgehen zu lassen – obwohl er sich in „The Day After Tomorrow“ statt Flammen mit Eiseskälte beschäftigt. Aber den Weltuntergang inszeniert keiner besser als Emmerich: ob nun durch Aliens, Eis, japanische Urmonster oder durch dunkle Prophezeiungen (sein neuer Film „2012“ steht schon in den Startlöchern).

Man kann Emmerich den Hang zu großem Knallern nicht abschreiben und man muss sie nicht alle mögen, aber mit „Independence Day“ macht Emmerich alles richtig: großes Action-Kino, großartige Helden, fiese Gegner und ein bisschen was für die Verschwörungstheoretiker. Dazu kommen erstklassige Effekte, die nicht umsonst mit einem Oscar ausgezeichnet worden sind. In Zeiten globalen Terrors und 9/11 sehen die Bilder explodierender Hochhäuser gleich noch realer aus und lassen noch mehr die Angst spüren.

Für mich ist „Independence Day“ einer der besten Filme von Roland Emmerich, weil er hier keinen gewöhnlichen Weltuntergang inszeniert. Wo ich gerade den neuen Roman von Dan Brown gelesen habe, fällt mir ein guter Vergleich ein: Beide – Brown und Emmerich – erzeugen auf eine simple, aber effektive Weise Spannung. Emmerich verzichtet darauf, nur einen Action-Helden zu haben (wie es ja normalerweise üblich ist), sondern erzählt auf mehreren Ebenen von verschiedenen Menschen. Ähnlich wie bei Dan Brown hält Emmerich die Geschichten der einzelnen Figuren immer recht kurz und beendet jedes „Kapitel“ mit einem kleinen Cliffhanger. Was im Roman gut funktioniert, funktioniert auch hervorragend bei Emmerich. Dazu noch eine Gesamtgeschichte, die guten Stoff bietet, Helden auferstehen zu lassen und riesige Explosionen zu verursachen.

Sicherlich könnte man Emmerichs Film auch wenig USA-Pathos nachsagen, vor allem wenn der US-Präsident am Ende seine Mut machende Rede hält und sein Volk zum gemeinsamen Kampf gegen die Außerirdischen auffordert – aber immerhin ist es der vierte Juli und da lassen Amerikaner ja gerne Feuerwerke in die Luft gehen.

„Independence Day“ ist erstklassiges Popcorn-Kino mit tollen Effekten und guten Schauspielern – wie gesagt, einer der besten Emmerich-Filme. Aber wir können ja jetzt schon gespannt sein, wie er demnächst die Welt nach Ablauf des Maya-Kalenders in „2012“ in den Untergang stürzt.

Wertung: 8 von 10 Punkten (fiese Aliens treffen auf tapfere Amerikaner – da ist klar, wer verliert)

13 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    31. Oktober 2009 12:39

    So gut würde ich den Film lange nicht einschätzen. Sicher, Emmerich hat ein Auge für grandiose Inszenierungen, das ändert aber nichts daran, dass seine Filme völlig hohl sind. Das gilt sogar für „The Day After Tommorrow“, obwohl ich den sogar mag; „Independence Day“ ist dagegen ganz okay, aber weder Will Smith noch die Story haben mich so wirklich vom Hocker gerissen …

    • 31. Oktober 2009 19:34

      Hohle Emmerich-Filme??? Gibt es etwa auch welche mit Inhalt??? 🙂

      Also ich weiß, dass ich den Film als Junge sehr gemocht habe (ich glaube, ich war sogar 2x im Kino). Das würde ich jetzt zwar nicht mehr machen – aber mein Gott, als Film zum Abschalten und Nicht-Nachdenken-Müssen ist der voll in Ordnung (da hat mit „The Day After Tomorrow“ weniger gut gefallen)

      • Dr. Borstel permalink
        31. Oktober 2009 20:47

        Ich muss aber sagen, „The Day After Tomorrow“ hatte wenigstens noch einen Denkansatz. So habe ich den Film bestimmt drei, vier Mal sehen müssen, bevor ich überhaupt gemerkt habe, wie stupide die Story eigentlich ist. Bei allen anderen Emmerich-Filmen springt einem das ja quasi sofort ins Auge. 😉

        • donpozuelo permalink*
          1. November 2009 09:43

          Achso, na gut 🙂 das will ich mal gelten lassen und „the day after tomorrow“ als Emmerich-Film mit Denkansatz bezeichnen (leider bleibt es ja nur beim Denkansatz – aber besser ein Ansatz als gar nichts)

  2. 31. Oktober 2009 14:49

    Für einen Popcorn-Film ist „Independance Day“ sehr okay.

  3. 31. Oktober 2009 16:14

    „Independence Day“ gefällt mir jedenfalls besser als „The Day After Tomorrow“, immerhin bringen Emmerichs Filme eine Menge Kawumm-Charakter mit.
    Erstaunlich, dass sich Emmerich mit immer wieder gleichen Filmen (die Welt geht halt unter… mal wieder) so lange in Hollywood halten konnte – aber die Einspielergebnisse geben ihm ja anscheinend recht.

    • 31. Oktober 2009 19:36

      Tja, unser Mann für den Weltuntergang. Wahrscheinlich ist es einfach so, dass er damit die besten Ergebnisse erzielt, weil er schon immer solche Filme gemacht hat. Würde Emmerich etwas anderes machen, würde niemand hingehen. Emmerich bedeutet Chaos, bunte Explosionen und noch mehr Chaos. Mehr wollen wir da doch nicht von ihm… für andere Filme sind andere Leute zuständig.

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