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Vom Untergang zur Invasion

21. Oktober 2009

Deutsche Regisseure in Hollywood? Auf Anhieb fallen einem da nicht besonders viele Namen ein, oder? Emmerich wäre da als Katastrophen-Filmer (demnächst lässt er in „2012“ ja auch wieder die Welt untergehen), dann Petersen, der nach „Troja“ nicht mehr wirklich viel von sich hören lässt und schließlich fällt noch der Name Boll ein: der Mann, der noch jede Game-Verfilmung platzen lässt. Aber zum Glück sind das nicht alle: gerade in letzter Zeit sind immer mehr Deutsche an Hollywood-Produktionen beteiligt (ob das so gut ist, ist aber fraglich). Ein besonders fragliches Beispiel liefert Oliver Hirschbiegel ab. Vor allem mit „Das Experiment“ und „Der Untergang“ hatte sich Hirschbiegel in Deutschland (und mit letzterem Film auch im Ausland) einen Namen gemacht. Der durchschlagende Erfolg von „Der Untergang“ war dann wohl auch für Hollywood Grund genug, den Mann zu sich einzuladen… um ihn anschließend ordentlich über den Tisch zu ziehen.

Mit „Invasion“ erzählt Hirschbiegel eine schon längst ausgelutschte Geschichte über eine außerirdische Lebensform, die auf die Erde gelangt und sich hier in den Menschen einnistet. Sobald diese infiziert sind, verwandeln sich die Menschen während des Schlafes in emotionslose Wesen. In diesen verwirrenden Zeiten sucht die Psychiaterin Carol Bennell (Nicole Kidman) ihren kleinen Sohn mit Hilfe ihres Freundes Ben (Daniel „Bond“ Craig). Irgendwann wird aber auch Carol infiziert und darf nun nicht einschlafen.

Das Problem des Films ist aber, dass der Zuschauer nur zu gerne einschlafen möchte. „Invasion“ weiß nicht so wirklich, was für ein Film er denn eigentlich sein möchte: an den Klassiker „Die Körperfresser kommen“ kann der Film nicht heran, auch wenn er hin und wieder versucht mit einigen eher ekligen Horror-Bildern ein gruseliger Film zu sein. Ein Science-Fiction ist es auch nicht wirklich – bis auf den Absturz des Space Shuttles zu Beginn des Films und die Aufklärung, es befindet sich ein außerirdischer Organismus an den Wrackteilen bleiben Elemente des klassischen Science-Fiction außen vor.

Auch als Thriller oder gar Kritik an der Menschheit taugt der Film nicht. Und das, obwohl es zum Anfang ganz danach aussieht, als könnte man hier einen Film mit Hintergrund schauen. In einer Szene mit einem russischen Botschafter unterhält sich Carol Bennell darüber, was den Menschen ausmacht. Und der russische Botschafter erzählt ihr, dass es Krieg sei. Und nur eine unmenschliche Menschheit könne die Welt von der Gewalt befreien. Diese Themen tauchen vereinzelt wieder auf – vor allem dann, wenn sich die Außerirdischen vor Bennell rechtfertigen. Aber, leider, leider, leider wird das nicht weiter verfolgt. Stattdessen kippt der Film nach einer Weile und verläuft sich in albernen Klischees und Verfolgungsjagden. Dabei wirkt der gesamte Film wie ein Witz: Bennell erkennt, dass die Außerirdischen, nicht Infizierte an ihren Emotionen erkennen. Also versucht sie emotionslos durch eine Stadt zu laufen, in der sich überall Menschen umbringen oder gewaltsam von den Außerirdischen gefangen genommen und infiziert werden. Das abschließende Action-Spektakel – eine wilde Fahrt durch NYC – erinnert dann wieder an einen Zombie-Film, indem sich die Infizierten wie blöd vor Bennells Auto werfen, um sie daran zu hindern, mit ihrem Sohn (der übrigens das Heilmittel ist) zu entkommen.

„Invasion“ ist ein schlechter Film, weil er keine einheitliche Grundlinie hat. Schuld daran ist aber nicht Hirschbiegel, sondern das System Hollywood: weil man mit seinen Ergebnissen nicht zufrieden war, wurde Hirschbiegel kurzerhand ausgewechselt und etliche Szenen mit einem anderen Regisseur nachgedreht. Aus einem möglicherweise guten Sci-Fi-Thriller wird so sinnloses Irgendwas.

Wertung: 2 von 10 Punkten (hier will man direkt einschlafen – nichts Neues und das auch noch schlecht verpackt)

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