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Von verrückten Zockern und stummen Indianern

20. Oktober 2009

Der Film, um den es heute geht, ist ein ganz großer Hollywoods. Solche Aussagen lassen sich leicht treffen, lassen sie sich aber auch begründen??? Natürlich liegt die „Größe“ eines Films immer im Auge des Betrachters – und eigentlich nur da. Entweder einem gefällt ein Film oder nicht, da ist es dann auch egal, wie sehr der Film gelobt wird.

Unser Film jetzt hat aber einige Referenzen vorzuweisen, die zumindest verdeutlichen, dass er nicht ohne Grund zu den besten Filmen Hollywoods gehört:

  • Er gehört zu den drei Filmen, die in allen Hauptkategorien (Bester Film, Beste Regie, Bester Hauptdarsteller und Beste Hauptdarstellerin) der Academy Awards nominiert und auch gewonnen haben. Der erste Film war „Es geschah in einer Nacht“ von 1934 und der letzte Film war „Das Schweigen der Lämmer“ von 1991.
    Man könnte jetzt zweifeln, inwieweit die Entscheidung der Academy zu bewerten ist, aber ich glaube, man kann das gelten lassen.
  • Zum zweiten: Die vielleicht größte Auszeichnung sind die zahlreichen Ehrerbietungen, die dem Film durch andere Filme, Serien, etc. zu Gute kommen. Stellvertretend für alle sei hier nur die einflussreichste Serie genannt – „The Simpsons“. Es gibt meines Wissens nach mindestens drei Episoden, die den Film in einer bestimmten Weise zitieren.

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Buch von Ken Kesey und wurde von Michael Douglas produziert (der daraufhin gleich seinem Vater die Hauptrolle verweigerte): „Einer flog über das Kuckucksnest“ (die Anspielung des englischen Wortes „cuckoo“ für „verrückt“ verliert durch die Übersetzung an Bedeutung) mit Jack Nicholson.

Nicholson darf sich unter Milos Formans Regie endgültig als vielfältiger Charakterdarsteller beweisen – wenn man den Film nicht mag, muss man zumindest Nicholsons Leistung anerkennen. Nicholson spielt Randle McMurphy, der zur Beobachtung in einer Nervenheilanstalt eingewiesen wird. In Wirklichkeit fehlt McMurphy aber nichts, außer der Tatsache, dass er glaubt, hier schneller seinem Haftdienst zu entgehen (ein Missverständnis, dass sich auf böse Weise bei ihm rächen wird). In der Anstalt gewinnt McMurphy die Gunst seiner Insassen (u.a. Danny DeVito und Christopher „Back To The Future“ Lloyd in ihren ersten großen Kinorollen). Dies gelingt ihm vor allem dadurch, dass er sich gegen die strenge Oberschwester Ratched (Louise Fletcher) auflehnt. McMurphy stellt den Alltag der „Insassen“ gehörig auf den Kopf, kämpft für bessere Musik, das Recht darauf, Baseball gucken zu dürfen oder entführt gar seine gesamten Freunde, um mit ihnen eine Bootstour zu machen. McMurphys Taten machen ihn zwar bei seinen Freunden beliebt, bringen ihm aber eine Menge Ärger (und Elektro-Schock-Behandlungen) bei Schwester Ratched ein. Schließlich will er zusammen mit dem Chief, den alle für einen „stummen und dummen Indianer“ halten, fliehen.

Jack Nicholson gibt in „Einer flog über das Kuckucksnest“ einen hervorragend tragisch-komischen Helden. Der gesamte Film lebt von der allgegenwärtigen Präsenz des Schauspielers: der tragische Held im verzweifelten Kampf gegen die Anstalt – Nicholsons McMurphy verliert nie den Mut, nichts kann ihn daran hindern, er selbst zu sein. Eine der schönsten Szenen aus dem Film ist, wenn McMurphy beginnt, ein Baseball-Spiel zu moderieren, weil ihm die Leitung nicht zugestehen will, die World Series im Fernsehen zu schauen.

„Einer flog über das Kuckucksnest“ ist eine recht tragische Komödie, denn neben all den witzigen Elementen wirft der Film auch viele Fragen auf – gerade in Bezug auf den Umgang mit Patienten in so einer Anstalt. Dazu muss man natürlich die Zeitdifferenz mit berechnen, denn die Praktiken von damals sind heute vielleicht nicht mehr die gleichen: Die Fragen zur Freiheit der Patienten, die Selbstbestimmung von Patienten und die Frage, wie sie in Gruppen geteilt werden.

Der Film hat seine Längen, das gebe ich gerne zu. Das kann dazu führen, dass einem „Einer flog über das Kuckucksnest“ nicht unbedingt zusagt. Es ist dennoch ein bewegendes Plädoyer an die Menschlichkeit (irgendwo, tief hinter all der Komik und der Tragik). „Einer flog über das Kuckucksnest“ ist für Filmliebhaber und Nicholson-Fans ein absolutes Muss.

Wertung: 9 von 10 Punkten (großartiger Film, der zu Recht mit Preisen überhäuft wurde)

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