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Der Nächste, bitte!

19. Oktober 2009

Philip K. Dick gehört für mich neben Stanislaw Lem zu den eindrucksvollsten Science-Fiction-Autoren. Ich habe viel von Dick gelesen und kann ihn nur weiter empfehlen. Dass ich nicht der einzige bin, der die Werke von Philip K. Dick schätzt, lässt sich aus den zahlreichen Verfilmungen erschließen, die anhand seiner Bücher oder Kurzgeschichten gemacht worden sind. Zu den Besten gehören zum Beispiel Ridley Scotts „Blade Runner“, Steven Spielbergs „Minority Report“ oder „A Scanner Darkly“ mit Keanu Reeves. Immer wieder gerne werden Dicks Geschichten genommen, weil sie geniale Plots mit aufregenden Zukunftsvisionen verbinden.

1954 veröffentlichte Dick die Kurzgeschichte „The Golden Man“ („Der Goldene Mann“): In einer alternativen Welt sorgt eine Regierung dafür, dass die Menschen die führende Spezies auf der Erde bleiben. Dafür wird ein Lager errichtet, indem alle Mutanten erst untersucht und anschließend umgebracht werden. Bei einer Razzia wird so auch der Junge Cris gefangen genommen: er hat goldene Haare und goldene Haut, hat seit seiner Geburt kein Wort gesprochen und kann die Zukunft voraussehen. Da er keinen Ausweg sieht, seiner Verhaftung entgegenzuwirken, lässt er sich festnehmen, nur um im Lager zu entfliehen. Nun wird er zum meistgejagten Mutanten überhaupt, denn die Regierung hat Angst, Cris könne Nachkommen zeugen.

Eine klassische Dick-Story, die einen tollen Film abgegeben hätte. „Der Goldene Mann“ wird als Vorlage für Lee Tamahoris „Next“ genannt. Allerdings kann man nicht von einer Literaturverfilmung sprechen: einzig der Name Cris und seine Fähigkeit, die Zukunft vorauszusehen wurden übernommen, der Rest ist schlechtes Hollywood-Kino: Cris Johnson (Nicolas Cage) ist Bühnenmagier in Vegas. Dank seiner Fähigkeit, für 2 Minuten in die Zukunft sehen zu können, hält er sich mit Glücksspiel über Wasser. Als böse, böse Terroristen in L.A. eine Atombombe zünden wollen, will FBI-Agentin Callie Ferris (Julianne Moore) Johnsons Fähigkeiten für sich nutzen. Johnson flüchtet aber lieber mit seiner neuen Freundin Liz (Jessica Biel), nur um sich später – als die Terroristen Liz gefangen nehmen – doch für die Zusammenarbeit mit dem FBI zu entscheiden.

Nic Cage war mal ein ganz Großer („Face/Off“, „The Rock“, „Con Air“, etc.), aber seit neuestem taucht der „Superman“-Liebhaber nur noch in Filmen auf, die man eigentlich nur verreißen kann („Ghostrider“, „Bangkok Dangerous“, etc.). Auch mit „Next“ wählt Cage einen Film, der nicht wirklich zündet: die Idee an sich ist witzig – gerade zu Beginn beweist Regisseur Tamahori viel Kreativität, wenn er Johnsons Flucht vor dem FBI durch ein Casino zeigt: Dadurch, dass Johnson weiß, was ihm passieren wird, kann er sich verstecken, tarnen oder einfach nur mal schnell umdrehen. Der Frust der Agenten und die Leichtigkeit Johnsons lassen hier auf einiges hoffen. Aber mit der Liebesgeschichte zwischen Cris und Liz (clever gereimt) und der Jagd des FBIs als auch der Terroristen auf Cris verliert der Film seinen Charme. Und plötzlich fragt man sich auch, was aus der Zeitspanne von 2 Minuten geworden ist – schließlich sieht Cris mehr und mehr von der Zukunft.

Die Idee zu „Next“ ist an und für sich nicht schlecht, aber die Verwertung ist sehr schlecht. Eine billige Story rund um Terroristen und eine Bombe ist in etwa so kreativ wie ein Gang über den Flur. Darunter leiden die Schauspieler und der Zuschauer gleichermaßen. Vor allem das Ende von „Next“ kommt plötzlich und unerwartet und enttäuscht dann auch noch – zumal es (hier hält man sich dann an das Original von Dick) offen bleibt.

Wertung: 2 von 10 Punkten (Lest lieber Philip K. Dick! Der Gute dreht sich bei diesem Machwerk bestimmt im Grabe um.)

7 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    19. Oktober 2009 13:00

    Den Film kenne ich nicht (und werde ihn mir wohl auch in Zukunft sparen), in Puncto Philip K. Dick stimme ich dir aber absolut zu- Ein fantastischer Autor – „Do Androids Dream of Electric Sheep?“ alias die Vorlage zu „Blade Runner“ zählt zu meinen absoluten Lieblingsromanen. Und ist, nebenbei gesagt, besser als die Verfilmung, die ihrerseits schon große Klasse war. Wobei ich sagen muss, „A Scanner Darkly“ hat mir jetzt nicht so außergewöhnlich gut gefallen. Optisch großartig, ansonsten – naja, war nicht so ganz mein Fall.

    • donpozuelo permalink*
      19. Oktober 2009 13:26

      „Next“ kann man sich wirklich sparen.

      „A Scanner Darkly“ fand ich schon als Buch schwer zu lesen. Das reihe ich so ein bisschen mit seiner „Valis“-Trilogie ein – Dicks eigene Drogenerfahrung ergeben Romane 🙂 Der Film war natürlich von der Optik her toll anzuschauen, aber das reicht ja nicht immer (hat mir bei Filmen wie „300“ auch nicht gereicht)

      • Dr. Borstel permalink
        20. Oktober 2009 12:09

        Hmm, bei „300“ war’s lustigerweise genug für mich – ab und zu muss man auch mal das Gehirn ausschalten dürfen. 😉

        • donpozuelo permalink*
          20. Oktober 2009 13:57

          Wohl wahr, wohl wahr… aber selbst dann bleibt bei mir immer noch eine leuchte an, die hin und wieder rot aufleuchtet 🙂

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