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Der Wahnsinn einer Weltraum-Reise

17. Oktober 2009

Endlich mal wieder ins Kino gegangen. In letzter Zeit hat mich das Angebot nicht so sehr gereizt. Da ich ja diese Woche eher zufällig in die Sparte Sci-Fi gerutscht bin, dachte ich mir: „Warum nicht?“ und habe mir „Pandorum“ angesehen.

„Pandorum“ ist eine deutsch-amerikanische Produktion des deutschen Regisseurs Christian Alvart, einigen vielleicht ein Begriff als Regisseur des Films „Antikörper“. In „Pandorum“ schickt Alvart Dennis Quaid und Ben Foster auf eine lange Reise durchs All. Corporal Bower (Foster) wacht aus seinem künstlichen Tiefschlaf auf und kann sich kaum erinnern, wer er ist. Nur langsam kommen die Erinnerungen wieder zurück. Zusammen mit Lt. Payton (Quaid) gehört Bower zum fünften Flugteam der „Elysium“, ein riesiges Raumschiff auf dem Weg zu einem erdähnlichen Planeten. Aber irgendwas scheint schief gegangen zu sein: die Ablöse-Crew ist nicht vor Ort und die beiden Männer haben keinen Zugriff auf die Brücke des Schiffs. Da die Elektronik ebenfalls defekt zu sein scheint, macht sich Bower auf den Weg zum Reaktor des Schiffes, um diesen wieder in Gang zu bekommen. Auf seinem Weg dorthin muss er aber erkennen, dass er nicht alleine auf dem Schiff ist. Das wäre an und für sich nichts Neues, nur sind die Fremden, die ihn verfolgen, anders… und hungrig.

„Pandorum“ hat mich stellenweise an Ridley Scotts „Alien“ erinnert. Gerade auch der Anfang: das Erwachen aus dem Tiefschlaf, das riesige Raumschiff mit seinen ewig langen dunklen Gängen und schließlich eine dunkle Bedrohung, die jeder Zeit auftauchen kann, die man anfangs aber nur hört. Alvarts Film hat die gleiche Atmosphäre wie wir sie bei „Alien“ finden. Allerdings geht der Regisseur noch ein Stück weiter und versenkt einen Großteil der Bilder in tiefstem Schwarz. Bower kriecht durch enge Röhren, schleicht durch finstere Gänge mit nicht mehr als einer winzigen Taschenlampe – da wird es im Kino-Saal noch dunkler und genau wie Bower können wir nur hören und nichts sehen.

Anders als bei „Alien“ sehen wir dann nach einer Weile schon, was unseren Helden verfolgt. Hier ist der größte Schwachpunkt des Films: Die mensch-ähnlichen Viecher, die in großen Horden auf Menschenjagd gehen, sind etwas lieblos gemacht und erinnern an die „I Am Legend“-Kreaturen.

Zum Glück für uns bleibt das aber der einzige Schwachpunkt. Der Film ist neben seiner dichten Atmosphäre auch noch mit einer guten Story versehen. Alvart räumt im Laufe des Films mit allen Ungereimtheiten auf, sodass sowohl Bower als auch der Zuschauer genau weiß, was wirklich Sache ist. Dabei verzichtet Alvart aber darauf, es einfach nur plump vor uns auszubreiten: gekonnt führt er eine kurze Vorgeschichte ein, die den Grund für die Weltraum-Reise erklärt, um dann nach und nach Bowers Amnesie verschwinden zu lassen. Heraus kommt eine durchdachte Geschichte mit einigen interessanten Wendungen (VORSICHT: Wer sich den Film nicht vermiesen will, sollte darauf verzichten, die Wikipedia-Artikel zum Film zu lesen: Hier wird nämlich die gesamte Geschichte breit beschrieben. Ihr würdet euch damit selbst keinen Gefallen tun – es sei denn, ihr wollt den Film nicht gucken, sondern nur mitreden 🙂 )

Alvart macht in Bezug auf einen Sci-Fi-Horror-Streifen im Grunde alles richtig: eine kleine Gruppe von Menschen (ja, Bower sammelt noch ein, zwei Überlebende mit auf), ein riesiges, dunkles Raumschiff, Verfolgungsjagden, irre Kämpfe und ein oder zwei Überraschungen am Ende.

Man kann sich von „Pandorum“ mitreißen lassen, wenn man denn will. Ich kann nur jedem empfehlen, „Pandorum“ eine Chance zu geben. Vielleicht liegt hier seit langem mal wieder ein wirklich guter Sci-Fi-Film vor.

Wertung: 8 von 10 Punkten (dunkler Gruseltrip durchs All à la „Dead Space“ oder „Alien“)

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6 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    17. Oktober 2009 11:20

    mehr kann ich zu Pandorum auch nicht sagen ^^ Ich bin ohne Erwartung in den Film gegangen und er hat mich überrascht mit seiner hohen handwerklichen Güte. Respekt.. Einziges Manko fand ich auch, dass das klassische Horrorelement des „ich hab keinen Plan was da draußen ist“ nicht sonderlich lange durchgehalten wurde – ich gebe zu, dass ich mich wahnsinnig gegruselt hätte wenn er es gemacht hätte und so war es auch eher ein Schocker als ein Horrorfilm aber er hat seine Aufgabe gut gemacht.
    Ich fand ebenfalls super wie die Geschichte erzählt wurde, denn durch den Gedächtnisverlust, den alle Leute durch diesen Hyperschlaf bekommen und ein paar Brocken aus dem Vorspann hat man nach und nach durch Erinnerung und das was die anderen meist irgendwie irren Typen auf dem Schiff wussten die Story zugespielt bekommen.
    Achso: Sehr schön fand ich dass der Quotenschwarze durch einen abgefahrenen Indianer-Typen von den Landwirtschaftsleuten an Bord ersetzt wurde und dann mit dem Klischee gebrochen wurde ihn irgendwann gleich umzubringen.. Der ist meine absolute Lieblingsfigur im Film geworden ^^ Was den Typen noch cooler gemacht hat, war dass man nicht verstanden hat was er von den anderen wollten weil er eben keine denen bekannte Sprache sprechen konnte und so wirres Indianer- oder Maori-Sprech von sich gegeben hat und sonst nur durch Kompetenz geglänzt hat..

    Alles in allem: Cooler SciFi-Schocker mit schöner Umsetzung! 8 von 10 ist echt gerechtfertigt..

    • 17. Oktober 2009 11:28

      Stimmt. Verzeihung, den Indianer/ Maori habe ich vergessen zu erwähnen. War aber wirklich eine erfrischend andere Figur…

      Mit dem Nicht-lange-Durchhalten der Horror-Elemente ist das ja immer so eine Sache: Wartet man zu lange, funktioniert es nicht, wartet man nur kurz, ist es nicht mehr spannend genug. Hat alles so sein Für und Wider… im Großen und Ganzen hat das bei „Alien“ (wenn ich mal bei meinem Vergleich bleibe) wesentlich besser funktioniert. Aber „Pandorum“ wird so mehr zu einem Survival-Horror nach „Silent Hill“ und „Dead Space“. Wichtig ist nämlich nicht mehr, was uns jagt, sondern warum es uns jagt… und das funktioniert bei Alvarts Film wiederum ausgezeichnet

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