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Das Weltraum-Epos schlechthin

13. Oktober 2009

Um über „Star Wars“ zu schreiben, müsste man eigentlich selbst ein Epos verfassen, um den Filmen gerecht zu werden. Gleich vorab dazu: Wenn ich hier von den „Star Wars“-Filmen spreche, dann meine ich nur die alte Trilogie (was ja jetzt leider Episode IV, V und VI heißen muss). Somit oute ich mich gleichzeitig als Verehrer der alten Trilogie und als Verächter der neuen Trilogie – dem Prequel.

Ich will nicht sagen, dass die neuen Filme schlecht sind. Sie sind der Zeit angepasst und reihen sich in die Zahl der großen Action-Blockbuster ein. Was sie dann wieder von diesen unterscheidet, ist die lange Geschichte, die dahinter steckt. Mit der ganzen Diskussion „neue Trilogie“ und „alte Trilogie“ ist es eigentlich ganz spannend: denn egal, wie man argumentiert, Lucas hatte ja schon von Beginn die Idee, mehrere Filme aus „Star Wars“ zu machen. Anfangs war sogar die Rede von 12 Filmen – selbst Leia sollte noch die Macht kennen lernen. Das Spektrum der Geschichte lässt sich noch ewig weiter spinnen. Nicht umsonst hat sich „Star Wars“ auch auf andere Gebiete verlegt: in zahlreichen Büchern geht es vor und zurück. Mit Konsolen- und Videospielen kann man alles Mögliche sein und machen. Die Sternenkriege sind noch lange nicht vorbei: jetzt demnächst läuft die zweite Staffel der Animationsserie „The Clone Wars“ und eine Serie mit realen Darstellern ist angeblich auch schon in Planung. Es scheint so, als könne George Lucas nicht genug Geld mit „Star Wars“ machen (angeblich beläuft sich der Gesamtertrag des Merchandisings auf fast 20 Milliarden US-Dollar).

Angefangen hat der ganze Hype aber am 25. Mai 1977: „Star Wars – Krieg der Sterne“. Hier beginnt alles: Wir lernen Darth Vader und das Imperium kennen. Gleich zu Beginn werden die Fronten geklärt: der schwarze Darth Vader (David Prowse) trifft auf die weißgekleidete Prinzessin Leia Organa (Carrie Fisher) – diese Symbolik, die von Anfang Gut und Böse trennt, findet sich in den Filmen immer wieder. Leia führt die Rebellion gegen das Imperium an. In letzter Minute vor ihrer Gefangennahme kann Leia eine Botschaft mit den Droiden R2-D2 (Kenny Baker) und C-3PO (Anthony Daniels) abschicken. Wie das Schicksal es will (oder für „Star Wars“ wohl angebrachter: „die Macht“), findet der Auserwählte (auch wenn er es noch nicht weiß) Luke Skywalker (Mark Hamill) beide Droiden, bringt sie zu Obi-Wan Kenobi (Alec Guinness). Zusammen mit dem Schmuggler Han Solo (Harrison Ford) und dessen haarigem Freund Chewbacca (Peter Mayhew) macht sich die kleine Truppe auf.

  • Krieg der Sterne“ führt das Imperium und die Rebellen ein. Bereits im ersten Teil kann die Rebellion einen erfolgreichen Schlag gegen das Imperium ausführen und den Todesstern zerstören. Der große Erfolg von „Krieg der Sterne“ machte deutlich, dass hier unheimliches Potenzial steckt, weswegen die folgenden Filme umfangreicher werden und tiefer in das Universum in und um „Star Wars“ eintauchen.
  • 1980 erscheint dann „Star Wars: Das Imperium schlägt zurück„. Trotz der Niederlage aus Teil Eins ist das Imperium nicht besiegt. Während Luke Skywalker von Meister Yoda (Frank Oz) lernt, was es bedeutet, ein Jedi zu sein, werden Han Solo und Leia quer durchs All gejagt. Teil Zwei baut die Figuren viel stärker aus, als es noch in Teil Eins möglich war. Durch den Erfolg angespornt, kann man es sich in Teil Zwei sogar erlauben, einen Cliffhanger einzubauen, der den Zuschauer fragend zurück lässt: Was passiert mit Han Solo?
  • Das Jahr 1983 bringt dann aber Gewissheit. Mit „Star Wars: Die Rückkehr der Jedi-Ritter“ erleben wir den Sieg über das Imperium. U.a. Dank der Hilfe der Ewoks, kleine, lustige Teddys, die den Rebellen zur Hand gehen.

Es ist schwer, „Star Wars“ einzuordnen. Allein durch den typischen Anfangstext: „Es war einmal in einer weit, weit entfernten Galaxie…“ wird der Märchen-Charakter der Serie angedeutet. Und wie Märchen sind sie auch: der Kampf Gut gegen Böse, eine hübsche Prinzessin und ein holder Ritter, Magie und Mystik, magische und verwunschene Orte – und das Ganze verpackt als Science-Fiction – Laserschwerter, Raumschiffe, Krieg im All. Viele Kritiker werfen in Bezug auf „Star Wars“ auch noch die Begriffe Western, Abenteuerfilm, Fantasy. Die Einflüsse auf „Star Wars“ ergeben höchstwahrscheinlich eine ewig lange Liste an Filmen, Themen und Stoffen. Ich will versuchen, nur ein paar Beispiele aufzulisten:

  • Allen voran steht Akira Kurosawa. Dessen „Verborgene Festung“ ist entscheidend für „Krieg der Sterne“. Zahlreiche Elemente – erzählerisch als auch filmtechnisch – „entnimmt“ Lucas vom japanischen Meister (mehr dazu findet ihr im Artikel zum Film).
  • Auch der Kampf der Republik gegen die Tyrannei ist ein zentrales Thema der Sternenkriege. Beispiele dafür bietet uns unsere ganz eigene Geschichte.
  • Die Religionen und Glaubensweisen spielen ebenfalls eine wichtige Rolle: so ist allein Luke Skywalker schon eine Art Messias für die Republik. Dazu kommt das Mysterium der „Macht“. Die Macht umgibt alles und jeden. Die Macht beherrschen, dass kann aber nur der, der seine eigenen Gefühle unter Kontrolle hat. Aus Hass erwächst nur die dunkle Seite der Macht. Hier wird erneut zwischen Gut und Böse getrennt – das erkennt man dann auch an den Laserschwertern. Die „Guten“ haben die Farben Blau oder Grün, während die „Bösen“ auf Rot beschränkt sind.

Man könnte das wohl noch ewig so weitermachen: die Gruppierungen untersuchen, Staaten analysieren, Technik bestaunen, Philosophie und Lehren der Jedi-Meister studieren. „Star Wars“ bietet mehr als nur bloße Unterhaltung und ist trotzdem wie eine Droge. Eine Droge, die allen bekommt, indem sie Technik und Märchen vermischt. Damit wird eine Reihe geschaffen, die für alle Altersklassen erfolgsversprechend wird.

Für seine Zeit war „Star Wars“ einzigartig – vor allem die Effekte waren atemberaubend und sind es heute noch. Für mich persönlich steckt in der alten Trilogie viel mehr Liebe als in der neuen. Die Figuren sind differenzierter (und auch etwas weniger), die Story ist vielschichtig und bleibt dennoch überschaubar. Für jeden Typ Zuschauer gibt es irgendeine Identifikationsfigur oder auch eine Hassfigur 🙂

„Star Wars“ ist diese Art von Film, die man sich auch noch in 20 Jahren angucken kann, und auch dann werden die Filme nichts von ihrer „Macht“ verloren haben.

Wertung: 10 von 10 Punkten (Kult, Kult, Kult)

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45 Kommentare leave one →
  1. luzifel permalink
    13. Oktober 2009 10:28

    Das wohl!! Mehr kann ich dazu nicht sagen.. Steht ja schon alles da.. ^^

  2. Dr. Borstel permalink
    13. Oktober 2009 12:43

    Schon nach der Überschrift war ich mir sicher, dass ich unter diesem Artikel die volle Punktzahl vorfinde. 😉 Ich selbst bin da etwas kritischer, was die „Star Wars“-Filme angeht – wäre ich alt genug, um sie damals im Kino gesehen zu haben, sähe das vielleicht anders aus. Nichtsdestotrotz sehe ich mich als großen Star-Wars-Fan, was sowohl die alte als auch die neue Trilogie angeht – und das Expanded Universe natürlich ebenso, denn was mich an Star Wars vor allem anderen fasziniert, ist, dass sich die Geschichte einfach immer weiter spinnen lässt und eben auch immer weiter gesponnen wird. Ein Beispiel: „selbst Leia sollte noch die Macht kennen lernen.“ – Tut sie noch. Sie ist die erste, die Luke später zum Jedi ausbilden wird, auch wenn sie ihre Ausbildung später abbricht, um wieder politisch tätig zu sein. Ja, ich bin ein Geek, ich weiß. 😀

    So nebenbei gehöre ich auch zu denen, die die Hoffnung nicht aufgeben, dass George Lucas eines Tages noch weitere Filme drehen wird. Okay, „The Clone Wars“ war natürlich ein herber Rückschlag – der schlechteste Film, den ich je im Kino gesehen habe, von der Serie gar nicht erst zu sprechen. Aber dann gibt es da ja noch diese ominöse Realserie, von der seit Jahren gemunkelt wird …

    P.s. „Für jeden Typ Zuschauer gibt es irgendeine Identifikationsfigur oder auch eine Hassfigur“ – Lass mich raten: Du dachtest an Jar Jar? 😉

    • 13. Oktober 2009 12:50

      „Clone Wars“ hat mich im Gegensatz zu dir positiv überrascht. Allerdings habe ich nur den Film im Kino gesehen und nicht die Serie. Dadurch hat der Kinofilm kein wirklichen Abschluss und wirkt nicht vollkommen.

      Bei der Hassfigur denkt man ja automatisch an Jar Jar. Da ich mir aber tatsächlich nur auf die alte Trilogie bezogen habe, meinte ich eher die Ewoks. Ich kenne genügend Leute, die Ewoks nicht mögen. Warum bleibt mir für immer ein Rätsel: ohne die kleinen Bärchen hätte doch am Ende nichts funktioniert 🙂

    • 13. Oktober 2009 18:01

      War nicht irgendwann mal die Rede davon, die Star Wars Realserie soll eine Teenieserie im Stile von Beverly Hills 90210 werden? Ich müsste mal danach googeln.

      • 13. Oktober 2009 18:29

        Ja, so was hatte ich auch mal gehört. Aber das war wohl auch nur ein Gerücht… oder vielleicht kommt es noch so. Genaueres weiß man nicht, bis es tatsächlich in die Produktion geht.

        Sicher ist nur, dass sie zwischen Episode III und IV liegt (nachdem die Zeichentrick-Serie ja den Übergang zwischen II und III liefert).

        Mehr gibt’s hier: http://en.wikipedia.org/wiki/Star_Wars_live-action_TV_series

    • Dr. Borstel permalink
      13. Oktober 2009 21:44

      Ich habe „The Clone Wars“ wirklich kaum ausgehalten. Gerade diese unglaublich nervigen Kampfdroiden mit ihren debilen Witzchen – warum bitte labern ->Roboter<- denn solch einen Blödsinn? Warum müssen die überhaupt sprechen? Ich meine, bei 3PO war das unumgänglich, auch wenn der bis heute meine Hassfigur bleibt (Jar Jar dagegen mochte ich 😉 ), aber R2 hat doch zurecht kein Sprachmodul, weil er's eben nicht braucht. Konsequent umgesetzt. Diesen Hintergedanken hätte Mr. Lucas auch bei den neueren Filmen behalten sollen … Bei der Serie habe ich dann keine zwanzig Minuten mehr durchgehalten. Optisch gut und schön, aber die Handlung ruiniert das Star-Wars-Feeling einfach völlig.

      Als großer Fan der Romane hoffe ich ja, dass Lucas eines Tages Timothy Zahns "Thrawn-Trilogy" als Episode VII-IX verfilmt. Der bei weitem beste Teil des Expanded Universe – was übrigens viele Fans so sehen. Aber erstmal würde ich mich durchaus mit der Realserie zufriedengeben. Wenn daraus denn irgendwann mal was wird.

      • 14. Oktober 2009 08:05

        Ich weiß ja nicht, aber ich glaube, mit den Romanen zu ihren Serien scheinen die Macher ja immer nicht viel am Hut zu haben.

        Genau die gleichen Hoffnungen hatte ich ja für „Indiana Jones“ – der zieht ja auch eine Menge mehr oder weniger guter Romane hinter sich her. Aber selbst da haben sie sich was eigenes ausgedacht.

        Man kann nur hoffen, dass sie es vielleicht wenigstens bei „Star Wars“ besser machen. Denn ich glaube schon, dass da noch einiges kommt.

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