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Kampf gegen Korruption

12. Oktober 2009

Was soll man eigentlich noch zu Al Pacino sagen? Der Mann hat sich zu den Leinwandgöttern hochgearbeitet: ob als „Der Pate“ oder „Scarface“, ob als Teufel oder als fieser Casino-Boss – die Rollen, die Pacino spielt, bleiben im Gedächtnis. Und Pacino zeigt sich dabei so vielseitig, wie kaum ein anderer. Während man zum Beispiel Robert De Niro ziemlich schnell in die Mafia-Sparte abschieben könnte (natürlich nur, wenn man einige seiner Klassiker außen vor lässt – z.B. „Taxi Driver“ oder „Kap der Angst“), ist Pacino in mehreren Rollen zu Hause. Aber auch bei ihm bleiben fast zwangsläufig, die Mafia-Rollen haften. De Niro und Pacino sind die großen (Anti-) Helden der 70er und 80er Jahre, die sich heute etwas rarer machen.

Also muss man sich mal wieder an die alten Filme setzen. Ein Film, von dem ich bis dahin nur gehört hatte, habe ich jetzt endlich auch mal gucken können: Sidney Lumets „Serpico“. Pacino spielt den jungen, dynamischen Polizisten Frank Serpcio, der sehr schnell lernen muss, dass er in seinem Bezirk der einzige Bulle mit Moralvorstellungen ist. Gewalt gegen Verdächtige und Korruption sind unter seinen Kollegen an der Tagesordnung. Als sich Serpico entscheidet, nicht in die dreckigen Geschäfte mit einzusteigen, hat er plötzlich mehr als nur ein Problem. Besser wird es auch nicht, als er sich entscheidet, vor Gericht gegen die Polizei und ihre Machenschaften auszusagen.

„Serpico“ ist eine großartig inszenierte Charakterstudie nach einem wahren Fall. Natürlich ist dieser Einwurf „… nach einem wahren Fall“ immer mit Vorsicht zu genießen (man kann ja nie wissen, wie genau sich der Film an den tatsächlichen Gegebenheiten orientiert). Aber es gelingt Lumet auch ohne diesen Vermerk, „Serpico“ zu einem sehr intensiven Film zu machen. Die Konzentration auf einen Schauspieler rückt alle anderen etwas in den Hintergrund und fordert so viel mehr von der Hauptfigur. Hier hat Lumet sich zum Glück für Pacino entschieden, der die Rolle mit großer Leidenschaft spielt. Durch die ständige Bindung des Zuschauers auf diese eine Figur heroisiert Lumet „Serpico“ zwar extrem, aus diesem Pathos rettet ihn dann aber wieder der Vermerk „… nach einem wahren Fall“. Somit stellt Lumet sicher, dass der Zuschauer den Mut Serpicos nur noch mehr bewundern kann. Schließlich stellt er sich (fast) allein gegen Korruption und Gewalt.

Aus einer eigentlich völlig banalen Sichtweise ist „Serpico“ ein Glanzstück, weil wir einen Pacino präsentiert bekommen, wie wir ihn aus der Zeit gar nicht kennen: alle seine vorherigen und folgenden Rollen waren aalglatt. Mit „Serpico“ liefert uns Pacino aber einen Hippie-Cop, dessen Haare immer länger und dessen Bart immer schwärzer wird (zu erklären ist das so: Serpico setzt sich dafür ein, dass die Zivilfahnder sich mehr an ihre Umgebung anpassen sollten, um nicht sofort aufzufliegen). Interessanterweise führt diese Drehbuchentscheidung (und wohl auch die des wahren Serpico) dazu, dass die Szenen in umgekehrter Reihenfolge gedreht wurden: quasi vom Rauschebart zum glattrasierten Abgänger der Akademie.

„Serpico“ bietet eine von Pacinos besten Leistungen. Dazu bekommt der Zuschauer auch einen erstklassigen Thriller, der sich eng an seiner Hauptfigur orientiert und so dem Zuschauer die Möglichkeit zur Empathie gibt. Das gelingt wiederum nur dank Pacino und verwandelt „Serpico“ in einem genialen Klassiker des Polizeifilms, der auch heute noch äußerst sehenswert ist.

Wertung: 9 von 10 Punkten (für Pacino-Fans ein absolutes Muss)

2 Kommentare leave one →
  1. 12. Oktober 2009 08:43

    Klingt ausgezeichnet und interessant der Film. Ich mag Al Pacino in Der Pate I & II total, ist mir aber in vielen neueren Filmen unsympathisch. Ich weiß nicht woran es liegt. Vielleicht an den Rollen? Ein großartiger Schauspieler. Hätte ruhig noch ein paar spätere Filmhits haben können, ähnlich wie Robert de Niro. Ah, Donnie Brasco ist auch ziemlich genial!

    • 12. Oktober 2009 09:00

      Ja, die neuen Filme sind nicht mehr für Pacino gemacht (das gleiche gilt ja auch für De Niro).
      „Donnie Brasco“ ist genial, liegt aber meiner Meinung vor allem daran, dass er hier „nur“ eine Nebenrolle spielt. Die wiederum ist perfekt auf ihn zugeschnitten und macht den Film neben Johnny Depp so gut.

      Ich muss aber auch ehrlich sagen, ich schaue mir lieber die etwas älteren Filme von Pacino an.

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