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„Alkohol ist dein Sanitäter in der Not“

11. Oktober 2009

Henry Chinaski scheint Grönemeyer zu mögen. Oder auch nicht, jedenfalls hält er sich an dessen Song und benutzt Alkohol als seinen großen Retter in der Not. Henry Chinaski ist das Alter Ego von Charles Bukowski, ein amerikanischer Dichter und Schriftsteller, der um die 40 Bücher mit Gedichten und Prosa veröffentlicht hat. Doch bevor Mr. Bukowski Autor wurde, war er erstmal erfolgloser Autor. Und genau darum geht es in Bent Hamers Film „Factotum“ nach dem gleichnamigen (teils autobiographischem) Buch von Bukowski.

Henry Chinaski (Matt Dillon) schreibt pro Woche zwei bis drei Kurzgeschichten, die er – bislang ohne Erfolg – an eine Zeitschrift schickt. Um sich sein brotloses Leben als Schriftsteller leisten zu können, jobbt Chinaski, wo er nur kann. Doch seine Alkoholprobleme und seine „Einstellung“ sorgen immer wieder dafür, dass er sich schnell den nächsten Job suchen darf. Doch zum Glück lebt er im Land der unbegrenzten Möglichkeiten und der scheinbar unbegrenzt dummen Frauen, denn er findet immer wieder eine Frau, bei der er einfach so einziehen kann.

„Factotum“ – das Wort heißt „Mädchen für alles“ und genau das ist Chinaski: ein Mädchen für alles, nur um an ein wenig Geld und Alkohol zu kommen. Der Film fängt zwar recht amüsant an, verliert sich dann aber in sich selbst. Es kommt einfach nichts Neues dazu: Chinaski geht von Job zu Job, säuft hin und wieder in einer Bar und lässt uns an seinen Gedanken über die Welt und das Leben darin teilhaben. Matt Dillon spielt den verkannten Schriftsteller zwar mit enormer Intensität, retten kann das den Film aber auch nicht vor aufkommender Langeweile.

Es werden die üblichen Klischees bedient: der trinkende Schriftsteller, der es am Ende doch noch zu etwas bringt (vielleicht ist es ja tatsächlich so – dann sollte ich ab morgen auch mit dem Trinken anfangen); der amerikanische Traum, der sich auch auf Abwegen noch träumen lässt und immer wieder Chinaskis Motto „If you’re going to try, go all the way.“

„Factotum“ verfolgt kein offensichtliches Ziel. Hauptfigur ist Chinaski und der wird in allen Lebenslagen beobachtet. Dadurch wirkt der Film gerade am Anfang wie zerhackt: kurze Episoden werden durch schwarze Blenden beendet und der nächste Ort, die nächste Episode beginnt. Erst durch Jan (Lili Taylor), die Frau, mit der Chinaski so etwas wie eine längerfristige Beziehung eingeht, kommt etwas Ruhe in den Film. Problem ist nur: diese Ruhe bleibt. „Factotum“ tut sich schwer, den Zuschauer zu fesseln – mit irgendwas. Und so sitzen wir vor dem Fernseher und denken uns nur: „Was für ein Loser! Und trotzdem hat er es geschafft, dass ein Film über ihn gedreht wird. Wo ist die Flasche und mein Notizblock?“.

Ich kenne weder die Literatur von Bukowski noch möchte ich sie nach „Factotum“ kennenlernen. Aber offensichtlich schreibt er besser als er im Film rüberkommt, sonst wäre dieser Film ja nicht entstanden. Vielleicht sollte ich ihm eine Chance geben… vielleicht…

Wertung: 3 von 10 Punkten (etwas langweiliges Porträt eines eintönigen Lebens vor dem Schriftsteller-Ruhm)

2 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    11. Oktober 2009 15:51

    Auch wenn der Film bei dir nicht wirklich gut wegkommt, hast du trotzdem irgendwie mein Interesse geweckt – ich schätze, wenn sich die Gelegenheit bietet, werde ich doch mal reinschauen …

    • 12. Oktober 2009 07:12

      So soll es doch sein. An und für sich hat der Film auch mein Interesse geweckt, aber eher in die Richtung, dass ich mir vielleicht doch einmal Texte von Bukowski anschauen will. Vielleicht spiegelt der Film ja doch genau das wieder, was der Film über den Mann sagt

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