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Busfahren ist der Hammer

2. Oktober 2009

Ein Bus darf nicht langsamer als 50 Meilen pro Stunden fahren, sonst explodiert er.

Endlich mal eine Film-Inhaltsangabe, die tatsächlich in einen Satz passt und alles trifft, was man über diesen Film sagen muss. Jan De Bonts „Speed“ ist für mich ein Klassiker – De Bont verpackt die recht simple Action-Story (siehe oben) in einen der aufregendsten Filme aller Zeiten. Wer da jetzt was anderes behaupten will – bitte! Aber erst komm ich dran: Warum ist „Speed“ so großartig?

  • Zum einen fällt mir immer wieder auf, dass man den Film zwar auf die Busfahrt beschränkt, wenn man darüber spricht. Tatsache ist aber doch, dass „Speed“ mehr als nur eine Busfahrt ist. Anders als gewöhnliche Actionfilme bleibt „Speed“ nicht an einem Ort: Es fängt schon gefährlich mit der Fahrstuhlszene an – dabei werden gleich die wichtigsten Hauptfiguren erklärt. Zum einen haben wir da den Polizisten Jack Traven alias Keanu Reeves und zum anderen gibt es da seinen Kontrahenten Howard Payne alias Dennis Hopper. Nachdem Traven dem Bombenleger Payne die Tour mit dem Fahrstuhl versaut, ist der auf Rache aus und platziert eine Bombe in einem Bus. Also: Szenenwechsel Bus. Hier kommt dann noch ein bisschen Romantik ins Spiel mit einer jungen Dame namens Annie alias Sandra Bullock. Doch nur Busfahren ist auch langweilig, deswegen wird am Ende nochmal in die U-Bahn gewechselt.
  • “Speed“ bleibt dementsprechend seinem Titelthema treu und reißt den Zuschauer förmlich von den Socken. Der Film hält den Adrenalinspiegel auf konstanter Höhe, was noch ein Pluspunkt für De Bonts Debüt ist. „Speed“ kennt keine Hänger – genau wie der Bus hält sich der Film an eine Geschwindigkeit – wer weiß, vielleicht würde sonst die Filmspule anfangen zu brennen.
  • Die Stunts sind natürlich das Highlight. Ein riesiger Bus (insgesamt hat das Filmteam elf solcher Buse zu Schrott verarbeitet) rast mit Vollgas durch die Straßen. Da gibt es Unfälle ohne Ende, einen (zugegeben etwas unglaubwürdigen) Sprung über eine nicht fertig gestellte Straße und immer wieder diese beschissene rote Nadel des Tachos – ein kleiner genialer Trick, der uns den Atem stocken lässt, wenn sich die Nadel zu dicht an die 50-Marke bewegt. De Bonts Film beweist somit, dass Spannung auch durch einfache Mittel und gute Montage (ohne Wackelkamera-Effekt) möglich ist.
  • Jan De Bont war vorher Kameramann beim Kultfilm „Stirb Langsam“. Zum Glück für „Speed“ wird aber kein „Stirb Langsam“-Abklatsch daraus. Das ist unter anderem der Tatsache zu verdanken, dass Keanu Reeves eben keinen zweiten John McClane ab. Keanue Reeves schafft die perfekte Balance zwischen Held und Schwiegermuttis Liebling. Dadurch passt auch die zarte Sandra Bullock an seine Seite, die sich durch „Speed“ nach ganz oben arbeitet.

Leider hat „Speed“ einen äußerst großen Schönheitsfehler.

Wie in Hollywood ja üblich erliegen Produzenten immer der Versuchung aus einem großen Namen noch mehr raus zu holen: das „Sequel“ entsteht. „Speed“ trifft es da besonders hart. „Speed 2“ hat nur noch Sandra Bullock. Dazu kommt Willem Dafoe als Bösewicht und ein Kreuzfahrt-Schiff als Ersatz für den Bus. Um es kurz zu machen: „Speed 2“ ist eine der schlechtesten Fortsetzungen, die ich kenne. Von daher rate ich – nach dem sehr, sehr guten ersten Teil – von der Fortsetzung ab.

„Speed“ ist Kult. Ein Actionfilm mit einer unglaublichen Sogwirkung, die einen gleichzeitig in den Sessel drückt und mit offenem Mund näher an den Bildschirm ranzieht. Hier gibt es keine Verschnaufpausen, keine Pinkelpausen, keine Pause-Funktion – ansonsten passiert möglicherweise etwas Schlimmes 😛

Wertung: 10 von 10 Punkten (wuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuuusch… upps, da war der Bus)

15 Kommentare leave one →
  1. Dr. Borstel permalink
    2. Oktober 2009 08:46

    So gut, ernsthaft? Ich muss zugeben, ich habe „Speed“ nur einmal gesehen, und das ist schon Jaaahre her, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich ihn als zwar ganz unterhaltsam, aber bestimmt nicht so toll empfunden habe …

    • luzifel permalink
      2. Oktober 2009 09:16

      Geht mir ähnlich ^^ Aber ich glaube, dass ich den Film demnächst nochmal schauen werde um rauszufinden ob an den 10 Punkten was dran ist..

  2. 2. Oktober 2009 09:25

    Doch, doch… ich steh hinter meiner Beurteilung. Ich finde den Film wirklich gut. Ich würde sogar so weit gehen und sagen, im Vergleich zu neueren Action-Filmen ziehe ich „Speed“ vor.

  3. 4. Oktober 2009 09:13

    Eine Sache: Würde ich Speed nicht kennen, und wissen, dass er gut ist, dann wäre ich bei den Namen „Keanu Reeves“ und „Sandra Bullock“ echt am Zweifeln! 😉

    Wobei es ja auch einen Nachfolger gibt, der dann wiederum wirklich schlecht sein soll.

    • 5. Oktober 2009 07:18

      okay, zugegeben, die Namen schließen nicht auf großes Kino 🙂

      Teil 2 ist ja auch eigentlich schon nicht mehr erwähnenswert.

      • 5. Oktober 2009 08:20

        Aber sie passen super zusammen: Beide können nur zwei Gesichtsausdrücke. 😉

  4. 4. Oktober 2009 20:53

    Ich habe den Film letztens auch gesehen und ganz ehrlich, bis auf die Busfahrt hatte ich den Rest des Filmes (Fahrstuhl, U-Bahn) auch schon vergessen…
    Das bedeutet nicht, dass der Film schlecht wäre, im Gegenteil – die actionreiche Busfahrt ist einfach kult und für mich unvergesslich. Insofern kann ich deinem Urteil und deiner Wertung zustimmen.

    • 5. Oktober 2009 07:19

      Danke, danke… das mit dem Fahrstuhl und der U-Bahn war bei mir aber auch in weite Entfernung gerückt. Als ich ihn dann wieder gesehen hatte, habe ich mich auch erstmal gefragt: „Moment, wo ist der Bus?“

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