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Ein Film wie ein Groschenroman

1. Oktober 2009

Erzähler im Film sind immer etwas schwierig einzuschätzen. Entweder ist er tatsächlich notwendig oder er wird eingesetzt, um schnell und einfach (und etwas einfallslos) durch die wichtigsten Szenen des Films zu führen. Normalerweise finde ich Erzählerstimmen in Filmen blöd – das erinnert mich mehr an Bücher (wo sie durchaus sinnvoll sind). Ich finde, dass ein Film sich durch seine Bilder selbst erklären sollte und nicht durch einen (manchmal) nervenden Erzähler.

Zum Glück gibt es aber zu jeder Regel eine Ausnahme. „Kiss Kiss Bang Bang“ ist so eine Ausnahme. Harry Lockhart (Robert Downey Jr.) ist ein kleiner Gelegenheitsganove. Auf der Flucht vor der Polizei nach einem missglückten Einbruch landet Harry zufällig in einem Casting und überzeugt. So kommt es, dass Harry sich plötzlich in L.A. wiederfindet – an der Seite von „Gay“ Perry, ein Privatdetektiv, der Harry auf seine Rolle vorbereiten soll. Dumm nur, wenn bei einer Routine-Beschattung plötzlich eine Leiche vor Harry und Perry liegt, die sie nicht mehr loswerden. Zusammen mit Harrys Jugendliebe Harmony (Michelle Monaghan) versuchen Harry und Perry (hat doch einen guten Klang, oder nicht?) den Fall zu lösen.

Aber… Moment… jetzt verliere ich den Faden. Eigentlich wollte ich doch sagen, warum „Kiss Kiss Bang Bang“ eine Ausnahme in Sachen Erzählerstimme ist. Harry selbst ist der Erzähler, aber statt einfach nur die Geschichte voranzutreiben, beschreibt Harry den Film. Gerade am Anfang lässt er immer wieder den Film stoppen, weil er noch was vergessen hat, zu erwähnen, oder am Ende entschuldigt er sich für das kitschige Ende. Der Erzähler ist also kein allwissender Außenstehender, sondern nur der Off-Kommentator zum Film.

Wie man vielleicht schon anhand der Story und der Figuren (und vor allem ihrer Namen) erkennen kann, ist „Kiss Kiss Bang Bang“ wie ein billiger Groschenroman (so wie die, die Harmony als Kind gelesen hat): ein Mord, ein Detektiv und sein Partner, hübsche Frauen und dreckige, teilweise auch fiese Witze. Der Kriminalfall, den Harry und Perry (ja, ich finde, das hat einen ausgezeichneten Klang – die neue Serie „Harry und Perry“ J) auflösen, macht nicht immer wirklich Sinn, hat die merkwürdigsten Wendungen und eine äußerst fragwürdige Auflösung – aber da bleibt man halt dem Groschenroman treu: schnelle, spannende Geschichten, die unterhalten sollen.

Getragen wird diese schwarze Komödie vor allem durch das Buddy-Paar Harry und Perry. Ich war von Val Kilmer noch nie so wirklich begeistert, aber als dicklicher, schwuler Privatdetektiv spielt Kilmer hier die beste Rolle bisher. Auch Robert Downey Jr. gibt eine klasse Perfomance ab – sowohl als Erzähler als auch als Harry selbst, der zusammengeschlagen wird, seinen Finger verliert und seine Eier heiß serviert bekommt.

„Kiss Kiss Bang Bang“ von Shane Black ist ein großartiger Film zum Abschalten: Chips auf, auf die Couch und herrlich entspannen.

Wertung: 9 von 10 Punkten (so schwarz und absurd kann wohl nur L.A. sein)

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