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Laborratten

30. September 2009

Science-Fiction-Filme mit philosophischem Hintergrund waren Ende der 90er sehr beliebt. Vielleicht lag es daran, dass das Millennium bevorstand und man nicht genau wusste, was danach so passiert. So bescherten uns die 90er Jahre Filme wie „Matrix“, „The Thirteenth Floor“ oder „eXistenZ“. In allen Filmen kam die Frage danach auf, was ist wahr und was ist falsch – ist das, was wir am eigenen Körper erfahren Realität oder nur eine computergesteuerte Fantasie.

Einen etwas anderen (wenn auch nicht so viel anders) Weg schlug 1998 Alex Proyas mit seinem Film „Dark City“ ein.

John Murdoch (Rufus Sewell) wacht ohne Erinnerungen in einem Hotelzimmer auf. Im gleichen Zimmer findet er auch die Leiche einer Frau – ist Murdoch möglicherweise ein Killer, der schon mehrere weibliche Opfer hatte? Wir können es nicht wissen, denn Murdoch weiß es nicht und auf der Suche nach seiner Identität muss er erkennen, dass niemand in „Dark City“ wirklich weiß, wer er ist: Punkt 12 verändert sich die Stadt und die Menschen, die in ihr leben. Häuser schießen wie Blumen aus dem Boden, andere Gebäude verschwinden oder verändern sich – und genau wie die Stadt werden auch die Menschen verändert: Wer eben noch arm war, kann plötzlich reich sein; wer eben noch ein unbescholtener Bürger war, kann im nächsten Augenblick ein Killer sein. Verantwortlich für all das sind „Die Fremden“ – eine außerirdische Rasse, die die Realität verändern können – das „Tuning“. Mithilfe des „Tuning“ und der ständigen Veränderung der Stadt wollen „Die Fremden“ lernen, was die Seele ausmacht. Ihnen zur Seite steht der Arzt Dr. Schreber (Kiefer Sutherland), der die Erinnerungen der Menschen löscht und neue in ihren Köpfen prägt.

„Dark City“– nomen est omen. Die Stadt lebt in ständiger Dunkelheit. Die Bilder dunkler Straßenzüge und Gebäude erinnern an Fritz Langs „Metropolis“ oder an Ridley Scotts „Blade Runner“. Eindeutig hat Proyas sich aber bei dem älteren Film bedient – vor allem in Bezug auf Kulisse und Optik. Die Stadt, die sich ständig verändert, bleibt in einem unheimlichen Dunkel. Es existieren nur wenige helle Lichtpunkte – ansonsten wird die Stadt von Dunkelheit beherrscht, in dessen Schatten „Die Fremden“ hin und her huschen und die Menschen studieren.

Dass mit „Dark City“ nicht stimmt, verraten schon die ersten Minuten des Films (eine Tatsache, die im Director’s Cut angeblich nicht mehr vorzufinden ist, um die Spannung zu steigern). Was es aber wirklich mit der Stadt und den „Fremden“ auf sich hat, erfährt man immer nur Stück für Stück. Teilweise wird schon am Anfang einiges zu den Hintergründen der „Fremden“ gesagt, aber die komplette Auflösung findet erst am Ende statt.

Anders als bei „Matrix“ oder „eXistenZ“ sind die Menschen in „Dark City“ wirklich nichts anderes als Laborratten. Um herauszufinden, was einen Menschen ausmacht, werden seine Erinnerungen ständig ausgetauscht. Es stellt sich also die Frage, wie sehr kann man seinen eigenen Erinnerungen vertrauen. Viel wichtiger aber scheint die Frage zu sein, was bedeuten, Erinnerungen für den Menschen. Murdoch und Schreber sind die einzigen Menschen, die von der Existenz der „Fremden“ wissen – Schreber, weil er die Menschheit an sich verraten hat, um für die „Fremden“ zu arbeiten und Murdoch, weil er auf unerklärliche Weise ebenfalls das „Tuning“ beherrscht. Murdoch ist – ähnlich wie bei „Matrix“ – der Messias für die Stadtbevölkerung. Nur er kann die „Fremden“ aufhalten und Licht nach „Dark City“ bringen.

Man könnte bestimmt eine ganze philosophische Abhandlung über all diese Filme schreiben und wie sie mit dem Thema der Realitätswahrnehmung umgehen. Zum Glück sind uns bis jetzt Fortsetzungen von „Dark City“ erspart geblieben, wodurch der „Zauber“ des Films bestehen bleibt (anders als bei anderen Filmen *hüstel hüstel*).

„Dark City“ ist ein äußerst stimmungsvoller Film: das dunkle Setting passt perfekt zu der Story. Proyas schafft mit dem Film einen guten Mix aus film noir, Science-Fiction und Elemente von Horror und Thriller. Für alle Fans von „Matrix“ (nur erster Teil), ist „Dark City“ ein Muss. Für diejenigen unter euch, die tatsächlich eine philosophische Abhandlung im Bezug auf Film schreiben wollen, auch. Der Rest sollte sich den Film auch anschauen, weil es ein wirklich guter – sowohl von der Optik als auch der Story –ist.

Wertung: 9 von 10 Punkten (dunkler Sci-Fi-Thriller nach „Matrix“-Art, nur vor „Matrix“)

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